Was ist eigentlich das Pfeiffer’sche Drüsenfieber?

RATGEBER ⋅ Unsere Tochter (22) ist offenbar an Pfeiffer’schem Drüsenfieber erkrankt, zum Glück nicht so heftig. Was ist das genau für eine Krankheit? Wie und wo steckt man sich an? Und warum hört man immer wieder mal von jungen Sportlern, die betroffen sind? Haben die nicht ein vergleichsweise gutes Immunsystem?
26. September 2017, 13:55
Dr. med. Regine Class

Das Pfeiffer’sche Drüsenfieber (Mononukleose) ist eine Infektionskrankheit, die durch das Epstein-Barr-Virus hervorgerufen wird. Benannt ist die Erkrankung nach dem deutschen Kinderarzt Emil Pfeiffer.

Das Virus ist sehr verbreitet. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung infizieren sich bis zum 30. Lebensjahr. Eine Impfung gegen das Virus gibt es nicht. Kinder, Jugendliche oder auch Erwachsene, die dieses Virus nicht in sich tragen, können sich durch infizierte Personen anstecken. Wer einmal Mononukleose hatte, kann nicht erneut erkranken.

«Kuss-Krankheit»

Wie steckt man sich an? Das Virus kann von asymptomatischen Personen über den Speichel ausgeschieden werden. Das Pfeiffer’sche Drüsenfieber wird auch «kissing disease» genannt, da sich Jugendliche beim Küssen anstecken können. Tröpfcheninfektionen durch Niesen und Husten sind seltener. Die Zeit zwischen Ansteckung und Auftreten von Symptomen (Inkubationszeit) beträgt 10 bis 50 Tage.

Unter 10 Jahren verläuft die Erkrankung meist ohne Symptome oder als harmlose Rachen-Mandel-Entzündung. Dagegen treten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zum Teil über Wochen Müdigkeit, Krankheitsgefühl und Muskelschmerzen auf, gefolgt von Fieber, Halsschmerzen, Vergrösserung der Mandeln und Lymphknotenschwellungen.

Bei lang andauernder Müdigkeit, Fieber und/oder Lymphknotenschwellung ist ein Arztbesuch immer sinnvoll. Bei voller Ausprägung des Krankheitsbildes ist die Diagnosestellung problemlos. Das Blutbild weist die für Mononukleose typischen Zellveränderungen auf. Weitere Bluttests dienen zum Ausschluss ähnlicher Krankheitsbilder. Mit Ultraschall kann der Arzt eine Leber- oder Milzvergrösserung feststellen.

So therapiert man

Spezifisch wirkende Medikamente gibt es leider nicht. Antibiotika sind gegen Viren wirkungslos. Die Behandlung richtet sich deshalb nach den Symptomen. Schmerzstillende, fiebersenkende Medikamente können erforderlich werden. Auf ausreichende Flüssigkeit ist zu achten. Wichtig sind viel Ruhe und körperliche Schonung, weil das Immunsystem vorübergehend geschwächt ist.

Zu Ihrer Frage betreffend die Sportler: Dass sie betroffen sind, liegt einmal daran, dass die Mononukleose ihren Erkrankungsgipfel bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat, also in dem Alter, in dem jemand Spitzenleistungen im Sport erbringt. Andererseits wird vermutet, dass ständige körperliche Höchstleistungen mit nur kurzen Erholungsphasen und auch das Pfeiffer’sche Drüsenfieber selbst das Immunsystem schwächen können.

Das Pfeiffer’sche Drüsenfieber tritt bei Sportlern nicht unbedingt häufiger auf, aber es kann hartnäckiger sein: Wenn die Krankheit nur unspezifische Symptome zeigt, legen betroffene Sportler oft keine Trainingspause ein. Dabei würde es eben mehrere Wochen Schonung brauchen, um nachhaltig gesund zu werden und Komplikationen zu vermeiden.

Dr. med. Regine Class

Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin Medicum Wesemlin, Luzern,

www.medicum-

wesemlin.ch

Diese Infektionskrankheit ist weit verbreitet. Die meisten jungen Menschen infizieren sich einmal mit dem Virus. Vor allem bei Kindern unter zehn verläuft die Krankheit aber fast symptomlos. Spezielle Medikamente gibt es nicht, behandelt werden die Symptome.

Suchen Sie Rat?

Schreiben Sie an: Ratgeber,

Luzerner Zeitung,

Maihofstrasse 76, 6002 Luzern.

E-Mail: ratgeber@luzernerzeitung.ch

Bitte Anfrage mit Abopass-Nummer.

 


Leserkommentare

Anzeige: