Ratgeber

Wie werde ich meine Ischiasschmerzen wieder los?

Themenbild Hüftgelenk schmerzen , fotografiert am 27. Januar 2011. (Neue LZ/Eveline Beerkircher) (Bild: Archiv LZ/Manuela Jans)
GESUNDHEIT ⋅ Ich (w, 80) leide seit Monaten an einem entzündeten Ischiasnerv. Das bereitet mir immer wieder starke Schmerzen, die vom rechten Oberschenkel bis in den grossen Zeh ziehen. Was kann man gegen diese Schmerzen machen? Ich bin fast schon am Verzweifeln, weil es nicht besser wird.
20. Juni 2017, 05:00
Dr. med. & Dr. phil. Piet van Spijk

Ausgehend vom Rückenmark, zieht ein grosser Nervenstrang von der Lendenwirbelsäule über das Gesäss, den seitlichen Ober- und Unterschenkel bis in den Fuss und die Zehen. Dieser Nervenstrang wird Ischias genannt. Schmerzen, die vom Rücken ins Bein und bis in den Fuss, manchmal sogar in die Zehen, ziehen, sind recht häufig.

Allerdings kann sich in derselben Körperregion auch anderes schmerzhaft bemerkbar machen, zum Beispiel die Gelenke der Wirbelsäule, das Hüftgelenk oder verschiedene Beinmuskeln. Ein geschädigter Ischiasnerv kann deshalb zum Teil vorgetäuscht sein.

Abklären, ob es wirklich der Ischiasnerv ist

Bevor Sie Ihre Schmerzen hoffentlich wieder loswerden können, gilt es für Ihren behandelnden Arzt zunächst herauszufinden, ob tatsächlich der Ischiasnerv dafür verantwortlich ist. Zu diesem Zweck wird er die folgenden Schritte durchgehen: Erstens wird er eine genaue Befragung (sog. Anamnese) bezüglich Art, Dauer und Intensität der Schmerzen durchführen. Als Zweites wird er Sie genau untersuchen, besonders Ihren Rücken und Ihr Bein. Sind diese wichtigen Schritte erfolgt, ist es meist klar, ob die Schmerzen tatsächlich vom Ischiasnerv stammen oder nicht.

Hat sich der Verdacht auf einen geschädigten Ischiasnerv bestätigt, dauern die Beschwerden schon länger an, und handelt es sich um eine ältere Person, ist es oft nötig, zusätzlich sogenannte bildgebende Untersuchungen zu veranlassen, also Röntgen, Computertomogramm (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRI). Manchmal findet sich bei diesen Untersuchungen Bandscheibengewebe, das – anstatt die Wirbel gegeneinander abzupuffern – zwischen den Wirbeln hervorquillt und auf den Ischiasnerv drückt (sog. Diskushernie).

Bei älteren Personen eher noch häufiger sind abnützungsbedingte Formveränderungen der Wirbelsäule. Diese können dazu führen, dass der Ischiasnerv auf seiner Bahn beengt wird und sich so entzündet.

Die Behandlung der Ischiasschmerzen besteht neben schmerzstillenden Medikamenten in einer konsequent durchgeführten Physiotherapie.

Bei der Physiotherapie geht es in erster Linie darum, die Rumpfmuskulatur zu kräftigen. Dadurch wird die Lendenwirbelsäule in aufrechter Position gehalten, und bewegungsabhängige Reizungen des Ischiasnervs unterbleiben.

Operation ist die letzte Massnahme

Bringt Physio allein nicht ge­nügend Linderung, werden heute immer häufiger unter Röntgendurchleuchtung entzündungshemmende Medikamente an die Stellen gespritzt, wo der Nerv gereizt wird. Erst wenn diese Massnahmen nichts fruchten, die Schmerzen zermürbend bleiben oder gar Lähmungen auftreten, wird als letzte Massnahme die Operation mit dem Ziel der Behebung der Nervenbeengnisses ins Auge gefasst. Die Erholungszeit nach einer solchen OP ist lang, braucht Geduld und sollte wiederum von einer intensiven Physiotherapie begleitet sein.

Dr. med. & Dr. phil. Piet van Spijk

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