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Scheidung: Wie kann ich das gemeinsame Haus behalten?

GELD ⋅ Mein Mann und ich lassen uns scheiden. Wir haben uns vor 15 Jahren gemeinsam ein Einfamilienhaus gekauft. Dafür haben wir beide PK-Gelder bezogen. Auch der Hypothekarvertrag lautet auf uns beide. Was muss ich gegenüber der Bank unternehmen, damit ich weiter mit den Kindern im Eigenheim wohnen bleiben kann?
02. Oktober 2017, 18:13
Alexander Paul

Massgebend für einen Grossteil der finanziellen Aspekte einer Scheidung ist der vereinbarte Güterstand bzw. die Eigentumsform der Liegenschaft. In den meisten Fällen ist das in der Schweiz die sogenannte Errungenschaftsbeteiligung. Wenn Sie ohne Ehevertrag geheiratet haben, gilt nämlich automatisch dieser Güterstand. Das heisst konkret, dass sich die Ehepartner bei einer Scheidung all das je zur Hälfte teilen, was nach der Eheschliessung an Gehalt, Zinsen und Vorsorgebeträgen erwirtschaftet wurde.

Miteigentum als Standard

Kaufen Ehepaare eine Immobilie, so wird als Standard das Miteigentum angewandt, bei dem die Immobilie je zur Hälfte beiden Eheleuten gehört. Diese Teilung gilt unabhängig davon, wer von Ihnen beiden wie viel in den Hauskauf investiert hat. Haben Sie beim Immobilienkauf die Eigentumsquoten im Grundbuch eintragen lassen, lässt sich daran klar ablesen, wer zu welchen Teilen die Immobilie finanziert hat und für die Schulden haftet. Ist dies nicht der Fall, haften Sie und Ihr Mann auch solidarisch für die gesamten Hypothekarschulden. Die Bank kann sich in diesem Fall aussuchen, von wem sie die Zinsen einfordert.

Möchten Sie die Immobilie übernehmen, müssen Sie Ihren Ex-Mann entschädigen, sofern dieser nicht auf seinen Anspruch verzichtet. Konkret steht ihm sein investiertes Eigengut sowie die Hälfte der Wertsteigerung der Immobilie zu. Genau dies ist die Knacknuss bei vielen Scheidungsprozessen. Oft können sich beide Parteien nicht darüber einig werden, wer wie viel investiert hat.

Bank muss mitspielen

Auch wenn Sie sich mit Ihrem ehemaligen Partner auf eine Auszahlungsmodalität einigen können, muss gleichwohl die Bank mitspielen. Denn nur wenn Sie auch alleine die Tragbarkeitsrichtlinien erfüllen können, wird die Bank die Übertragung des Hypothekarvertrags auf Sie akzeptieren.

Normalerweise ist es empfehlenswert, die laufende Hypothek zu übernehmen und nicht aus dem Hypothekarvertrag auszusteigen. Andernfalls werden hohe Vorfälligkeitsentschädigungen fällig.

Gemeinsames Eigentum

Eine Alternative kann die Weiterführung der bisherigen Eigentumsverhältnisse sein. Beide Ex-Partner bleiben in diesem Fall Eigentümer der Immobilie und haften auch weiterhin gemeinsam für sämtliche Kosten und Zinszahlungen.

Aufgepasst: Wurden Pensionskassengelder für den Hauskauf bezogen, müssen auch diese zurückgeführt werden, sobald Ihr Mann aus der gemeinsamen Hypothek aussteigt oder die Immobilie verkauft wird. Die Höhe der Pensionskassengelder, die zurückbezahlt werden müssten, finden Sie übrigens in Ihrem Pensionskassenausweis.

Oft ist es schwierig, an alle Details und Vorschriften zu denken. Gerade in einem Scheidungsprozess ist es deshalb wichtig, sich professionelle Hilfe zu holen.

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