Das Budget weist Ihnen den Weg

FINANZEN ⋅ Budgetieren ist bei der Vorsorgeplanung wichtig. Doch den wenigsten bereitet sie wirklich Freude. Dies muss nicht sein. Emotionen haben sehr wohl auch ihren Platz.
17. September 2017, 04:38
Silvia Steiner

Silvia Steiner

Was bei einem Unternehmen gang und gäbe ist, ist es im privaten Bereich so gar nicht: die Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben. Wie halten Sie es privat? Interessant wäre es ja schon, zu wissen, wohin das Geld geht, aber für die Datenerfassung ist auch einiger Aufwand notwendig.

Sind die Ausgaben erst mal zusammengestellt, ist das Budget eine perfekte Ausgangslage für verschiedene Op­timierungen. Hat man sein Sparziel ­verfehlt, hilft einem das Budget, zu erkennen, für welche Positionen wie viel ausgegeben wurde und wo der Hebel angesetzt werden muss. Man kann nun Position für Position durchgehen und sich fragen, ob die Ausgabe reduziert werden könnte und, falls ja, ob man das überhaupt möchte. Jemand, der gerne reist, wird beispielsweise seine Ausgaben für Ferien nicht reduzieren wollen, sofern dies finanziell tragbar ist. Dieselbe Person gibt jedoch möglicherweise wesentlich weniger Geld fürs Wohnen aus als andere.

Problematisch wird es erst dann, wenn man bei keiner Position zu Minderausgaben bereit ist. Solange die Ausgaben die Einnahmen nicht übersteigen, ist es noch nicht so problematisch. Wer jedoch für etwas sparen möchte oder ein Polster anlegen möchte für unvorhergesehene Ausgaben, kommt nicht umhin, auf gewisse Dinge zu verzichten, um sein Ziel zu erreichen.

Grössere Ausgaben werden idealerweise aufgeteilt

Um das vorgesehene Budgetziel besser erreichen zu können, hilft eine gute Ausgabenplanung. Grössere Ausgaben wie Steuern, Einzahlungen in die Säule 3a oder Amortisationen werden idealerweise nicht einmalig beglichen, sondern anteilmässig jeden Monat. So sind die grossen Beträge angenehmer portioniert, und man läuft weniger Gefahr, dass bei Fälligkeit der Rechnung der nötige Betrag noch nicht angespart werden konnte. So können beispielsweise Dauer­aufträge bei den entsprechenden Teilzahlungen helfen. Hilfe bieten auch Auswertungen im E-Banking, Apps oder Budgetberatungsstellen.

Positionen, die gerne vergessen werden, sind die sogenannten Rückstellungen. Man möchte vielleicht in zehn Jahren sein Auto, Motorrad oder E-Bike ersetzen können. Ein Hausbesitzer muss Rückstellungen bilden, damit eine neue Heizung gekauft werden kann, wenn die alte aussteigt, oder für den Fall, dass eine Renovation fällig wird. Liegenschaften mit Stockwerk­eigentum richten dazu meist gleich von Beginn weg einen Erneuerungsfonds ein. Fehlt ein Erneuerungsfonds, müssen die Reserven in Eigenregie auf die Seite gelegt werden.

Ausgaben, die glücklich machen

Bei einem Budget geht es im Prinzip um nichts anderes als den Umgang mit den Finanzen. Sparen zu können, ist ein Luxus. Es gibt nämlich viele Menschen, die erstellen kein Budget, um ein gewisses Sparziel zu erreichen, sondern schlicht und einfach, um über die Runden zu kommen. In diesem Fall sind Optimierungen besonders gefragt. Fakt bleibt, dass der Entscheid zu sparen mit Verzicht verbunden ist. Mit weniger Konsum, dafür bewussterem Genuss kann Verzichten sogar Spass machen. Bei wem nicht jeder Luxus zur Tagesordnung gehört, schätzt die kleinen Extras garantiert mehr.

Budgetieren ist grundsätzlich eine trockene Angelegenheit. Man darf jedoch trotzdem auch eine gewisse emotionale Sichtweise mit einfliessen lassen. Ausgaben, die glücklich machen, sind erlaubt! Hier ist weniger der Betrag für Tabak gemeint, sondern vielmehr das Abo für die Bergbahn oder den Tierpark. Wäre doch schade, wenn man sich wegen des Budgets gleich alles verbieten müsste. Mit 20 denkt man vielleicht, dass Pensionäre nicht viel zum Leben brauchen, und ja, teilweise stimmt das sicher auch. Der weitaus häufigere Fall ist jedoch, dass unsere heutigen Pensionierten vielseitig interessiert sind und im Ruhestand ihren Hobbys noch intensiver frönen möchten als bisher. Somit gibt ein Pensionär in der Regel nach der Pensionierung nicht weniger aus als vor der Pensionierung – einfach etwas anders verteilt. Auch die Steuerrechnung bleibt meist etwa im gleichen Rahmen wie vor der Pensionierung.

Länger arbeiten kann auch eine Option sein

Dass das Renteneinkommen geringer ausfällt als das bisherige Erwerbseinkommen, ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Möchte man seinen bisherigen Lebensstandard beibehalten, muss während des Erwerbslebens zusätzlich gespart werden. Es erfolgt somit ein Vermögensverzehr, welcher nebst dem Renteneinkommen die Einnahmenseite bildet. Das vorhandene Vermögen wird auf eine Verzehrdauer von beispielsweise 25 Jahren umgelegt. Da wir glücklicherweise nicht wissen, wie lange wir leben, wird die angenommene Verzehrdauer in den seltensten Fällen genau der Realität entsprechen. Es hat jedoch wenig Sinn, von einer viel zu kurzen oder viel zu langen Lebensdauer auszugehen. Hier spielt sicher auch die Einschätzung der eigenen Gesundheit eine Rolle. Konnten nicht genug finanzielle Reserven gebildet werden, müssen die Ausgaben reduziert werden. Eine andere Möglichkeit ist auch eine teilweise Weiterarbeit über das ordentliche Rentenalter hinaus. Der Vorteil: Sie haben so eine zusätzliche Einnahmequelle und im Idealfall auch noch viel Spass dabei.


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