Ratgeber

Brust- und Schulterschmerzen: Herz-Alarmsignal?

(Symbolbild: Boris Bürgisser)
GESUNDHEIT ⋅ Seit sechs Monaten habe ich (m, 67, Raucher) gelegentlich ein «Klemmen» auf der Brust bzw. eher in der linken Schulter, vor allem beim Treppensteigen und Wandern, in letzter Zeit auch beim Fernsehen. Ich glaube, dass die Schmerzen von der Schulter kommen, aber meine Frau macht sich Sorgen, dass es das Herz sein könnte.
14. August 2017, 05:00
PD Dr. med. Georg Fröhlich

Abklärungen von Brustschmerzen gehört zu den häufigsten Fragestellungen, mit denen sich Patienten an ihren Arzt wenden. Als Ursache werden oftmals Erkrankungen der Wirbelsäule/des Skeletts, der Speiseröhre/des Magens oder der Lunge diagnostiziert. In jedem Fall muss aber eine ernsthafte Herzerkrankung ausgeschlossen werden können. Je mehr Risikofaktoren vorliegen, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Herzkrankheit Ursache der Beschwerden ist. Wichtige Risikofaktoren für Herzerkrankungen: Alter, Rauchen, Dia­betes, Bluthochdruck, hohes Cholesterin, familiäre Neigung.

Angina pectoris (Brustenge)

Bei der Angina pectoris kommt es typischerweise zu einem dumpfen, beklemmenden Schmerz hinter dem Brustbein. Diese Schmerzen können in den Schulterbereich, in den Rücken, den Oberbauch oder zum Kiefer ausstrahlen. Besonders bei (älteren) Frauen und Diabetikern können aber auch nur «untypische» Beschwerden wie etwa ein Leistungsknick mit Müdigkeit und etwas Luftnot sowie Beinschwellungen («Wasser in den Beinen») auf die Herzkrankheit hindeuten.

Die Angina pectoris wird durch eine Minderdurchblutung des Herzens verursacht. Durch Ablagerungen (Cholesterin, Verkalkungen) kommt es zu Verengungen der Blutgefässe des Herzens. Bei Anstrengung (etwa Treppensteigen oder auch Stress) muss das Herz mehr leisten, und die Herzfrequenz steigt. Ab einer Verengung des Blutgefässes von über 50 Prozent reicht dann die Blutversorgung des Herzmuskels nicht mehr aus, und diese Durchblutungsstörung verursacht dann die Angina pectoris. Bei diesem Beschwerdebild sollten zeitnah weitere Abklä­rungen mittels EKG, Herzultraschall, Belastungstest sowie teils auch CT und MRI erfolgen.

Die endgültige Diagnose – und gleichzeitig auch Therapie – erfolgt mittels der Herzkatheteruntersuchung. Hierbei werden verengte oder verschlossene Herzgefässe wieder geöffnet und kleine Gefässstützen (Stents) eingebaut. Dieser schonende Eingriff wird idealerweise über einen Zugang am rechten Handgelenk in Lokalanästhesie durchgeführt. Narben bleiben zumeist keine zurück.

Es droht ein Herzinfarkt

Werden die Schmerzen immer schlimmer oder bestehen sie bereits in Ruhe, ist unter Umständen ein Blutgefäss ganz verschlossen. Man spricht dann von einem Herzinfarkt, und sofortiges Handeln ist überlebenswichtig. Wenn Brustschmerzen nicht innerhalb von 15 Minuten abklingen, sollte der Patient in einer Notaufnahme abgeklärt werden. Die Ambulanz (Notruf 144) sollte aufgeboten werden – auch nachts.

Doch nicht immer kündigt sich ein Herzinfarkt durch über Tage und Wochen sich verschlimmernde Brustschmerzen an. Bei einem Drittel aller Herzinfarkte gibt es keine Vorwarnung! Der Infarkt kommt «aus heiterem Himmel». Entsprechend wichtig sind Vorsorgeuntersuchungen, speziell bei Patienten mit Risikofaktoren.

PD Dr. med. Georg Fröhlich


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