Lohnt sich die Frühpensionierung für mich?

GELD ⋅ Ich (m, 62, ledig, Angestellter) war bisher auf eine ordentliche Pensionierung mit Alter 65 eingestellt. Meine Pensionskasse senkt nun auf den 1. Januar 2019 den Umwandlungssatz. Nun überlege ich mir, Ende 2018 mit Alter 63 in Pension zu gehen, um die derzeitigen Konditionen in der Pensionskasse abzusichern. Lohnt sich das?
20. Oktober 2017, 11:02
Barkavee Thiyagarajah

Gemäss Ihren Angaben rechnet Ihre Pensionskasse (PK) bei Pensionsalter 65 aktuell mit einem Umwandlungssatz von 5,8 Prozent, bei Frühpensionierung mit Alter 63 würde dieser somit 5,56 Prozent betragen. Der zukünftige Umwandlungssatz nach Reglementsanpassung ab 2019 wird bei Alter 65 auf 5 Prozent reduziert.

Pensionskassenleistungen vergleichen

Ihr PK-Alterskapital mit Alter 63 wird 478 000 Franken betragen. Mit dem Umwandlungssatz von 5,56 Prozent erhalten Sie damit eine lebenslange Rente von 26 580 Franken pro Jahr. Arbeiten Sie bis Alter 65 weiter, werden Sie ein PK-Alterskapital von 517 000 Franken ansparen können. Mit dem ab 2019 gültigen Umwandlungssatz von 5 Prozent wird Ihre Rente pro Jahr 25 850 Franken betragen. Sie erhalten demnach bei Pensionierung mit Alter 63 eine leicht höhere Rente als bei Pensionierung mit Alter 65. Konkret macht die Differenz 60 Franken pro Monat aus.

Wegfall des Erwerbs- einkommens einberechnen

Eine frühzeitige Erwerbsaufgabe wirkt sich jedoch nicht nur auf die Pensionskassenleistungen aus. Wenn Sie die Pensionierung zwei Jahre vorziehen, fällt auch Ihr Erwerbseinkommen zwei Jahre früher weg. Da die Rentenleistungen das wegfallende Erwerbseinkommen nicht vollständig ersetzen, ergibt sich für zwei zusätzliche Jahre eine finanzielle Lücke, welche Sie mit angesparten Vorsorgegeldern (Sparen 3 oder freies Privatvermögen) über­brücken müssen.

AHV: Bei Vorbezug lebenslange Kürzung

Die AHV-Rente fliesst ordentlich erst mit Alter 65. Die bei einer Frühpension entstehende Lücke müssen Sie entweder aus Ihrem freien Vermögen finanzieren, oder Sie prüfen einen Vorbezug der AHV-Rente. Letzteres führt zu einer lebenslangen Rentenkürzung. Pro vorbezogenes Jahr fällt die AHV-Rente dauerhaft um 6,8 Prozent tiefer aus, in Ihrem Fall also um 13,6 Prozent. Wenn Sie sich mit 63 pensionieren lassen und die AHV erst mit 65 beziehen, so müssen Sie ausserdem für diese beiden Jahre AHV-Beiträge als Nichterwerbs­tätiger bezahlen. Deren Höhe hängt von Ihrem Renteneinkommen und Ihrem Vermögen ab.

Falls Sie ausschliesslich die Rentenleistungen aus der PK betrachten, fahren Sie unter den zuvor dargestellten Bedingungen bei einer Frühpensionierung mit 63 Jahren zwar finanziell etwas besser als bei einer ordentlichen Pensionierung mit 65 Jahren. Ich empfehle Ihnen aber, die Frühpensionierung unter Berücksichtigung aller finanziellen Einflussfaktoren wie AHV, Pensionskasse, Vermögen, Steuern, persönliches Budget usw. zu betrachten. Klären Sie zusätzlich bei Ihrer Pensionskasse ab, ob finanzielle Abfederungsmassnahmen für Personen vorgesehen sind, welche bereits nah am Pensionsalter sind. Aus all diesen Gründen sollten Sie Ihre Situation genau prüfen, bevor Sie sich für oder gegen die Frühpensionierung entscheiden.

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