Wann kommt der nächste Börsencrash?

AKTIENMÄRKTE ⋅ Die Frage ist nicht, ob es wieder zu einem Börsencrash kommt, sondern wann er stattfinden wird. Doch wieso sind eigentlich grössere Kurseinbrüche unvermeidlich?
17. September 2017, 04:38
Adrian Bienz

Adrian Bienz

In regelmässigen Abständen brechen die Aktienmärkte in grösserem Ausmass ein. Letztmals war dies während der Finanzkrise vor zehn Jahren der Fall, als sich der Swiss Performance Index (SPI) zwischen Juni 2007 und März 2009 mehr als halbierte. Zuvor kam es bereits zu zahlreichen weiteren Börsencrashs, der bekannteste ereignete sich im Jahre 1929.

Kaum beachtet wird hingegen: Heftige Kursstürze sind selten und nicht so gefährlich, wie die meisten denken. So ist der US-Leitindex S&P 500 nur in fünf der vergangenen 30 Jahre um mehr als 20 Prozent gefallen. Und das, obwohl diese Periode eine der turbulentesten überhaupt war. Obendrein entpuppte sich jeder dieser Einbrüche im Nachhinein als exzellente Kaufgelegenheit.

Doch weshalb sind Börseneinbrüche so unvermeidlich? Typischerweise werfen schlechte Nachrichten und unerwartete negative Ereignisse die Börse aus der Bahn. Etwa die Anschläge in New York am 11. September 2001 oder die plötzlichen Wachstumssorgen in China im August 2015. Meistens befinden sich die Börsen jeweils schon in einem etwas labilen Zustand.

Aktuelles Umfeld verstärkt Blasengefahr

Gerade bei politischen Schocks sind jedoch die Einbrüche oftmals nur von kurzer Dauer. Länger andauernde Negativphasen an den Finanzmärkten kommen hingegen häufig aus dem Nichts. Gemäss dem im Jahre 1996 verstorbenen US-amerikanischen-Ökonomen Hyman P. Minsky sind finanzielle Instabilität und Finanzkrisen schlicht unumgänglich und Teil unseres kapitalistischen Systems. Salopp ausgedrückt ist die Gier der Investoren daran schuld: Denn sie verschulden sich in Phasen des Aufschwungs zunehmend, um ihre Investments finanzieren zu können und noch mehr Profite herauszuschlagen.

Das seit Jahren anhaltende niedrige Zinsumfeld, gepaart mit der massiven Liquidität, die von den Notenbanken in Umlauf gebracht wird, befeuert Spekulationsblasen zusätzlich. Die Zinsen sind vielen Anlegern zu tief, sie wollen eine höhere Rendite erzielen. Sie setzen daher vermehrt auf risikoreichere Investments wie etwa Aktien, um diese zu einem späteren Zeitpunkt mit Gewinn verkaufen zu können. Auch wenn Kurseinstürze nie exakt prognostiziert werden können, gibt es doch einige wichtige Warnsignale.

Neben der inzwischen hohen Bewertung verschiedener Aktienmärkte beunruhigt zum Beispiel die «NYSE Margin Debt», welche die Summe aller ausstehenden Kredite zeigt, die für den Aktienkauf an der New Yorker Börse verwendet wurden. Die Börsenanleger ­waren kurz vor den letzten beiden Börsencrashs 2001 und 2007 jeweils stark verschuldet. So hoch wie derzeit war die Verschuldung allerdings selbst damals nicht. Ist das ein schlechtes Omen? Stehen wir vor einem neuen Börsencrash?

Crashprognosen helfen nicht weiter

Bleibt die Frage, welche Schlüsse der Anleger daraus ziehen kann. Die wichtigste Erkenntnis: Niemand weiss, wann der nächste Crash kommt – morgen, in 5 oder in 15 Jahren. Crashprognosen helfen deshalb nicht weiter. Auch ist es nicht sinnvoll, mit dem Investieren an den Finanzmärkten bis nach dem nächsten Einbruch zu warten. Die Wahrscheinlichkeit, in dieser Zeit hohe Gewinne zu verpassen, ist schlichtweg zu gross. Wie übersteht man einen Crash ohne schwere finanzielle Blessuren? Zum einen mit Durchhaltevermögen. Wer über zehn Jahre oder länger anlegt, verringert die Gefahr schwerer Verluste enorm. So hat der S&P 500 seit 1928 in 93 Prozent aller Zehnjahresperioden ­einen Gewinn eingefahren. Zum anderen hilft ein Aktiensparplan. Wer monatlich einen bestimmten Betrag an den Börsen investiert, steigt niemals nur nahe dem Höchst ein. Mögliche Verluste bei einem Crash schlagen daher nicht voll aufs Portfolio durch.

Und nicht zu vergessen natürlich die Diversifikation, vermutlich die wichtigste Grundregel: Wer diversifiziert, reduziert massiv die Risiken – ohne dabei auf lange Frist auf Performance zu verzichten! Im Kern geht es also letztlich darum, dass das Vermögen nicht auf eine einzelne Anlage, sondern auf verschiedene Vermögenswerte und Anlageklassen verteilt werden soll.

Dank der breiten Verfügbarkeit von Indexfonds lassen sich heute auch für kleinere Vermögen sehr gut diversi­fizierte Portfolios relativ einfach und kostengünstig zusammensetzen.


Leserkommentare

Anzeige: