Vorzeitige Schenkung: Das gilt es zu beachten

VERMÖGENSSICHERUNG ⋅
17. September 2017, 04:38

Da sie sich entschieden hat, ins Pflegeheim zu ziehen, möchte sie die Gelegenheit nutzen und ihr Einfamilienhaus sowie weitere Vermögenswerte ihrer Tochter überschreiben. Damit könnte auch vermieden werden, die Liegenschaft irgendwann zur Finanzierung der Heimkosten veräussern zu müssen.

Dabei gilt es aber einiges zu beachten. Nach den heutigen Bestimmungen kann eine Person pro Jahr höchstens 10 000 Franken verschenken, um sich einer späteren Anrechnung bei Ergänzungsleistungen zu entziehen. Zu beachten ist, dass es keine Verjährung gibt, das heisst, auch Schenkungen, welche bereits zehn Jahre oder länger zurückliegen, werden berücksichtigt. Auch die Möglichkeit, durch die Schenkung oder die Übertragung von Immobilien gegen Einräumung einer Nutzniessung oder eines Wohnrechts Vermögen zu schützen, sind beschränkt. Denn die Nutzniessung und das Wohnrecht werden bei der Berechnung der Ergänzungsleistungen massgeblich mitberücksichtigt.

Auch die vorzeitige Immobilienschenkung an die Tochter von Frau ­Muster könnte durch eine mögliche Verwandtenunterstützung zu einem Eigentor werden. Die Unterstützungspflicht von Verwandten in auf- und absteigender Linie (Kinder–Eltern–Grosseltern) ist im Gesetz geregelt. Weil die Sozialkosten in vielen Gemeinden in den letzten Jahren angestiegen sind, nutzen die Behörden ­dieses Mittel immer häufiger. Nach den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe soll die Verwandtenunterstützung aber nur näher geprüft werden, wenn günstige finanzielle ­Verhältnisse vorhanden sind. Unterstützungspflichtig gemäss Skos-Richtlinien sind alleinstehende Nachkommen ab einer jährlichen Einkommenspauschale (steuerbares Einkommen zuzüglich Vermögensverzehr) von 120 000 Franken, bei Verheirateten gilt ein Betrag von 180 000 Franken. Pro minderjähriges oder sich in Ausbildung befindliches Kind erfolgt auf diesen Beiträgen ein Zuschlag von 20 000 Franken. Auch das Vermögen der Nachkommen wird erst angetastet, wenn es bei einer alleinstehenden Person 250 000 Franken und bei Verheirateten 500 000 Franken zuzüglich einem Zuschlag von 40 000 Franken pro Kind übersteigt. Die Grenzen sind zwar hoch angesetzt, doch bei unserem Beispiel von Frau Muster würde ihre Tochter bei der Schenkung der Immobilie unterstützungspflichtig, da sie zusammen mit ihrem Ehemann in sehr günstigen finanziellen Verhältnisse lebt.

Für Frau Muster ist es lohnenswert, sich vor einer Schenkung ihrer Vermögenswerte beraten zu lassen. Auch das Gespräch mit den Nachkommen bezüglich Erbvorbezug ist frühzeitig aufzunehmen, und die allfällige Überschreibung von Immobilien oder sonstigen Vermögenswerten ist sorgfältig zu planen.

 

Marco Infanger

 


Leserkommentare

Anzeige: