Ratgeber

Kann ich trotz Prostata-Problemen Velo fahren?

(Symbolbild: Roger Grütter)
GESUNDHEIT ⋅ Ich (83) fuhr immer gerne Velo. 2014 machte sich die Prostata mit Schmerzen bemerkbar. Bei einer Biopsie wurden Krebszellen gefunden, ohne Ableger. Heute muss ich täglich Medikamente einnehmen, und alle drei Monate bekomme ich eine Spritze. Kann ich wieder Velo fahren, oder ist es besser, wenn ich darauf verzichte?
22. August 2017, 05:00
Dr. med. Philipp Baumeister

Die Prostata (deutsch: Vorsteherdrüse) ist eine ungefähr kastaniengrosse Drüse, die sich am Ausgang der männlichen Harnblase zwischen den Sitzhöckern befindet und beim Samenerguss den «Erguss» (Samenflüssigkeit) beisteuert.

Durch seine Lage ganz unten im Becken kann die Prostata beim Velofahren irritiert werden, weshalb eine erkrankte Prostata dann auch schmerzen kann. Bei Sportlern wurde nach langen, wettkampfmässig zurückgelegten Velostrecken gelegentlich von vorübergehenden Taubheitsgefühlen im Hoden und Erektionsstörungen berichtet.

Beim Alltags- oder Freizeitgebrauch sind vom Velofahren aber keine nachteiligen Wirkungen auf die Geschlechtsorgane und die Prostata bekannt. Im Gegenteil: Körperliche Aktivität trägt auch im Alter von über 80 Jahren wesentlich zu Wohlbefinden und Gesundheit bei. Nach erfolgreicher Behandlung der Prostatabeschwerden ist es mit anderen Worten möglich, wieder Velo zu fahren.

Prostatakrebs im Alter

Der Ratsuchende gibt in seinem Brief der Hoffnung Ausdruck, dass er mit einer dreimonatlichen Spritzenbehandlung gegen den Prostatakrebs auf dem richtigen Weg sei. Dazu gibt es von ärztlicher Seite her zu ergänzen, dass der Prostatakrebs im höheren Alter oft einen langsamen Verlauf nimmt.

Werden in einer Biopsie (Gewebeentnahme) bösartige Zellen gefunden, ist jedoch immer eine individuelle Beratung und Abstimmung der Behandlung wichtig. Sollte eine Behandlung erforderlich sein, ist eine Hormonspritze alle drei Monate häufig der erste Schritt. Die Nebenwirkungen dieser Behandlung sind moderat, können aber Hitzewallungen, verminderte Potenz, verminderte Knochendichte, erhöhten Blutdruck und Blutzucker sowie ein erhöhtes Körpergewicht umfassen. Wichtig sind regelmässige Kontrollen durch den Hausarzt und den Urologen.

Teilweise kann beim Prostatakrebs des älteren Mannes auch ganz auf eine Behandlung verzichtet werden. In diesen Fällen kann es ausreichen, regelmässige Kontrollen vorzunehmen und erst dann eine Behandlung zu beginnen, wenn die Kontrollwerte (unter anderem der sogenannte PSA-Wert) sich verschlechtern.

Therapie in jüngeren Jahren

Eine aktivere Behandlung der Prostata ist vor allem bei jüngeren Patienten angezeigt. In diesen Fällen ist das Wachstum des Krebses oft aggressiver. Deshalb wird hier die vollständige operative Entfernung der Prostata oder eine Bestrahlung angestrebt. Leider haben diese Behandlungen teilweise einschränkende Nebenwirkungen. In zirka 50 Prozent der Fälle kann eine Impotenz auftreten.

Die wenigsten Männer, bei denen im Alter von über 80 Jahren ein Prostatakrebs gefunden wird, sterben an dieser Erkrankung. Die Gefahr, beispielsweise an einem Herzinfarkt zu sterben, ist viel grösser. Und was ist die beste Vorbeugung gegen Herzerkrankungen? Man ahnt es schon: regelmässige körperliche Betätigung! So bleibt zu hoffen, dass der rat­suchende Herr noch manche Velofahrt unternehmen wird.

Dr. med. Philipp Baumeister


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