Ratgeber

Was kann ich für eine Frühpensionierung tun?

(Bild: Archiv LZ/Philipp Schmidli)
GELD ⋅ Ich (m, 55, verh., 2 erwachsene Kinder) verdiene als leitender Angestellter rund 12 000 Franken brutto im Jahr. Ich möchte nicht bis 65 arbeiten, sondern mich mit zirka 62 Jahren früh- oder teilpensionieren lassen. Was ­bedeutet das für meine Vorsorge? Was kann ich heute schon tun, um dieses Ziel zu erreichen?
05. Mai 2017, 05:00
Patricia Cachin

Eine Früh- oder Teilpensionierung hat grundsätzlich eine negative Wirkung auf die Höhe des Vorsorgekapitals bzw. auf die Rentenhöhe. Das ordentliche Pensionierungsalter ist gesetzlich festgelegt. Die einzelnen Pensionskassen dürfen davon abweichend eine Früh- oder eine Teilpensionierung vorsehen, aktuell frühestens ab Alter 58.

Bei der AHV ist dagegen zurzeit nur eine Frühpensionierung mit entsprechenden Rentenkürzungen um ein oder zwei Jahre vor dem offiziellen Pensionierungsalter möglich. Mit der geplanten Reform Altersvorsorge 2020 soll das Referenzalter identisch ausgestaltet werden, das heisst sowohl bei AHV als auch bei Pensionskassen Frühpensionierung ab Alter 62 und Pensionierung spätestens mit 70 Jahren. Mit einer Früh- oder Teilpensionierung ist in jedem Fall ein tieferer Umwandlungssatz verbunden, sprich eine Reduktion der Altersrente, weil mit dem angesparten Kapital mehr Rentenjahre zu finanzieren sind. Zudem fallen bei einer Frühpensionierung auch die Spar­beiträge für die Jahre bis zum gesetzlichen Pensionsalter weg (gemäss Gesetz 18 Prozent des versicherten Lohns pro Jahr, die vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer gemeinsam finanziert werden).

Das bedeutet, dass auch das angesparte Kapital kleiner ist als bei einer ordentlichen Pensionierung. Zusätzlich müssen Sie als Frührentner bis zum Erreichen des offiziellen Pensionsalters ebenfalls noch AHV-Beiträge bezahlen. Wer sich entscheidet, die AHV früher zu beziehen, muss eine lebens­lange Rentenkürzung in Kauf nehmen. Pro Vorbezugsjahr kürzt die AHV die Rente um 6,8 Prozent.

Teilpensionierung

Bei einer Teilpensionierung können Sie weiter Beiträge in die PK einzahlen, anderseits wird der tiefere Umwandlungssatz nur auf demjenigen Teil des Altersguthabens angewendet, den Sie im Voraus beziehen. Die Teilpensionierung muss mit einer entsprechenden Reduktion des Beschäftigungsgrades und des Grundgehaltes einhergehen.

Maximal 3 Etappen möglich

Es sind in der Praxis (oder je nach Reglement) bei der Teilpensionierung maximal 3 Schritte von jeweils mindestens 20 oder 25 Prozent erlaubt, wobei der dritte Reduktionsschritt stets zur vollständigen Pensionierung führen muss. Zwischen zwei Pensionierungsschritten muss eine Zeitspanne von mindestens einem Jahr liegen.

Ich empfehle Ihnen, die entsprechenden Berechnungen bei Ihrer Pensionskasse einzuholen, damit Sie sich bereits heute ein Bild von den Einbussen bei einer Früh- oder Teilpensionierung machen können. Um Einkommenslücken zumindest teilweise zu schliessen, können Sie sofort mit jährlichen freiwilligen Einzahlungen in die Pensionskasse beginnen, falls Sie ein Einkaufspotenzial haben. Dies bietet Ihnen ausserdem steuerliche Vorteile. Beachten Sie aber, dass Sie in den letzten drei Jahren vor der Pensionierung keine Einkäufe mehr tätigen dürfen, wenn Sie das Kapital statt Rente beziehen wollen.

Patricia Cachin
 


Leserkommentare

Anzeige: