Herzschrittmacher: Ist Batteriewechsel gefährlich?

(Symbolbild: Nadia Schärli)
GESUNDHEIT ⋅ Ich (m, 71) habe seit acht Jahren einen implantierten Defibrillator. Es wird wohl bald ein Batterie- wechsel fällig. Nun habe ich in «Puls» auf SRF gesehen, dass solche Batteriewechsel lebensgefährlich seien. Wie gross ist dieses Risiko effektiv? Wie kann man es verringern? Was ist mit der neuen Generation von Defibrillatoren?
18. Juli 2017, 05:00

Grundsätzlich kann ich Sie beruhigen. Sofern die Kontrollen Ihres ICD-Systems stets eine korrekte Funktion gezeigt haben, können die bestehenden Elektroden belassen werde. Das heisst, es muss nur das Gerät selber ausgetauscht werden. Im Alltag sagt man zwar «Batteriewechsel», es ist jedoch nicht möglich, die Batterie aus einem Herzschrittmacher bzw. einem Defibrillator herauszunehmen.

Man wechselt vielmehr das gesamte Herzschrittmacher- bzw. Defibrillator-Aggregat. Die Elektroden sind in das Gerät eingesteckt und verschraubt. Beim Wechsel werden die Elektroden belassen, die Schrauben zunächst gelöst und dann mit dem neuen Gerät verschraubt.

Häufigste Komplikation dabei ist eine Einblutung in die Schrittmacher- bzw. Defibrillator-Tasche. In erfahrenen Zentren liegt das Risiko für eine solche Blutung, die einen verlängerten Spitalaufenthalt oder sogar eine Re-Operation nach sich zieht, unter 2 Prozent.

Eine gefürchtete Komplikation jeder Herzschrittmacher-OP ist eine Infektion der Wunde oder des ganzen Gewebes um den Schrittmacher. Da über ihm die Bakterien einen Biofilm bilden, können dann Antibiotika nicht greifen, und man muss das ganze System explantieren, bis der Infekt abgeheilt ist und ein neues System implantiert werden kann.

Elektrodenwechsel nur an erfahrenen Zentren

Wie Sie in der Fernsehsendung «Puls» richtig gehört haben, gibt es tatsächlich Situationen mit erhöhtem Risiko, insbesondere bei der Entfernung von Elektroden, weil diese über die Jahre stark verwachsen sein können.

Problematisch sind Verwachsungen im Herzen selber oder in den zuführenden Venen. Beim Entfernen der Elektroden kann es zu potenziell lebensgefährlichen Verletzungen dieser Strukturen kommen. Es ist deshalb wichtig, dass eine Elektrodenentfernung nur gemacht wird, wenn dies zwingend nötig ist. Solche Operationen sollte man nur in einem Zentrum durchführen lassen, das dazu die nötige Expertise hat und über ausgewiesene Spezialisten verfügt.

Neue Defibrillatoren nicht für alle geeignet

Weitgehend entschärft wird dieses Problem bei Defibrillatoren der neusten Generation. Bei ihnen sind die Elektroden direkt unter der Haut und nicht in die Venen und das Herz implantiert. Bei diesen sogenannten subkutanen Defibrillatoren kann deshalb eine allfällige Entfernung später viel sicherer durchgeführt werden, da kein Risiko einer Gefässverletzung besteht.

Allerdings: Noch sind diese neuen Defibrillatoren nicht für alle Patienten geeignet, da sie im Gegensatz zu gängigen Defibrillatoren keine Herzschrittmacherfunktion haben. Es gibt jedoch Patienten, die beide Funktionen benötigen.

Wenn jemand aber nur die Defibrillator-Funktion braucht, sind diese modernen, subkutanen Geräte durchaus eine Alternative. Auch wir am Luzerner Kantonsspital setzen diese bei unseren Patienten ein.

Dr. med. Richard Kobza


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