Unser Kind hat Angstträume – Was können wir tun?

Erziehung (Bild: Eveline Bachmann/Archiv LZ)
ERZIEHUNG ⋅
24. April 2017, 15:30

Angstträume treten am häufigsten und intensivsten in der Kindheit auf. Ängste gehören zum gesunden Entwicklungsprozess. Kinder machen verschiedene Erfahrungen und lernen, wie sie damit umgehen können.

Für Eltern geht es darum, diese Ängste ernst zu nehmen und zu signalisieren, dass man helfen will. Viele Kinder entwickeln eigene Rituale zur Angstverminderung. Sie schauen etwa unters Bett, hinter den Vorhang oder in den Schrank, um zu kontrollieren, dass sich niemand versteckt hat. Danach können sie sich ins Bett legen.

Stofftiere oder Rituale

Die meisten Kinder haben auch Stofftiere, Puppen oder Tücher, die ihnen ein vertrautes Gefühl geben. Fehlt ein solcher Gegenstand, muss er gefunden werden, ansonsten kommt das Kind kaum zur Ruhe. Ein Gutenachtritual hilft vielen Kindern. Das kann ein Lied sein, eine nicht allzu aufregende Geschichte oder ein ruhiges Spiel. Fragen Sie Ihr Kind, was es gern hat. Nach dem Gutenachtritual kann ein Nachtlicht oder eine leicht geöffnete Tür helfen, das Alleinsein und die Dunkelheit auszuhalten.

Um Angstträume zu verarbeiten, kommt oft Folgendes zur Anwendung: Zunächst müssen die Betroffenen sich den Schreckensbildern stellen, indem sie diese aufschreiben oder zeichnen. Um Ängste zu überwinden, muss man aus der Erstarrung heraustreten. Das kann geschehen, indem man sich tagsüber vorstellt, dass der Traum anders weitergeht. Etwa indem man um Hilfe ruft und sie bekommt oder indem man dem Angstauslöser mutig «Geh weg!» oder Ähnliches sagt.

Die Fantasie hilft, zu erkennen, dass es Handlungsmöglichkeiten gibt und dass man der Angst nicht ausgeliefert ist. Sie können mit Ihrer Tochter zum Beispiel eine Bildergeschichte zum Thema Angst machen. Teilen Sie ein Blatt in vier gleich grosse Felder ein. Ins erste Feld oben links zeichnet Ihr Kind sich selbst und was ihm Angst macht. Die Angst erhält eine Form, Gestalt und Farbe und wird externalisiert (sie existiert also nicht mehr nur im Kopf des Kindes). Ins Feld rechts davon zeichnet das Kind eine Helferfigur mit einem Geschenk. Das kann eine sehr vertraute Person sein wie der Vater, die Mutter, Gotte/Götti oder auch eine fiktive Figur wie ein Schutzengel. Ins Feld unten links zeichnet das Kind sich selber mit dem erhaltenen Geschenk, das ihm hilft, mit der Angst umzugehen. Ins letzte Feld zeichnet das Kind, wie sich die Angst durch die mutige Konfrontation verändert hat.

Eigene Ängste einräumen

Fragen Sie nach, was das Geschenk sein könnte. In der Realität könnte es etwa ein Traumfänger sein, der über dem Bett aufgehängt wird, böse Träume einfängt und gute durchlässt. Oder ein symbolischer Gegenstand wie ein Talisman, der das Kind beschützt. Erzählen Sie ihm, dass auch Sie manchmal Angst haben und was Ihnen hilft, ruhig zu werden. Dadurch erfährt das Kind, dass alle Menschen ab und zu Angst haben und dass man etwas dagegen tun kann.

Andrea Munz
 


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