Ferienwohnung: Wie kann ich diese finanzieren?

GELD ⋅ Wir (60 und 56) überlegen uns, neben unserer Eigentumswohnung noch ein kleines Ferienhäuschen im Tessin zu kaufen, um dort nach der Pensionierung Zeit zu verbringen. Wie finanzieren wir am besten dieses Projekt? Können wir auch Vorsorgegelder dafür beziehen?
29. September 2017, 04:40

Den Wunsch, den dritten Lebensabschnitt in der Wärme zu verbringen, hegen viele Schweizer. Allerdings sollten Sie vor dem Kauf einer weiteren Immobilie eine sorgfältige Budgetplanung vornehmen. Denn mit der Pensionierung reduziert sich Ihr verfügbares Einkommen häufig drastisch, und die laufenden Kosten Ihrer beider Immobilien dürfen auch nach der Pensionierung nicht mehr als ein Drittel Ihres Einkommens ausmachen.

Strengere Anforderungen

Nun aber zur Finanzierung Ihres Ferienhauses: Bei Zweitwohnungen gelten strengere Regeln als bei der Finanzierung des Erstwohnsitzes. Die Anbieter belehnen ein Ferienobjekt normalerweise nur zwischen 50 bis 70 Prozent. Sie müssen also mehr Eigenkapital einbringen als bei der Finanzierung des Erstwohnsitzes. Eine weitere Verschärfung betrifft den Einsatz von Vorsorgegeldern für die Finanzierung von Wohneigentum. Das Gesetz verbietet den Bezug von Geldern aus der zweiten und dritten Säule für Ferienobjekte. Der Staat will mit dieser Regelung vermeiden, dass Vorsorgegelder für vermeintlichen Luxus ausgegeben werden, die dann im Alter fehlen und zu finanziellen Engpässen führen könnten. Deshalb gelten auch bei der Amortisation andere Regeln: Während Sie Ihre Eigentumswohnung innert 15 Jahren beziehungsweise bis zum Pensionsalter bis auf die erste Hypothek abbezahlen müssen, verlangen Banken bei Ferienobjekten häufig eine Amortisation auf 50 Prozent des Objektwerts innerhalb von 15 Jahren beziehungsweise bis zur Pensionierung.

Neben all den Unterschieden bei der Finanzierung gibt es aber auch einige Parallelen. Da die Finanzierungskriterien der Anbieter stark variieren, sollten Sie unbedingt mehrere Offerten für die Finanzierung des Ferienobjekts einholen und keinesfalls nur bei Ihrer jetzigen Hypothekarbank anfragen. Beziehen Sie dabei neben Banken unbedingt auch Versicherungen in den Vergleich mit ein oder beauftragen Sie gleich einen unabhängigen Finanzierungsexperten mit der Suche nach der besten Hypothekarlösung.

Steuern und Gebühren

Vergessen Sie nicht, dass auch für ein Ferienobjekt Steuern und Gebühren anfallen. Beim Kauf müssen Sie Grundbuch- und Notariatsgebühren sowie Handänderungssteuern entrichten. Wie viele andere Kantone erhebt auch das Tessin eine Liegenschaftssteuer, die auf Basis des vollen Werts der Liegenschaft bemessen wird – also ohne Abzug der Schulden.

Zusätzlich müssen Sie den Eigenmietwert versteuern, und falls Sie das Ferienhaus temporär vermieten möchten, müssen Sie natürlich auch die entsprechenden Mieteinnahmen dem steuerbaren Einkommen anrechnen.

Sie sehen, der Kauf eines Ferienobjekts ist mindestens so herausfordernd wie der Ihres Eigenheims. Gerade im Hinblick auf Ihre bevorstehende Pensionierung sollten Sie Ihr Budget sorgfältig durchkalkulieren.


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