Ratgeber

Körperhygiene: Genügt es, sich «nur» zu waschen?

ILLUSTRATIONSBILD SCHWITZEN UND DEO. AUFGENOMMEN AM 7. JULI 2003 IN GISWIL. ©REMO INDERBITZIN SCHWITZEN, HEISS, DEO, SCHWEISS (© REMO INDERBITZIN)
GESUNDHEIT ⋅ Meine allein wohnende Mutter (81) ist noch recht fit. Nun habe ich aber festgestellt, dass sie weder ­badet noch duscht. Sie sagt: «Ich wasche mich täglich obenrum und untenrum, das reicht.» Ich möchte ihr nicht dreinreden. Trotzdem die Frage: Reicht es aus hygienischer und gesundheitlicher Sicht, sich «nur» zu waschen?
19. September 2017, 00:00
Dr. med. Anna Caroline Maassen

Ob eher geduscht oder gebadet wird, ist von Kultur zu Kultur verschieden. Während die Finnen eher ein Saunabad nehmen, besuchen die Türken lieber ihr Hamam, und die Japaner schwören auf ihr heisses Onsen. Allen Methoden ist gemeinsam, dass ein Bad nicht nur einen positiven Beitrag zur Hygiene, sondern auch zur Hautdurchblutung, Muskelentspannung und zum subjektiven Wohlbefinden leistet. In abgeschwächter Form ist dies auch beim Duschbad der Fall.

Es ist aber bekannt, dass zu viel Wasser – selbst ohne Seife – den Säureschutzmantel der Haut teilweise zerstören kann. Dieser Mantel schützt uns vor schädlichen Keimen. Inwieweit er angegriffen wird, ist abhängig von der Hautkonstitution. Bei anlagebedingt trockener Haut kann tägliches Duschen oder Baden schon zu viel sein und zu Trockenheitsekzemen führen. Und im Laufe des Lebens wird die Haut ja typischerweise trockener.

Jüngere Menschen, die unter Akne leiden, tun hingegen gut daran, ihre Haut häufiger zu reinigen. Bei Neigung zu entzündlichen Hautveränderungen kann ein Bad mit leicht antiseptischen, beruhigenden Zusätzen oft Wunder wirken. Hier muss die Haut anschliessend sofort wieder eingecremt werden.

Auch die weit verbreitete Annahme, dass offene Wunden, zum Beispiel an den Unterschenkeln bei vorbestehender Venenerkrankung, nicht gebadet werden dürfen, ist überholt. Im Gegenteil, auch hier sind antimikrobielle Bäder oftmals sehr wirksam.

Generell sollte man sich bei der Körperhygiene die 3-K-Regel merken:

  • Kühles Wasser greift den Säureschutzmantel weniger an, daher nicht über 38 Grad duschen oder baden.
  • K urz duschen (nicht länger als 3 Minuten) bzw. baden (nicht länger als 30 Minuten).
  • Kernseife und Duschmittel möglichst sparsam, nur an folgenden Körperpartien einsetzen: Hände, Füsse, Achseln, Intimbereich sowie von Zeit zu Zeit, zum Beispiel nach dem Sport, auch Brust- und Rückenmitte.

 

Entscheidend ist, dass man sich wohlfühlt

Was soll man nun empfehlen, wenn man diese Kenntnisse auf Ihre Frau Mutter bezieht? Es gibt kein Richtig und kein Falsch, wenn man bei der Körperhygiene Waschen, Duschen oder Baden wählt. Entscheidend ist vor allem, dass man sich dabei wohlfühlt in seiner Haut.

Sowohl die Gegner des regelmässigen Duschens als auch die Befürworter eines sehr häufigen Duschens oder Badens sehen das zu absolut. Es gilt, wie so oft in der Medizin: alles in Massen.

Meine Meinung: Ihre 81-jährige Mutter soll weiterhin ihre gewohnte Reinigungsmassnahme betreiben, mit wahrscheinlich Waschlappen und Seife. Wünschenswert wäre, wenn der Waschlappen täglich erneuert und anschliessend bei 60 Grad gewaschen würde. So muss sie in ihrem Alter ihre Gewohnheiten nicht mehr umstellen und ist dennoch korrekt gepflegt.

Suchen Sie Rat?

Schreiben Sie an: Ratgeber, Luzerner Zeitung, Maihofstrasse 76, 6002 Luzern.

E-Mail: ratgeber@luzernerzeitung.ch

Bitte geben Sie bei Ihrer Anfrage Ihre Abopass-Nummer an.


Leserkommentare

Anzeige: