Husten und «schwere Beine»: Was steckt dahinter?

(MARTIN RUETSCHI (KEYSTONE))
GESUNDHEIT ⋅ Ich (w, 55) habe in letzter Zeit häufig Husten. Zudem bin ich neuerdings beim Spazierengehen immer langsamer als mein Mann. Beide haben wir schon vor 20 Jahren mit dem Rauchen aufgehört. Muss ich mir trotzdem Sorgen machen, dass es mit der Lunge zu tun haben könnte? Aber warum dann «schwere Beine»?
24. Oktober 2017, 04:39
Dr. med. Andreas Scherr

Jeder leidet hin und wieder an Husten, der meist als Folge eines Infektes über einige Tage bis wenige Wochen auftritt und dann wieder verschwindet. Wenn der Husten jedoch permanent vorhanden ist, muss an eine Lungenerkrankung gedacht werden. Dies gilt insbesondere für aktive, aber auch Ex-Raucher jenseits des 40. Lebensjahres, die häufig unter morgendlichem Husten mit/ohne Auswurf leiden.

Dahinter steckt oft eine chronische Entzündung der Atemwege («Raucherbronchitis»), die zu einer COPD führen kann. Die Abkürzung aus dem Englischen bedeutet übersetzt chronisch-obstruktive Lungenerkrankung. Obstruktiv steht für eine irreversible Verengung der Bronchien, die auch mit den heutigen Behandlungsmethoden nicht rückgängig gemacht werden kann. Zum Teil befällt die Erkrankung auch das Lungengewebe mit der Folge eines Verlustes von Lungenbläschen (Emphysem), die für die Sauerstoffaufnahme verantwortlich sind.

Es ist davon auszugehen, dass etwa 10 bis 15 Prozent der Schweizer Gesamtbevölkerung jenseits des 50. Lebensjahres an COPD erkrankt sind. Aktives, aber auch passives Rauchen stellt den weitaus wichtigsten Risikofaktor dar. Die Zahl der erkrankten Frauen hat sich seit 1980 nahezu vervierfacht hat. Grund: Frauen rauchen mehr, und Untersuchungen zeigen, dass geringere Grösse und fei­nere Anatomie der Atem­wege Frauen besonders prädisponieren. Fakt ist, dass heute bereits genau so viele Frauen an den Folgen einer COPD sterben wie an Brustkrebs (1400 Todesfälle pro Jahr).

Neben den typischen Symptomen wie Husten und Atemnot wirkt sich eine COPD auch negativ auf andere Organsysteme aus. Begleitende Herz-Kreislauferkrankungen sowie «schwere Beine» durch Muskelabbau sind vorrangig zu nennen. COPD ist deshalb so heim­tückisch, weil man anfänglich oft kaum etwas merkt. Man hustet nur morgens – was häufig als «Raucherhusten» abgetan wird. Schliesslich stellt man fest, dass Alltagsbelastungen wie Treppensteigen oder rasches Rennen zur Bushaltestelle zunehmend schwerer fallen. Viele Betroffene führen dies auf den Alterungsprozess oder eine Gewichtszunahme zurück, an eine ernsthafte Erkrankung wird häufig nicht gedacht.

Selbsttest: Sind Sie gefährdet?

Ein einfacher Selbsttest mit drei Fragen zeigt auf, ob man sich weiter abklären sollte.:

1. Frage: Bin ich älter als 40?

2. Frage: Bin ich Raucher oder Ex-Raucher?

3. Frage: Huste ich immer wieder, und/oder habe ich schon unter körperlicher Belastung Atemnot?

Wenn Sie alle drei Fragen mit Ja beantworten müssen, sollten Sie Ihren Hausarzt für eine Lungenfunktionsprüfung aufsuchen. Diese erfolgt mit einem elektronischen Mess­gerät, in welches kräftig ausgeatmet wird. Der Arzt kann so feststellen, ob bei Ihnen bereits Einschränkungen vorhanden sind. Mit frühem Erkennen und Therapieren kann COPD im besten Fall gestoppt oder zumindest verlangsamt werden.

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