Ratgeber

«Künstlicher Sonnenbrand» gegen Hauterkrankung?

(Bild: Peter Appius)
GESUNDHEIT ⋅ Ich habe auf dem Kopf eine Hauterkrankung (solare Keratose). Zur Behandlung habe ich eine Licht- therapie über mich ergehen lassen. Sie bewirkt einen künstlich erzeugten Sonnenbrand an den behandelten Stellen. Ist diese Therapie nicht kontraproduktiv, weil man ja die Haut vor Sonnenbestrahlung schützen sollte?
29. August 2017, 05:00
Dr. med. Jörg-Ulrich Fechner

Aktinische bzw. solare Keratosen sind sehr häufig. Sie können in sehr wenigen Fällen entarten, daher neigt man heute dazu, sie frühzeitig zu behandeln.

Solche Keratosen entstehen generell durch kontinuierliche UV-Exposition (Terrasse, Garten, Sport, Cabriolet etc.), es bedarf also nicht eines ursächlichen Sonnenbrandes.

Haut fühlt sich an wie Schmirgelpapier

Diese Schädigung der Haut durch chronisches UV-B-Licht verursacht raue Hautpartien, die sich trocken und schuppig anfühlen, ähnlich wie Schmirgelpapier (Schleifpapier, Sandpapier) und auch eine andere Farbe haben. Sie können sich anfänglich wieder zurückbilden, jedoch im Laufe der Zeit immer wieder an den gleichen Stellen entstehen und zu Hautkrebs im frühesten Stadium führen.

Zum modernen Management der Therapie von Hauttumoren und den erwähnten Vorstufen gehört die beschriebene Methode der speziellen Lichttherapie (photodynamische Therapie). Auf weitere mögliche Massnahmen wie die Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff, Radiotherapie oder gezielt medikamentöse Therapien werde ich hier nicht eingehen. Diese werden aber primär zur Behandlung genutzt.

Die photodynamische Therapie (PDT) ist seit Jahren etabliert und immer weiter verfeinert worden, um die so häufig beschriebene, unangenehme Schmerzhaftigkeit mit Erfolg zu reduzieren. Dabei wird auf die sichtbaren fehlerhaften Hautstellen eine Creme aufgetragen, welche die Zellen extrem empfindlich gegen Rotlicht macht. Nach einer gewissen Zeit wird dann für kurze Zeit kaltes Rotlicht angewandt.

Dieses Verfahren ist selektiv wirksam, ohne dabei die gesunde Haut zu schädigen. Es hat auch ein sehr gutes kosmetisches Ergebnis. Dabei werden sogar noch nicht sichtbare, bösartige, veränderte Zellen mitbehandelt.

Die angesprochene paradoxe Situation mit dem erzeugten «künstlichen Sonnenbrand» stimmt nicht ganz, da nur ein besonderer Wellenbereich des Lichts therapeutisch genutzt wird. Es wird sogar in letzter Zeit durch Verzicht der herkömmlichen bewährten Rotlichtanwendung auf Tageslicht-PDT umgestellt. Da diese Methode weniger schmerzhaft ist, ist sie auch geeignet zur Behandlung grösserer geschädigter Areale der Haut.

Abstossung fehlerhafter Zellen und Hautreparatur

In der Folge ist neben der Rötung der behandelten Haut eine langsame Abstossung der fehlerhaften Zellen und eine Reparatur in den Folgewochen zu erwarten. Konsequenterweise sollte man aber intensive Sonnenbestrahlung in den Folgemonaten meiden und Hut, Kleidung oder hohe Lichtschutzfaktoren verwenden.

Generell sind die Möglichkeiten zur Behandlung von aktinischen bzw. solaren Keratosen in den letzten Jahren erheblich verbessert worden. Im Einzelfall wird der behandelnde Spezialist in Absprache mit dem Patienten entscheiden, welche Methode individuell die beste und geeignetste ist.

Dr. med. Jörg-Ulrich Fechner


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