Zähneknirschen: Wie sicher sind Schutzschienen?

(Bild: Archiv LZ/Philipp Schmidli)
GESUNDHEIT ⋅ Ich (w, 40) muss nachts eine sogenannte Michigan-Schiene tragen, um zu verhindern, dass aufgrund von nächtlichem Knirschen Zahnschäden entstehen. Aus welchen Materialien sind solche Schienen hergestellt? Könnten sich durch das jahrelange Herumkauen auf der Schiene gesundheitsgefährdende Stoffe freisetzen?
13. Juni 2017, 05:00

Eine Aufgabe der Michigan-Schiene ist der Schutz der Zähne vor dem schädlichen Zähneknirschen. Die Schiene wird aus hartem Kunststoff hergestellt und über die ganze obere oder untere Zahnreihe gestülpt und vor allem nachts getragen.

Michigan-Schienen werden aus Kunststoff individuell für die jeweilige Zahnreihe hergestellt. Die dafür verwendeten Kunststoffe bestehen aus Polymethylmetacrylat ohne Weichmacher. Da diese Schienen mehrere Stunden pro Nacht und oft über viele Jahre getragen werden, stellt sich Ihre berechtigte Frage, ob dadurch gesundheitsgefährdende Stoffe entweichen können.

EU-Anforderungen müssen erfüllt sein

Grundsätzlich müssen alle Medizinalprodukte – und dazu gehören auch die zahnärztlichen Materialien – den Anforderungen der EU-Direktive 93/42 EWG genügen. Die Schweiz hat sich dieser EU-Regelung auch angeschlossen. Darin sind die grundlegenden Anforderungen an Medizinalprodukte festgelegt mit dem Ziel, sowohl die Patienten als auch die Hersteller (zum Beispiel die Angestellten in den Produktionsbetrieben) und die Anwender (zum Beispiel die Zahnärzte und die Zahntechniker) vor unerwünschten Wirkungen zu schützen.

Die Materialien werden deshalb in biologischen Tests auf ihre giftige und sensibilisierende Wirkung getestet. Verantwortungsbewusste Hersteller werden die Materialien erst dann freigeben, wenn diese Tests erfolgreich verlaufen sind, die Materialien alle anwend­baren Normen erfüllen (die Gruppe der zahnmedizinischen Materialien und Geräte ist einer der am besten genormten Bereiche) und die Risikoanalyse keine unvertretbaren Risiken aufgezeigt hat.

CE-Kennzeichnung muss vorhanden sein

Der Hersteller darf anschliessend die CE-Kennzeichnung vergeben, die auf dem Produkt oder auf der Verpackung angebracht ist. Das CE-Zeichen ist uns von Spielwaren oder Elektrogeräten her bekannt und darf als Gütesiegel angesehen werden. Es garantiert, dass das Produkt getestet wurde und die jeweiligen Normen und versprochenen Leistungen erfüllt.

In Ihrem konkreten Fall gehe ich davon aus, dass der Kunststoff, aus welchem Ihre Schiene hergestellt wurde, eine CE-Kennzeichnung hat. Sie können somit davon ausgehen, dass die Schiene bedenkenlos getragen werden kann. Wäre übrigens keine CE-Kennzeichnung vorhanden, würden sich die Herstellerfirma und der Zahnarzt, der die Schiene hergestellt hat, strafbar machen.

Zertifikate sind meistens abrufbar

Sollte bei Ihnen dennoch Unsicherheit bestehen, fragen Sie am besten Ihren Zahnarzt nach dem verwendeten Produkt, dessen Zusammensetzung und der CE-Kennzeichnung. Die meisten Herstellerfirmen haben Zertifikate für ihre Produkte abrufbar, die alle diese Fragen beantworten. Eine weitere von Ihnen selber veranlasste Analyse ist nicht notwendig.

Die Michigan-Schienen werden aus Kunststoff ohne Weichmacher hergestellt. Sie müssen klar definierte EU-Richtlinien erfüllen und werden ausgiebigen Tests unterzogen. Wichtig ist die CE-Kennzeichnung. Fragen Sie im Zweifelsfall Ihren Zahnarzt.

Dr. med. dent. Jürg Eppenberger

 


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