Ratgeber

Welche Sonnenschutzregeln gelten für Kleinkinder?

JULIA CHRISTEN WEISS GENAU BESCHEID. OHNE SONNENCREME GIBT ES KEIN SONNENBAD. DIE NEUE ETH STUDIE SORGT FUER WIRBEL: UV-FILTER KOENNEN WIE HORMONE WIRKEN, WIRD BEHAUPTET. DERMATOLOGEN GEBEN JETZT ENTWARNUNG. KIND, MAEDCHEN, BADEN, SOMMER, SONNENBRILLE, SONNE, WASSER, PLANSCHBECKEN, SAMSTAG 20. JULI 2001. (NEUE LZ/GUIDO ROEOESLI) (Bild: Archiv LZ/Guido Röösli)
GESUNDHEIT ⋅ Als Mutter eines sieben Monate alten Kindes möchte ich möglichst alles richtig machen. Gibt es für Babys und Kleinkinder spezielle Massnahmen, die man beim Sonnenschutz beachten sollte? Braucht es spezielle Cremes? Braucht es spezielle Sonnenschutzbekleidung, wie ich sie bei Kindern anderer Mütter immer mal sehe?
27. Juni 2017, 05:00
Dr. med. Marita Pouly-Wieland

Sonnenschutz ist für Menschen wichtig. Bei Babys und Kleinkindern sind obendrein ein paar spezielle Punkte zu beachten. Grundsätzlich gilt: Kinder sollten sich in erster Linie im Schatten aufhalten. Ihre Haut ist noch dünn und die Eigenschutzzeit – das ist die Zeit, bis es zu einem Sonnenbrand kommt – noch sehr gering.

Man sollte Kleinkinder mit UV-Schutzkleidern, Sonnenhut mit Nackenschutz, Sonnenbrille und Sonnencreme vor der UV-Strahlung schützen. Nach Wasserkontakt oder bei starkem Schwitzen verliert die Sonnencreme an Wirkung. Daher sollte man bei Kindern und auch bei Erwachsenen den Sonnenschutz mehrmals erneuern. Zwischen 11 und 15 Uhr sollten sich Kleinkinder am besten nicht im Freien aufhalten.

Brauchen Kinder spezielle Cremes? Empfohlen werden in erster Linie Sonnencremes mit nur mineralischem Filter, da chemische Filter in Verruf geraten sind, Allergien auszulösen und wie Hormone zu wirken. Sonnencremes mit nur mineralischem Filter lassen sich jedoch aufgrund der eher zähen Konsistenz kaum auftragen. Vor allem nicht, wenn das Kind kaum stillhalten kann. Daher kann man sich fragen, was denn besser ist: schlecht aufgetragener mineralischer Filter oder besser aufzutragende gemischte Sonnencreme? Ich bevorzuge die zweite Lösung, da es beim Auftragen auch auf die Menge und die auch tatsächlich behandelte Fläche ankommt.

Lichtschutzfaktor mindestens 30

Die Sonnencreme sollte einen UVA- und UVB-Filter haben, der Lichtschutzfaktor (LSF) sollte mindestens 30, besser sogar 50 betragen. Es kommt dabei nicht darauf an, wo Sie die Creme kaufen. Alle Produkte wirken gut, wenn wirklich genügend Creme an allen Stellen eingerieben wird.

Immer häufiger sieht man spezielle Sonnenschutzbekleidung bei Kleinkindern. Das ist zu begrüssen, denn UV-Kleider sind der ideale Sonnenschutz. Das Kind ist dadurch auf einer grossen Fläche sicher geschützt. Dies ist vor allem bei jenen Kindern optimal, die sich nicht gerne eincremen lassen. Zudem wird der UV-Schutz durch Wasser und Schweiss nicht beeinträchtigt.

Auch Sonnenhüte mit Nackenschutz zum Binden sind sehr empfehlenswert, man darf aber gleichwohl nicht vergessen, die textilfreien Areale (Gesicht inklusive Ohren, Hände und Füsse, teilweise auch Unterarme und Unterschenkel) einzucremen.

Streustrahlung nicht vergessen

Babys und Kleinkinder sollten sich wie erwähnt prinzipiell im Schatten aufhalten. Jedoch sollte man sie auch dort wegen der Streustrahlung (Reflexionen der Sonnenstrahlen an Sand, Wasser und Schnee) sowie wegen der nicht ganz UV-dichten Sonnenschirme und Bäume zusätzlich mit Creme, UV-Schutzkleidern und Sonnenbrille schützen. (Die «Zentralschweiz am Sonntag» hat vorgestern ausführlich über diese auch für Erwachsene wichtige und oft unterschätzte Problematik berichtet.)

Dr. med. Marita Pouly-Wieland

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