Ratgeber

Wie wirkt sich ein WEF-Vorbezug auf meine Rente aus?

GELD ⋅ Für den Erwerb einer Eigentumswohnung möchte ich (m, 49, Single) einen Bezug zwecks Wohneigentumsförderung (WEF) von 100 000 Franken aus der Pensionskasse vornehmen. Was muss ich dabei beachten, und welche Auswirkungen hat dies auf meine Vorsorge?
23. Juni 2017, 05:00
Rafael Portmann

Bis Alter 50 können Sie nach aktueller Gesetzgebung für einen WEF-Bezug auf das gesamte angesparte Geld aus der beruflichen Vorsorge zugreifen. Sobald Sie das 50. Altersjahr überschritten haben, können Sie die Hälfte des vorhandenen Guthabens bzw. höchstens das Vorsorgeguthaben mit Stand Alter 50 aus Ihrer Pensionskasse beziehen.

Steuern bei Vorbezug

Für eine Immobilienfinanzierung verlangen Banken minimal 20% des Belehnungswerts als Eigenmittelanteil. Mindestens 10% müssen dabei gemäss Finanzmarktaufsichtsbehörde (Finma) sogenannt hartes Eigenkapital sein, das heisst, aus selber angesparten Guthaben ausserhalb der 2. Säule stammen. Beachten Sie, dass der Vorbezug von Pensionskassengeldern bei der Auszahlung einer Kapitalsteuer unterliegt. Bei einem Vorbezug der Pensionskasse über 100 000 Franken fallen für Sie beispielsweise in der Stadt Luzern ungefähr 5500 Franken Steuern an, in der Stadt St. Gallen wären es sogar rund 6800 Franken. Wenn Sie später das bezogene Kapital in die Pensionskasse zurückbezahlen, können Sie beim zuständigen Steueramt den Steuerbetrag innerhalb von drei Jahren wieder zurückfordern.

Der Bezug von Pensionskassenguthaben für die Wohneigentumsförderung (WEF) kann beim Eintritt eines Vorsorgefalls (z. B. bei Invalidität) eine unmittelbare Kürzung der Leistungen zur Folge haben. Dies ist davon abhängig, wie Ihre Pensionskasse die Risikoleistungen berechnet. Sie können auf Ihrem aktuellen Vorsorgeausweis oder im Pensionskassenreglement nachlesen, welche Art der Berechnung Ihre Pensionskasse anwendet.

Berechnung verlangen

Am einfachsten fordern Sie vor einem WEF-Bezug bei Ihrer Pensionskasse eine Berechnung mit den Auswirkungen an. Durch einen Vorbezug mindert sich Ihr Pensionskassenguthaben, was beispielsweise auch zu tieferen Altersleistungen führt. Ein fehlender Betrag in der Pensionskasse von 100 000 Franken würde bei einem Rentenumwandlungssatz von 5% eine Reduktion der Altersrente um 5000 Franken pro Jahr bzw. etwas mehr als 400 Franken pro Monat bedeuten.

Risikoversicherung

Eine Leistungsminderung im Vorsorgefall vor dem Pensionierungsalter können Sie zum Beispiel mit einer Risikoversicherung für Erwerbsunfähigkeit auffangen. Damit Sie zum Zeitpunkt der Pensionierung keine Vorsorgelücke aufweisen, ist es zentral, dass Sie den Fehlbetrag bis zum Zeitpunkt Ihrer Pensionierung durch den Aufbau von Vorsorgegeldern der 2. oder 3. Säule bzw. auch durch eine höhere Sparquote im freien Vermögen ausgleichen.

Falls Sie den WEF-Bezug in die 2. Säule – also in die Pensionskasse –zurückbezahlen möchten, müssen Sie dies mindestens drei Jahre vor Pensionierung abschliessen. Überlegen Sie sich den Schritt genau und suchen Sie bei offenen Fragen Rat bei Experten.

Rafael Portmann

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