Ratgeber

Neue PK: Warum fallen die Rentenleistungen tiefer aus?

(Symbolbild: Manuela Jans-Koch)
GELD ⋅ Ich (40, m, verheiratet) habe die Stelle gewechselt und muss nun feststellen, dass trotz höherem Lohn meine versicherten Risikoleistungen tiefer ausfallen, da sie von der Höhe meines PK-Altersguthabens abhängen. Bei meinem früheren Arbeitgeber wurden die Renten in Prozent des AHV-Lohnes bemessen. Warum dieser Unterschied?
25. August 2017, 05:00

Ihr aktueller Arbeitgeber hat bei der Pensionskasse einen Vorsorgeplan gewählt, bei welchem die versicherten Invaliden- und Hinterlassenenleistungen nach dem sogenannten Beitragsprimat versichert sind. Die Pensionskasse geht in diesem Fall für die Berechnung sämtlicher Leistungen von einem projizierten Altersguthaben aus. Dieses setzt sich aus dem zum Zeitpunkt des Eintritts des Leistungsfalls angesammelten verzinsten Alterskapitals (aktuell vorhandenes Alterskapital) und den künftigen unverzinsten Altersgutschriften zusammen.

Dieses fiktive Altersgut­haben wird mit den gültigen Umwandlungssätzen Ihrer Pensionskasse in eine Rente umgewandelt. Der Umwandlungssatz für die Invalidenrente ist dabei gleich hoch wie der Umwandlungssatz für die Altersrente. Bei Pensionskassen der öffentlichen Hand werden für die Berechnungen der projizierten Altersguthaben oft auch Zinsgutschriften berücksichtigt. Beispiel: projiziertes Altersguthaben Alter 65: 400000 Franken x Umwandlungssatz 6,8% = Invalidenrente 27200 Franken.

Diese Berechnungsart entspricht der heutigen gesetzlichen Minimallösung. Der Nach­teil dieser Variante ist, dass ein Kapitalbezug aus der Pensionskasse (z. B. durch Bezug für Wohneigentum oder Scheidung) einen direkten negativen Einfluss auf die Höhe Ihrer Risikoleistungen hat. Auch sind diese Leistungen in der Regel meist tiefer, als wenn diese direkt abhängig sind von Ihrem AHV-Lohn.

Bei der Lösung Ihres früheren Arbeitgebers handelt es sich um das sogenannte Leistungsprimat. Die Risikoleistungen hängen daher von Ihrem ver­sicherten Lohn ab und sind unabhängig von der Höhe Ihres Alterskapitals in der Pensionskasse. Beispiel: versicherter Lohn 80000 Franken x Rentenansatz 50% = 40000 Franken Rente.

Diese Definition ist einfach und transparent und für die Ver­sicherten nachvollziehbar. Bei Lohnsteigerungen erhöhen sich demnach auch die Versicherungsleistungen.

Lücken schliessen

Was können Sie dagegen tun? Wenden Sie sich zuerst an die Vorsorgekommission Ihres Arbeitgebers. Die Vorsorgekommission, oft auch PK-Kommission genannt, besteht aus mindestens gleich vielen Vertretern des Arbeitgebenden und der Arbeitnehmenden. Der Zweck der Vorsorgekommission besteht darin, die Interessen der versicherten Personen zu wahren und deren Anfragen zu behandeln. Eine Analyse Ihrer Pensionskassenlösung kann Deckungslücken und mögliches Optimierungspotenzial aufzeigen.

Als weitere Möglichkeit bietet sich an, Deckungslücken über private Versicherungs­lösungen zu schliessen. Für die Versicherungsprämien müssen aber Sie privat aufkommen, dies im Gegensatz zu den Risiko­leistungen in der Pensionskasse, an denen sich Ihr Arbeitgeber mit mindestens der Hälfte an den Versicherungsprämien beteiligen muss.

Marco Lüthy


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