Pensionierung: Muss ich mehr Eigenkapital einschiessen?

(Symbolbild: Patrick Hürlimann)
GELD ⋅ Meine Frau (50) und ich (49) haben kürzlich eine Wohnung gekauft und dafür eine zehnjährige Festhypothek über 600 000 Franken abgeschlossen. Was müssen wir beachten, damit wir im Alter nicht in finanzielle Schwierigkeiten geraten und womöglich sogar unsere Immobilie verkaufen müssen?
21. Juli 2017, 05:00
Alexander Paul

Die Frage, die Sie ansprechen, beschäftigt viele Hypothekarnehmer. Aus meiner Praxis kenne ich viele Fälle, bei denen Immobilienbesitzer bei Eintritt ins Rentenalter von Forderungen seitens der Bank, mehr Eigenkapital bereitzustellen, überrascht wurden. Denn nach der Pensionierung reduziert sich in der Regel das Einkommen, und die Tragbarkeit der Hypothek verschlechtert sich somit schlagartig.

Kalkulatorischer Zins

Unter Tragbarkeit verstehen Banken das Verhältnis zwischen den laufenden Kosten der Immobilie und dem Brutto-Haushaltseinkommen. Die Zinskosten werden aber nicht mit den aktuellen Zinssätzen, dabei mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 5 Prozent berechnet. Hinzu kommen Amortisationskosten (rund 1 Prozent der Hypothekarsumme) und Unterhaltskosten (ca. 1 Prozent des Immobilienwerts). Die Tragbarkeit ist dann erfüllt, wenn für die laufenden Kosten nicht mehr als ein Drittel des Haushaltseinkommens aufgewendet wird.

Da die staatliche und berufliche Vorsorge maximal zwischen 60 und 80 Prozent des vorherigen Einkommens sichert, sind Kreditinstitute bei der Vergabe von Hypotheken an Schuldner über 50 Jahre teilweise restriktiver und verlangen mehr Eigenkapital, um die Tragbarkeit auch bei tieferem Renteneinkommen zu gewährleisten. Da Ihre Hypothek just zu diesem Zeitpunkt ausläuft, sollten Sie sich möglichst bald Gedanken zur Amortisation machen.

Von Gesetzes wegen sind Sie ohnehin verpflichtet, die 2. Hypothek – sprich die Belehnung über 65 Prozent des Immobilienwerts innerhalb von 15 Jahren zu amortisieren. Je nach erwartetem Renteneinkommen kann es aber durchaus sinnvoll sein, die Hypothek auch über die geforderten 65 Prozent hinaus zu amortisieren. Punkto Amortisation können Sie grundsätzlich zwischen einer direkten Amortisation, die den Kreditbetrag kontinuierlich reduziert und einer indirekten Amortisation, bei der Sie über ein 3a-Konto sparen, das zu Gunsten der Bank verpfändet wird, wählen.

Haben Sie es verpasst, die notwendige Vorkehrung zu treffen, um die Tragbarkeit nach der Pensionierung sicherzustellen, kann eine Mehrgenerationen-Hypothek ein letzter Ausweg sein. Bei der Mehrgenerationen-Hypothek wird die Immobilie auf die Kinder oder andere Familienangehörige überschrieben. Die Bank muss dieser Übertragung zustimmen, da die Kinder eine Solidarhaftung übernehmen.

Frühzeitig Weichen stellen

Besser ist es in jedem Fall, schon frühzeitig vorzusorgen. Ich rate meinen Kunden immer, sich spätestens beim Kauf einer Immobilie Gedanken zur eigenen Vorsorgesituation zu machen und die Tragbarkeit im Alter sicherzustellen. Neben klassischen Sparlösungen bieten sich gerade für Immobilienbesitzer auch Versicherungsprodukte an. Welche Lösung für Sie ideal ist, hängt immer von Ihrer familiären und finanziellen Situation ab.

Alexander Paul


Leserkommentare

Anzeige: