Was tun, wenn meine Kinder unflätig sprechen?

Kinder der Kita «Chriesimatt» in Baar. (Archivbild: Maria Schmid / ZZ)
Als Mutter von zwei Jugendlichen (14/17) nervt mich ihre oft raue und beleidigende Sprache. Obwohl Deutsch ihre Muttersprache ist, sprechen sie gar gern mit einem ausländischen Akzent. Wenn ich interveniere, reagieren sie gereizt, provozieren mich noch mehr oder ziehen sich völlig zurück. Wie kann ich geschickt vorgehen?
26. Oktober 2017, 11:30
Andrea Munz

Jugendliche spielen gern mit sprachlichen Ausdrücken, die bei Erwachsenen heftige Reaktionen auslösen. Es ist für sie spannend zu sehen, wo deren Grenzen des Tolerierbaren liegen. Auf solche Provokationen einzugehen ist sehr anstrengend und gleichzeitig ganz wichtig.

Es gibt viele Themen, über die Erwachsene mit Jugendlichen reden können wie etwa Ordnung, Kleider, Beteiligung im Haushalt, Sprache, Ausgang, Einsatz in Schule/Betrieb, Geld. Die Kunst besteht darin, die Auseinandersetzung auf einem möglichst harmlosen Niveau zu führen. Nimmt man aber eine allzu grosszügige Haltung ein, steigt das Risiko, dass Themen immer krasser, sogar rassistischer oder sexistischer werden.

Es ist das Recht der Jugend, sich von früheren Generationen abzugrenzen und sich eigenständig zu inszenieren. Kleidung, Musik, Interessen und Sprache sind mögliche Themenfelder dafür. Erwachsene tun Jugendlichen keinen Gefallen, wenn sie sich selber allzu jung geblieben geben oder indem sie den Provokationen keinen Gegenpol entgegenhalten. Jugendliche wollen als eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen werden und brauchen Erwachsene, die sich mit ihnen auseinandersetzten und auch Grenzen setzen.

Erwachsene sollten klar kommunizieren, welche Ausdrücke für sie ein No-Go sind. Dass die Auswahl bei jedem Erwachsenen unterschiedlich ist, spielt keine Rolle. Kinder und Jugendliche lernen rasch, wo sie was sagen dürfen. Die Kernbotschaft kann so lauten: «Das ist für mich eine Beleidigung, die ich nicht mehr hören will. Ich bitte dich, in meiner Anwesenheit respektvollere Ausdrücke zu benutzen. Wie du ausserhalb meiner Hörweite redest, überlasse ich dir.»

Auch Thema bei den Jungen

Es geht darum, Jugendlichen zu vermitteln, dass Sprache situativ angepasst werden kann und muss. Untereinander sollen sie in ihrer Jugendsprache kommunizieren können. Interessanterweise finden unter Jugendlichen ähnliche Diskussionen statt, welche Wörter okay sind und welche eine zu starke Provokation oder Beleidigung darstellen. Fragen Sie Ihre Kinder mal, wo für sie die Grenze liegt und wie sie auf Überschreitungen in ihrer eigenen Gruppe reagieren.

Es ist ein gutes Zeichen, wenn Erwachsene mal von Jugendlichen als altmodisch und pingelig bezeichnet werden. Das heisst, dass die Aus­ein­andersetzung zwischen den Generationen ausgetragen wird, indem wichtige Werte kommuniziert und verteidigt werden.

Überlegen Sie sich, welche Konsequenzen für Sie Sinn machen, wenn es zu Provokationen kommt. Erklären Sie etwa Gemeinschaftsräume wie die Küche oder die Stube zu Zonen, wo man anständig miteinander redet. Schicken Sie Ihre Töchter oder Söhne in ihre Zimmer, wenn deren Sprache Sie zu sehr nervt. Manchmal kann auch eine Prise Humor helfen, indem Sie sich zum Beispiel einen Ohrenschutz überstülpen oder die Gemeinschaftszone selber verlassen. Mit der Konsequenz, dass es dann vielleicht kein fertig gekochtes Essen gibt.
 

Andrea Munz

lic. phil. Psychologin, Supervisorin, Organisationsberaterin BSO, Coach, www. andreamunz.ch

 

 

Kurzantwort

Für Jugendliche ist Sprache eine wichtige Möglichkeit, sich von Erwachsenen abzugrenzen. Darum muss man nicht allzu heftig reagieren. Trotzdem sollte man als Eltern Grenzen ziehen und kommunizieren. Man kann die Jungen auch fragen, wo sie im gleichaltrigen Kreis selber Limiten setzen. (red)



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