Ratgeber

Lehrzeitende: Wie behalte ich den Versicherungsschutz?

Ein Lehrling unterschreibt einen Vertrag (Symbolbild). (Manuela Jans (28.04.2009))
Ich (19) beende dieses Jahr meine Lehre. Bevor ich eine neue Stelle antrete, möchte ich einen mehrmonatigen Sprachaufenthalt in Australien machen. Nachher muss ich in die RS. Wie kann ich meinen Versicherungsschutz im Bereich Unfall und Krankheit während dieser Zeit weiterführen?
07. Juli 2017, 04:38
Pascale Mangold


Während der beruflichen Ausbildung sind Lernende über ihren Arbeitgeber obligatorisch gegen Berufs- sowie Nichtberufsunfälle gemäss Unfallversicherungsgesetz nach Artikel 1a, Ziffer 1a. versichert. Im Krankheitsfall besteht eine Lohnfortzahlungspflicht, welche durch den Lehrbetrieb meistens durch eine gleichwertige Krankentaggeldversicherung abgegolten werden kann. Mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses verändert sich nun Ihre Versicherungssituation.

Weiterführung der Versicherungen

Die Ausbildungsstätte ist verpflichtet, die Lernenden bei Austritt über die Möglichkeit der Weiterführung der Versicherung für die beiden erwähnten Risiken aufzuklären. Der Schutz der obligatorischen Unfallversicherung nach UVG endet mit dem 31. Tag nach Anspruch auf mindestens den halben Lohn (Nachdeckung). Sie profitieren so während eines Monats nach dem Lehrende von der gesetzlichen Verlängerung der Unfallversicherungsdeckung gemäss UVG. Bei einem allfälligen an- schliessenden Ausland(sprach)-aufenthalt kann eine Abredeversicherung für maximal 180 Tage beim Unfallversicherungsträger des Lehrbetriebes abgeschlossen werden. Die Prämie beträgt je nach Gesellschaft zwischen 25 und 45 Franken pro angebrochenen Monat. Sie wird bei Abschluss fällig und muss spätestens am letzten Tag der Nachversicherungsdeckung einbezahlt sein. Als Nachweis gilt die Zahlungsbestätigung des E-Bankings, der Einzahlungsschein oder, sofern online abgeschlossen, die per E-Mail zugesandte Bestätigung.

Sofern Sie vor Ablauf der 180 Tage eine Arbeitstätigkeit aufnehmen würden, welche mehr als 8 Stunden pro Woche beträgt, erlischt der Versicherungsschutz über die Abredeversicherung. Die Deckung für Nichtberufsunfälle ist dann über den neuen Arbeitgeber gewährleistet. Dasselbe gilt bei einer Arbeitslosigkeit mit einem Anspruch auf eine Entschädigung. Falls Sie anschliessend Militärdienst oder Zivildienst leisten, ruht die abgeschlossene Abredeversicherung beziehungsweise verlängert sich um die erwiesene Dienstzeit. Während dieser Zeit ist der Versicherungsschutz über die Militär­versicherung sichergestellt.

Krankentaggeldversicherung ist oft zu teuer

Wie kann das Risiko des Erwerbsausfalls infolge Krankheit abgedeckt werden? Falls der Ausbildungsbetrieb über eine Krankentaggeldversicherung verfügt und Lernende zum versicherten Personenkreis zählen, kann ein Übertritt in die Einzelkrankentaggeldversicherung in Erwägung gezogen werden. Das Recht für den Übertritt besteht während 90 Tagen nach Firmenaustritt. Die Abdeckung des Kurzfristrisikos mittels eines Taggeldes erweist sich jedoch oft als kostenintensiv. Wir empfehlen eher, das langfristige Risiko mit einer Invalidenrente abzudecken. Hier lohnt es sich, bei einigen Versicherungsgesellschaften eine Offerte zu verlangen.

 

Kurzantwort
Der Schutz der obligatorischen Unfallversicherung nach UVG endet mit dem 31. Tag nach dem Austritt aus dem Unternehmen. Bei einem allfälligen anschliessenden Auslandaufenthalt kann eine Abredeversicherung für maximal 180 Tage beim Unfallversicherungsträger des Lehrbetriebes abgeschlossen werden. (red)

 

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