Weshalb schmerzt meine Schulter auch noch nachts?

(Bild: Archiv LZ/Eveline Beerkircher)
GESUNDHEIT ⋅ Meine Schulter ist in letzter Zeit nicht mehr so kräftig, sie schmerzt bei Bewegungen über dem Kopf. Das Schlimmste sind aber die Schmerzen in der Nacht. Was könnte die Ursache sein? Was kann ich (m, 65) tun?
02. Mai 2017, 05:00
Prof. Dr. med. Martin Majewski

Eine häufige Ursache für Schulterschmerzen, die sich vor allem nachts oder beim Heben der Arme über den Kopf bemerkbar machen, ist ein Riss der Rotatorenmanschette. Die Sehnen dieser Manschette überdecken den Oberarmkopf und sind für die Bewegungen im Schultergelenk verantwortlich. Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers. Damit es stabil geführt wird, bedarf es neben einer intakten Gelenkkapsel auch einer intakten Rotatorenmanschette.

Die Sehnen der Rotatorenmanschette können nach einem Unfall oder durch einen Sturz auf den Arm reissen. Nicht selten liegt dem Riss jedoch ein Verschleiss der Sehnenplatte zu Grunde, denn die Sehnen werden mit zunehmendem Alter schlechter durchblutet und erweichen dann.

Wichtig ist erst einmal eine ganz genaue Diagnose, da die Schmerzen auch andere Ursachen haben können, so etwa Schleimbeutelentzündungen, Kalkeinlagerung in den Sehnen, ein Gelenkverschleiss (Arthrose) oder das sogenannte Engpass-Syndrom, bei dem Sehne und Schleimbeutel unter dem Schulterdach eingeengt werden.

Teils hilft Physiotherapie

Ein Rotatorenmanschettenriss heilt nur selten von selbst. Aber einige Schultern sind trotz des Risses in der Sehnenplatte noch gut geführt und können teils durch eine konsequente physiotherapeutische Behandlung und später durch ein Muskeltraining stabil gehalten werden.

Schultern hingegen, die aufgrund der Rissform und trotz Physio nicht mehr sauber geführt werden, verlieren ihre Funktion in der Regel weiter, werden schmerzhafter und enden nicht selten in einem schweren Schultergelenksverschleiss. In diesen Fällen sollte man früh darüber nachdenken, den Sehnenschaden durch eine Operation zu reparieren, um diesen Weg zu durchbrechen.

Welche Behandlung gewählt wird, hängt von der Rissart, der Rissform und der damit zu erwartenden Entwicklung der Schulter ab. Daneben spielen die Schmerzen, die Funktion und die Lebensumstände des Patienten eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung.

Heute können viele der Operationen an der Rotatorenmanschette minimalinvasiv, also arthroskopisch mittels einer kleinen Kamera durchgeführt werden. Es gibt aber weiterhin Situationen, die besser offen operiert werden.

Ziel des Eingriffs ist es, die Sehne am Knochen zu fixieren. Sie wird genäht und an ihren ursprünglichen Ansatzpunkt gezogen, dann mit Fäden fixiert und am Knochen festgemacht.

Schonung nach Operation

Nach der Operation muss die Schulter sechs Wochen geschont und mit einer Bandage entlastet werden, um die Gefahr eines erneuten Risses zu verringern. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Schulter unter physiotherapeutischer Anleitung regelmässig vorsichtig bewegt wird, damit sie nicht versteift. Je nach betroffener Sehne dürfen während dieser Periode bestimmte Bewegungen gar nicht oder nur sehr vorsichtig durchgeführt werden.

Wenn die Schulterschmerzen auf die richtig eingeleitete medikamentös, physiotherapeutisch oder operative Therapie ansprechen, ist die Prognose gut. Leider sind aber auch heute noch nicht alle Sehnenrisse heil- bzw. behandelbar. Dann muss der Arzt mit dem Patienten ausführlich über bestehende Alternativen reden.

Prof. Dr. med. Martin Majewski
orthopaedie.stanna@hirslanden.ch


Leserkommentare

Anzeige: