Kann ich mein Auslandkonto noch straffrei angeben?

Blick in ein Portemonnaie mit Geld. (Bild: Keystone)
GELD ⋅ Ich (54) habe im Ausland ein Bankkonto, das ich in meiner Steuererklärung bisher nicht deklariert habe. Angesichts des automatischen Informationsaustauschs (AIA) zwischen der Schweiz und anderen Staaten möchte ich dieses nun legalisieren. Ist es dafür noch nicht zu spät? Wie gehe ich am besten vor?
07. Juni 2017, 05:00

Die gesetzlichen Grundlagen für den automatischen Informationsaustausch (AIA) sind am 1. 1. 2017 für die Schweiz in Kraft getreten. Ab diesem Jahr werden Daten über Finanzkonten gesammelt, die ab 1. 1. 2018 mit anderen Staaten ausgetauscht werden, die ebenfalls dem AIA beigetreten sind.

Umfangreicher Austausch von Kontodaten

Die Daten umfassen unter anderem den Kontostand und persönliche Angaben betreffend den Kontoinhaber sowie Zinsen, Dividenden, Einnahmen aus Versicherungsverträgen, aber auch Informationen darüber, ob ein Konto im Laufe des Jahres geschlossen wurde, usw.

Ab 2018 erhält die Eidgenössische Steuerverwaltung die AIA-Daten aus dem Ausland und leitet diese voraussichtlich im September an die kantonalen Steuerbehörden weiter. Die zuständige kantonale Steuerbehörde vergleicht diese Angaben mit denjenigen aus Ihrer Steuererklärung. Wurden Vermögenswerte nicht deklariert, können ein Nachsteuerverfahren und allenfalls ein Strafverfahren eröffnet werden. Dabei wird neben der Erhebung der Steuern für die letzten zehn Jahre und entsprechendem Verzugszins auch eine Sanktion in Form einer Busse (bis zum Dreifachen der hinterzogenen Steuer) ausgesprochen. Um diese Konsequenzen zu vermeiden, sollte eine straflose Selbstanzeige in Betracht gezogen werden.

Straflose Selbstanzeige ist noch möglich

Gemäss der Dienststelle Steuern Luzern ist die straflose Selbstanzeige oder kleine Steueramnestie für das Jahr 2017 nach wie vor möglich. Straflosigkeit gilt sowohl für die Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung wie auch wegen Steuerbetrug. Bei der ersten Selbstanzeige ist keine Busse geschuldet. Lediglich die Nachsteuern für die letzten zehn Jahre sowie Verzugszinsen müssen bezahlt werden.

Damit eine erstmalige Selbstanzeige straflos bleibt, müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein: Die anzeigende Person muss die Verwaltung bei der Aufdeckung der Steuerhinterziehung unterstützen, sich ernstlich um die Bezahlung der Nachsteuern bemühen und die Hinterziehung darf noch keiner Schweizer Steuerbehörde bekannt sein. Brisant ist die letzte Voraussetzung, da eine straflose Selbstanzeige nicht mehr möglich sein wird, nachdem die Schweizer Steuerbehörden durch den AIA ab 2018 von versteckten Vermögenswerten Kenntnis haben werden.

Ausdrückliche Anzeige ist nötig

Die Zeit drängt also. Ich rate Ihnen deshalb, solange noch die Chance auf eine straflose Selbstanzeige besteht, Ihre Vermögenswerte offenzulegen. Zeigen Sie diese unverzüglich und ausdrücklich bei der entsprechenden Steuerbehörde an. Eine bestimmte Formvorschrift gibt es zwar hierfür nicht, doch eine blosse Deklaration der Vermögenswerte in der Steuererklärung genügt nicht.

Cyrill Lauper
 


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