Pensionsplanung

Frühpensionierung – kann ich mir das leisten?

17. September 2017, 05:02
Roger Gabathuler

Die Zahl der Personen, die sich eine Frühpensionierung gönnen möchten, ist hoch. Mit dem Wunsch, dem beruflichen Alltag Adieu zu sagen und die freie Zeit für neue Aktivitäten zu nutzen, stellt sich stets die Frage, mit welchen finanziellen Einbussen zu rechnen ist.

Eine vorzeitige Pensionierung wirkt sich wie folgt auf die finanzielle Zukunft aus:

  • Das Erwerbseinkommen fällt früher weg.
  • Der Sparprozess in der zweiten und dritten Säule wird mit der Erwerbsaufgabe beendet.
  • Der Rentenumwandlungssatz in der Pensionskasse liegt in der Regel tiefer als bei ordentlicher Pensionierung.

Dazu ein Beispiel für die ordentliche Pensionierung: Das Ehepaar Elisa und Martin Wicki erwirtschaftet heute ein gemeinsames Erwerbseinkommen von 130000 Franken pro Jahr. Bei Erwerbsaufgabe mit Alter 65/64 werden sie über ein Renteneinkommen von jährlich 79300 Franken aus AHV und Pensionskassen verfügen. Dies entspricht einer Ersatzquote von 61 Prozent. Elisa und Martin Wicki haben ihr Budget berechnet. Gemäss dieser Zusammenstellung wollen sie lebenslang jährlich 86000 Franken zur Verfügung haben. Den Fehlbetrag von 6700 Franken pro Jahr planen sie über 20 Jahre aus dem privaten Vermögen abzudecken. Das verlangt ein verfügbares Vermögen von mindestens 134000 Franken bei Erwerbsaufgabe.

Eine vorzeitige Pensionierung verlangt zusätzliche Berechnungen: Elisa und Martin Wicki möchten gerne zwei Jahre früher in Pension gehen. Es stellen sich für sie folgende Fragen:

  • Wie hoch wird das reduzierte Renteneinkommen sein?
  • Wie viel zusätzliches Sparkapital muss bei unverändertem Budget bis zur Pensionierung vorhanden sein?

Das lebenslange Renteneinkommen aus den Pensionskassen sinkt um 4200 Franken pro Jahr. Zudem fällt das Erwerbseinkommen für die zwei Jahre der Frühpension weg. Dies führt zu finanziellen Lücken (siehe auch Tabelle, die Rentenhöhen sind pro Jahr gerechnet).

Das Ziel einer frühzeitigen Aufgabe der Erwerbstätigkeit ist finanzierbar, sofern das Ehepaar Wicki noch während der Erwerbsphase die Summe von total 270000 Franken privat ansparen kann. Zwei Jahre früher in Pension zu gehen, kostet Martin und Elisa Wicki zusätzlich zu den oben angeführten 134000 Franken bei ordentlicher Pensionierung noch einmal 136000 Franken. Diese 136000 Franken sind die Differenz zwischen dem ordentlichen und dem reduzierten Renteneinkommen während zwanzig Jahren plus die Kosten für zwei zusätzliche Jahre ohne Erwerbseinkommen.

Falls die beiden jedoch in der Lage sind, ihr Budget für die nachberufliche Zeit an die tieferen Renten anzupassen, reduziert sich der zusätzliche Sparaufwand entsprechend.

Fazit:

  • Eine Frühpension führt zu lebenslang tieferem Renteneinkommen.
  • Durch den früheren Wegfall des Erwerbseinkommens ergeben sich finanzielle Lücken.
  • Finanzielle Lücken können durch frühzeitigen privaten Vermögensaufbau geschlossen werden.
  • Die Rente aus der Pensionskasse kann durch freiwillige Einkäufe erhöht werden.
  • Sparen-3a-Produkte bieten sich als steueroptimale Sparlösungen an.
  • Eine frühzeitige, fundierte Planung beugt Fehlentscheidungen vor.

Roger Gabathuler

Leiter Finanzplanungen, Luzerner Kantonalbank


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