Weshalb ist der Druckausgleich in den Ohren gestört?

GESUNDHEIT ⋅ Leider funktioniert in meinen Ohren der Druckausgleich schon lange nicht mehr richtig. Oft löst er sich tagelang nicht, sodass ich während dieser Zeit sehr schlecht höre und kaum telefonieren kann. Zudem trage ich ein Hörgerät, und das macht es schwierig, es richtig einzustellen. Was könnte mir helfen?
12. September 2017, 05:00
Dr. med. Sandro Burkart

Eine Funktionsstörung der Ohrtrompete (Eustachische Röhre), welche die Verbindung zwischen dem Mittelohr und dem Nasenrachen darstellt, kann Patienten in jedem Lebensalter treffen, sowohl Kinder wie ältere Menschen. Belüftungsstörungen der Ohren sind weit verbreitet und häufig.

Wichtigste Funktion der Ohrtrompete ist die Sicherstellung des Druckausgleichs im Mittelohr, da dies essenziell für ein optimales Hörvermögen ist. Normalerweise öffnet sich die Ohrtrompete beim Kauen, Schlucken oder Gähnen über 80 Mal pro Stunde. Ein eingeschränkter Druckausgleich sowie eine Hörminderung sind typische Symptome einer Funktionsstörung der Ohrtrompete. Auch über ein Rauschen in den Ohren, Ohrenschmerzen und klickende Geräusche beim Schlucken wird berichtet.

Die Gründe für die Störung sind vielfältig. Einerseits sind Schleimhautschwellungen möglich, zum Beispiel bei chronischen Entzündungen der Nase oder Nasennebenhöhlen oder bei Allergien. Auch eine Verlegung durch Nasenpolypen oder eine vergrösserte Rachenmandel ist möglich. Letztere stellt vor allem bei Kindern eine typische Ursache dar. Hierbei kann es zu wiederkehrenden Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr kommen. Auch chronische Reizungen durch Umweltfaktoren, inklusive Tabakrauch, sind denkbar.

Nebst dem Bild der zu engen Ohrtrompete muss auch an die seltener vorliegende zu weite Tube gedacht werden. Hier wird über verstärktes Hören eigener Körpergeräusche, insbesondere der Stimme, sowie unangenehmen Ohrdruck berichtet. Typischerweise verschwinden diese Symptome im Liegen.

Keine pauschale Therapie

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt führt neben der Anamnese eine Ohruntersuchung mit dem Ohrmikroskop durch, kombiniert mit einem Hörtest und einer Druckmessung des Mittelohrs und einer Untersuchung des Nasenrachens.

Da die Ursachen vielfältig sind, gibt es keine pauschale Therapie der Belüftungsstörung. Nach Möglichkeit wird die zugrunde liegende Erkrankung behandelt. Um die Schleimhaut zu pflegen und abzuschwellen, können Inhalationen und Meersalznasenspülungen mittels einer Nasedusche durchgeführt werden. Diese Massnahme wird durch die Verabreichung von lokal wirkenden Kortisonsprays unterstützt.

Abschwellende Nasentropfen sollten nur kurzfristig verwendet werden, da diese auf Dauer schädlich für die Nasenschleimhaut sind. Des Weiteren kann das Valsalva-Überdruckmanöver (Luft in die Nase blasen bei zugehaltener Nase) oder das Aufblasen eines speziellen Luftballons mit der Nase zu einer Verbesserung der Ohrtrompete-Funktion führen.

Bei bleibenden Beschwerden und wiederkehrenden Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr kann die Belüftung operativ (z. B. Einlage von Belüftungsröhrchen in das Trommelfell) erfolgen. In Einzelfällen besteht seit einigen Jahren auch die Möglichkeit, die Ohrtrompete mittels eines Ballons aufzuweiten. Diese Therapieoptionen müssen immer individuell beurteilt werden.

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