Sind Sojamilch und Co. ein valabler Kuhmilchersatz?

(Symbolbild: Pius Amrein)
RATGEBER ⋅ In der modernen Ernährung wird aus verschiedenen Gründen (Allergien, Vegetarismus etc.) anstelle von Kuhmilch oft ein Milchersatz eingesetzt: Sojamilch, Hafermilch, Reismilch etc. Sind diese «Ersatzmilchen» der normalen Kuhmilch ebenbürtig?
29. Juli 2017, 05:00

Die Auswahl an pflanzlichen Milchalternativen ist mittlerweile gross. Allein bei Coop stehen rund 13 verschiedene Produkte zur Auswahl. Ausgangsprodukte sind dabei unter anderem Sojabohnen, Mandeln, Hafer, Dinkel, Quinoa, Reis oder Kokosnuss. Diskussionen rund um gesunde Ernährung, Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) und vegane Ernährung haben dazu beigetragen, dass die Nachfrage nach pflanzlichen Milchalternativen ansteigt. So hat sich der Absatz von pflanzlichen Milchalternativen bei Coop in den letzten zehn Jahren etwa verdreifacht.

Pflanzliche Drinks werden mit einem hohen Gesundheitswert beworben. Schaut man etwas genauer hin, gilt das nicht uneingeschränkt. Nährstoffvergleich mit Kuhmilch: Bezüglich Eiweissgehalt kommen Sojagetränke der Kuhmilch am nächsten. Ihr Proteingehalt liegt bei 2–3 Gramm je Deziliter – bei der Kuhmilch sind es 3,3 Gramm. Milchalternativen auf Getreidebasis wie Hafer oder Reis sind mit 0,5–1 Gramm Protein eiweiss­arm. Folglich empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) Veganern, die ihren Eiweissbedarf ausschliesslich aus pflanzlichen Nahrungsmitteln decken, täglich zwei Portionen Tofu, Seitan, Tempeh, Sojafleisch oder Hülsenfrüchte zu essen. Oder: eine Portion Tofu, Seitan, Tempeh, Sojafleisch oder Hülsenfrüchte und täglich drei Portionen Sojadrink oder Sojajoghurt zu konsumieren.

Kuhmilch ist auch eine gute Quelle für Kalzium und Vitamin B12. Pflanzliche Alternativen sind von Natur aus kalziumarm. Entsprechend fügen Hersteller den Getränken Kalzium bei. Die Menge entspricht dann in etwa der von Kuhmilch. Je nach Produkt ist der pflanzliche Drink auch mit den Vitaminen B12 und D angereichert.

Zusatzstoffe: Um eine milchähnliche Konsistenz zu erhalten, werden den pflanzlichen Drinks Öle, Emulgatoren (wie Lecithin) und Stabilisatoren (wie etwa Johannisbrotkernmehl) beigemischt. Zur geschmacklichen Abrundung werden Zucker, Süssungsmittel, (Meer-)Salz und/oder Aromen beigegeben (siehe Zutatenliste). Der Zuckergehalt kann insbesondere bei Drinks aus Getreiden um ein paar Gramm höher liegen als bei Milch, da sie neben dem zugefügten Zucker bereits Zucker als natürliches Abbauprodukt von Stärke enthalten.

Herstellungsverfahren geheim

Verarbeitungsstufen: Pflanzliche Drinks werden in mehreren Arbeitsschritten hergestellt. Das detaillierte Herstellungsverfahren ihrer Sojaprodukte unterliegt bei Emmi jedoch dem Betriebsgeheimnis. Für die Herstellung der Sojamilch werden Sojabohnen geschält und mittels eines Filterverfahrens ein Sojaextrakt hergestellt, das Emmi einkauft. Woher das Soja und andere Rohstoffe stammen, wird je nach Vertrieb auf der Verpackung deklariert. Wer selber Soja- oder Mandelmilch herstellen will, findet Anleitungen im Internet.

Fazit: Pflanzliche Drinks unterscheiden sich in mehreren Punkten von der Kuhmilch. Ein vollwertiger Ersatz in Bezug auf die Nährstoffe sind sie nicht. Ein Blick auf die Zutatenliste und den Nährstoffgehalt lohnt sich.

Monika Neidhart


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