Informationsaustausch: Soll ich Auslandkonto saldieren?

Wer hat 50'000 Franken verloren? (Symbolbild Keystone)
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27. Oktober 2017, 11:08
Mario Udvardi

Das von Ihnen vorgeschlagene Vorgehen birgt Gefahren. Zunächst ist festzuhalten, dass Sie, seit Ihre Frau hier ordentlich steuerpflichtig ist, die Rente und das Konto in Italien in der Schweiz hätten deklarieren müssen. Die Zuteilungsnormen der Besteuerung dieser Werte basieren auf dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Italien und der Schweiz.

Zu spät für Saldierung

Sie müssen sich ausserdem im Klaren darüber sein, dass es für eine Saldierung des italienischen Kontos bereits zu spät ist. Der automatische Informationsaustausch (AIA), den die Schweiz mit EU-Mitgliedstaaten durchführt, ist seit dem 1. Januar 2017 in Kraft. Das bedeutet, dass unter anderem die Jahresendbestände 2017 und auch die Saldierungen während des Kalenderjahres 2017 von den entsprechenden Banken zu belegen und dann im Kalenderjahr 2018 an die jeweiligen Partnerstaaten zu liefern sind. In Ihrem Fall also von Italien an die Schweiz.

Die Steuerbehörde Ihres Wohnsitzkantons wird im Jahr 2018 also die Informationen zu Ihrem italienischen Konto automatisch erhalten – wie gesagt auch dann, wenn Sie das Konto noch 2017 saldieren. Basierend auf diesen Informationen wird sich die hiesige Steuerbehörde ein Nachsteuerverfahren vorbehalten. Aufgrund der erhaltenen Kontodaten sind zudem weitere Rückfragen der Steuerbehörde nicht auszuschliessen.

Steuerhinterziehung

Rechtlich sieht es so aus, dass es sich in Ihrem Fall bei den bereits definitiv veranlagten Steuer­perioden um eine vollendete Steuerhinterziehung und bei den noch offenen Steuerperioden um eine versuchte Steuerhinterziehung handelt. Die Steuerbehörden dürfen für die letzten zehn Steuerperioden (2007–2016) Nachsteuern inklusive Verzugszins erheben. Neben den Nachsteuern droht Ihnen zudem eine Busse bis zum Fünffachen des hinterzogenen Steuerbetrags.

Einmalige Selbstanzeige

Ich empfehle Ihnen, aktiv auf die Steuerbehörde Ihrer Wohngemeinde zuzugehen und den Sachverhalt und die Werte offenzulegen (Selbstanzeige). Die Möglichkeit der straflosen Selbstanzeige war 2010 eingeführt worden: Einmal im Leben können sich Steuerhinterzieher selbst anzeigen, ohne eine Strafe fürchten zu müssen. Sie müssen allerdings die Steuern für die vergangenen zehn Jahre inklusive Verzugszins nachzahlen. Zudem müssen Sie bei dieser Selbstanzeige sämtliche bisher vor dem Steueramt versteckten Einkommen und Vermögenswerte angeben.

Danach müssen Sie nicht weiter Angst vor den Konsequenzen des automatischen Informationsaustauschs (AIA) haben.

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