Soll ich die bestehende Hypothek übernehmen?

GELD ⋅ Meine Frau und ich wollen ein Einfamilienhaus in der Nachbarschaft kaufen. Der Verkäufer möchte allerdings, dass wir seine laufende Festhypothek übernehmen. Ist dies ein übliches Vorgehen beim Verkauf, und worauf sollten wir unbedingt achten?
01. September 2017, 14:26
Alexander Paul

Eine bestehende Hypothek zu übernehmen, ist zwar nicht gerade üblich, dennoch lohnt es sich, diese Option zu prüfen. Nicht selten profitieren nämlich sowohl Käufer als auch Verkäufer. Bevor Sie sich entschliessen, eine laufende Hypothek zu übernehmen, sollten Sie sich einen Überblick über die aktuellen Zinsen verschaffen.

Mehrere Offerten einholen

Am besten holen Sie mehrere Offerten für Ihr Kaufobjekt bei unterschiedlichen Anbietern ein. Wenn die Angebote unter den Zinsen der laufenden Hypothek des Verkäufers liegen, können Sie die Zusatzkosten bis zum Ende der Laufzeit berechnen. Damit sich die Übernahme für Sie lohnt, sollte der Abschlag auf den Kaufpreis allerdings klar über Ihren zusätzlichen Zinskosten liegen.

Denn der Verkäufer hat ein Interesse daran, Ihnen beim Kaufpreis entgegenzukommen. Beim vorzeitigen Ausstieg aus einer Festhypothek verlangen Banken eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung. Diese richtet sich nach den entgangenen Zinseinnahmen. Hinzu kommen Gebühren für die Auflösung des Hypothekarvertrages. Ein vorzeitiger Ausstieg aus einer lang laufenden Festhypothek kostet den Verkäufer so schnell mehrere zehntausend Franken.

Steuerliche Aspekte

Neben der Zinsdifferenz und der Vorfälligkeitsentschädigung sollten Sie auch steuerliche Aspekte berücksichtigen. Während der Verkäufer dank des tieferen Verkaufspreises von einer tieferen Grundstücksgewinnsteuer profitiert, erhöht sich Ihre Grundstücksgewinnsteuer perspektivisch, wenn Sie die Immobilie wieder verkaufen möchten. Denn massgeblich für die Berechnung der Steuer ist die Differenz zwischen Verkaufs- und ehemaligem Kaufpreis der Immobilie. Gleichermassen profitieren Käufer und Verkäufer hinsichtlich anfallender Notariatsgebühren und Handänderungssteuern. Denn diese Kosten richten sich normalerweise nach dem Kaufpreis und werden hälftig von Käufer und Verkäufer übernommen, sofern nicht anders vertraglich vereinbart wurde.

Des Weiteren gilt es zu beachten, dass Sie mit der Hypothek eine bestehende Strategie/Laufzeit übernehmen. Diese Strategie muss nicht mit Ihrer übereinstimmen. Sie müssen sich im Klaren sein, dass Sie hier grössere Risiken eingehen (wenn z. B. die Zinsfestschreibung kurz ist – Sie jedoch längere Festzinsbindungen bevorzugen).

Aber auch wenn Sie sich mit dem Verkäufer einigen können, muss schlussendlich die bisherige Bank mit der Übernahme der Hypothek einverstanden sein. Gegebenenfalls benötigen Sie dann noch eine Nachfinanzierung, falls die bisherige Hypothekarhöhe nicht ausreichend ist.

Kurzum: Die Übernahme einer Hypothek kann sowohl für Käufer als auch Verkäufer vorteilhaft sein, ist aber oft kompliziert. Für den Käufer ist es daher in der Regel einfacher, eine auf seine individuelle Situation abgestimmte eigene Hypothek zu finden.

Suchen Sie Rat?

Schreiben Sie an: Ratgeber «Luzerner Zeitung», Maihofstrasse 76, 6002 Luzern

E-Mail: ratgeber@luzernerzeitung.ch

Bitte geben Sie bei Ihrer Anfrage Ihre Abopass-Nummer an.

 


Leserkommentare

Anzeige: