Wer bezahlt für die Pflege im Alter?

PFLEGEFINANZIERUNG ⋅ Mit dem Thema Pflegeheim beschäftigt sich niemand gern – dies ist auch bei den Angehörigen so. Nicht zuletzt besteht die Angst, dass aufgrund einer Langzeitpflege das angesparte Familienvermögen verzehrt werden könnte.
17. September 2017, 04:38
Marco Infanger

Marco Infanger

Emma Muster ist 83 Jahre alt, verwitwet und bewohnt ein Einfamilienhaus. In den vergangenen Wochen hat sich ihr gesundheitlicher Zustand verschlechtert, es fällt ihr immer schwerer, zu Hause zu wohnen. Obwohl ihre Tochter sowie die Spitex sie täglich unterstützen, möchte Frau Muster einen Eintritt ins Pflegeheim prüfen. Ein Berechnungsbeispiel soll Klarheit über die monatlichen Pflegeheimkosten geben.

Die Kosten für den Aufenthalt in einem Pflegeheim setzen sich aus drei Positionen zusammen: Pensions- und Betreuungsleistungen, Pflegeleistungen sowie Dienstleistungen individueller Art (beispielsweise persönliche Ausgaben, Telefon, Pediküre, Kosmetik). Zu beachten gilt: Neben den monatlichen Pflegeheimkosten sind weiterhin Krankenkassen- und Versicherungsprämien sowie Steuern zu bezahlen.

Kosten übersteigen oft das Budget der Heimbewohner

Für die Pensions- und Betreuungsleistungen wie auch für die Dienstleistungen individueller Art haben die Bewohner selber aufzukommen. Bei den Pflegeleistungen hingegen ist maximal ein Anteil von 21.60 Franken pro Tag zu entrichten. Die restlichen Pflegekosten, bis rund 90 Prozent, zahlen Versicherer und Wohnsitzgemeinde oder Kanton. Gemäss Informationen des Bundesamts für Statistik wurden im Jahr 2011 total 6201,2 Millionen Franken für die Finanzierung der Pflegeinstitutionen aufgewendet, davon wurden 52,6 Prozent von den privaten Haushal­ten getragen. Erfahrungsgemäss belaufen sich die monatlichen Kosten, die von den Bewohnern selbst finanziert werden müssen, auf 5000 bis 8000 Franken. Tatsächlich übersteigen somit in vielen Fällen die anfallenden Pflegeheimkosten das Budget der Heimbewohner. Auch Emma Muster wird ihre Finanzierungslücke mit ihrem Vermögen decken müssen. Denn die monatliche AHV- und Pensionskassenrente von 4548 Franken und ein zusätzlicher Beitrag der Hilflosenentschädigung werden nicht ausreichen, um die gesamten Pflegeheimkosten zu bezahlen.

Was wäre aber, wenn Emma Muster keine oder nur wenige Vermögenswerte hätte? Dann müsste die Finanzierungslücke mit Ergänzungsleistungen zur AHV gedeckt werden. Bei den Ergänzungsleistungen liegt der anrechenbare Vermögensfreibetrag für Alleinstehende bei 37 500 Franken, für Verheiratete bei 60 000 Franken. Besteht das Vermögen aus einer Liegenschaft, ist der Besitz des Eigenheims bei pflege- oder hilfsbedürftigen Personen bis zum Betrag von 300 000 Franken geschützt. Grundsätzlich sind die Ergänzungsleistungen nach oben nicht begrenzt, wenn die Sonder­regelungen für Heimbewohner eingehalten werden. Wenn aber der Anspruch auf Ergänzungsleistungen ganz oder teilweise aufgrund freiwilliger Vermögensverschiebung (zum Beispiel Schenkung an Kinder) nicht ausbezahlt wird und auch die Verwandten für die Pflegeheimkosten nicht aufkommen können, bleibt nur noch der Gang zum Sozialamt.

Damit Fragen und Unklarheiten aufgeklärt werden können, rät Roger Wicki, Präsident Curaviva Luzern: «Lassen Sie sich frühzeitig von Fachstellen informieren, um zu klären, wie sich ein allfälliger Aufenthalt in einem Pflegeheim finanzieren lässt, und vergleichen Sie auch die verschiedenen Pflegeheimangebote im Hinblick auf die Kosten und Ihre Bedürfnisse.»


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