Umbau: Wie günstig sind Ökohypotheken wirklich?

GELD ⋅ Ich habe vor, mein Einfamilienhaus aus den 1980er-Jahren energieeffizient zu sanieren. Viele Anbieter haben sogenannte Öko- oder Eco-Hypotheken im Angebot, die einen Vorzugszins bieten. Lohnen sich diese Angebote wirklich? Worauf muss man achten?
08. September 2017, 04:39
Alexander Paul

Die energieeffiziente Sanierung Ihres Eigenheims macht häufig Sinn. Denn zum einen trägt diese zur Werterhaltung oder auch Wertsteigerung der Liegenschaft bei, und zum anderen können Sie die Investitionen vom steuerbaren Einkommen abziehen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Sie Ihre Tragbarkeit durch tiefere laufende Kosten verbessern.

Denn statt die Nebenkosten mit 1 Prozent des Liegenschaftswerts zu veranschlagen, rechnen die Banken oft nur noch mit 0,5 Prozent. Je nach Kanton und Bauvorhaben winken zudem beachtliche Subventionen durch das nationale Gebäudeprogramm oder entsprechende Förderprogramme auf Kantons- und Gemeindeebene.

Soweit die Theorie. In der Praxis wird Sie sicherlich zunächst eine andere Frage beschäftigen: die Finanzierung Ihres Renovationsvorhabens. Hierzu bieten einige Banken sogenannte Ökohypotheken an. Deren Prinzip ist eigentlich einfach: Sie führen energieeffiziente Sanierungsmassnahmen durch und belegen diese durch ein anerkanntes Zertifikat – üblich sind in der Schweiz vor allem Minergie- oder GEAK-Zertifizierungen. Die Kosten einer solchen Zertifizierung liegen im höheren dreistelligen Frankenbereich und werden von einigen Finanzierungspartnern auch übernommen. Der Hypothekargeber gewährt für die Umweltfreundlichkeit Ihres Bauvorhabens Zinsvorteile (in der Regel zwischen 0,25 und 1 Prozent) gegenüber einer regulären Festhypothek.

Genau hinschauen ist Pflicht

Trotz des auf den ersten Blick attraktiven Angebots sollten Sie auch beim Abschluss einer Ökohypothek genau hinschauen. Vorsicht ist zum Beispiel bezüglich der Laufzeit geboten: Die meisten Ökohypotheken gewähren Ihnen den Zinsvorteil nämlich nur über eine begrenzte Zeit (üblicherweise fünf Jahre), nach welcher entweder der Wechsel in eine Hypothek mit höherem Zins erfolgt oder aber gleich die Refinanzierung erforderlich wird. Gleiches gilt für die Summe – als Obergrenze für die Zinsvergünstigungen ist je nach Anbieter ein Betrag um 250 000 Franken üblich. Manche Institute vergeben auch nur Ökohypotheken, wenn es sich um selbst bewohnte Eigenheime handelt, oder sogar nur dann, wenn die Haupthypothek beim selben Finanzierungspartner aufgenommen wurde. Ausserdem sind Ökohypotheken normalerweise nicht mit anderen Rabatten wie Familienhypotheken oder sonstigen Vergünstigungen kombinierbar.

Vom Einzelfall abhängig

Ob sich eine Ökohypothek lohnt, hängt am Ende vom konkreten Fall ab. Einen Ratschlag kann man allerdings jedem Hypothekarnehmer getrost mit auf den Weg geben: Vergleichen und Verhandeln ist Pflicht! Nicht selten gibt es Finanzierungspartner, die ohne «Ökorabatt» günstigere Konditionen offerieren als Ökohypotheken. Holen Sie also unbedingt verschiedene Offerten von unterschiedlichen Finanzinstituten ein, und prüfen Sie auch die Möglichkeiten, die bestehende Hypothek bei der Hausbank aufzustocken.

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