Kniearthrose: Empfiehlt sich eine Eigenbluttherapie?

(Bild: Archiv LZ/Manuela Jans-Koch)
GESUNDHEIT ⋅ Vor drei Jahren wurde bei mir (w, 76) beidseitig eine leichte Kniearthrose diagnostiziert. Darauf wurde mir dreimal Hyaluronsäure gespritzt. Nun beginnen die Schmerzen erneut. Ich habe von einer Eigenbluttherapie gehört. Ist diese Therapie empfehlenswert? Mit welchen Kosten müsste ich rechnen? Gibt es andere Therapien?
16. Mai 2017, 05:00
Dr. med. Manuel M. Grahmann

Die Kniegelenksarthrose ist häufig, sie wird durch vermehrte Abnutzung verursacht und äussert sich in erster Linie durch Schmerzen, Schwellung und durch verminderte Gelenksbeweglichkeit. Diese Beschwerden entstehen, weil die Knochen­enden im Gelenklager durch die Abnutzung nicht mehr optimal zueinander passen, sich bei Bewegungen vermehrt gegeneinander reiben und eine schmerzhafte Entzündungsreaktion verursachen. So wird im Laufe der Zeit der gleitfähige Knorpelüberzug an den Knochenenden und schliesslich das Gelenk als Ganzes zerstört.

Die Behandlung der Schmer­zen mit entzündungshemmenden Mitteln (Ibuprofen, Diclofenac usw.) ist meist erfolgreich. Viel schwieriger ist es dagegen, die fortschreitende Zerstörung des Gelenks, wenn nicht rückgängig zu machen, so doch zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen. Hier lässt der grosse therapeutische Durchbruch immer noch auf sich warten.

Mehrheitlich guter Erfolg

Immerhin gibt es in den letzten Jahren therapeutische Fortschritte zu verzeichnen. Zwei davon haben Sie in der Frage genannt. Es sind dies erstens die Behandlung mit Hyaluronsäure und zweitens die Eigenbluttherapie, kurz ACP (Autolog Con­ditioniertes Plasma) genannt. Bei der ACP-Behandlung werden aus dem Eigenblut des Patienten eiweisshaltige Flüssigkeit (sog. Blutplasma) und Blutplättchen gewonnen und in mehreren Sitzungen in das erkrankte Gelenk gespritzt.

Mit der ACP-Behandlung wie auch mit der Behandlung mit Hyaluronsäure kann bei etwa 70 Prozent der Arthrosepatienten eine deutliche Verringerung der Schmerzen erreicht werden. Es ist derzeit aber nicht bekannt – und das wäre entscheidend –, ob Hyaluronsäure und ACP auch fähig sind, die fortschreitende abnutzungsbedingte Zerstörung des Gelenks zu stoppen oder doch deutlich zu verlangsamen.

Dies ist auch der Grund dafür, dass die Behandlung in der Regel von den Krankenversicherungen nicht übernommen wird und die rund 750 Franken für drei notwendige Injektionen aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen.

Schwieriger Nachweis

Der Nachweis des Behandlungs­effekts ist deshalb schwierig, weil Arthrosen langsam fortschreiten und es viele Jahre braucht, um festzustellen, ob eine Behandlung den Zerstörungsprozess wesentlich verzögert. Im Durchschnitt anstatt 7 zum Beispiel 15 Jahre dauert.

Es wird dann häufig nötig, das zerstörte Gelenk durch ein künstliches zu ersetzen.

Beim ACP lassen sich die Hoffnungen auf einen nachhaltigen Therapieerfolg begründen: Blutplättchen sind bekannt dafür, dass sie bei Bedarf entzündungshemmende Stoffe absondern und die Knorpelzellen, welche die Gleitschicht im Gelenk bilden, aktivieren. Auch das Blutplasma enthält viele Bestandteile, die für den Heilungsprozess wichtig sind. Es bleibt zu hoffen, dass diese Methode die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen wird.

Dr. med. Manuel M. Grahmann


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