Ratgeber

Recycling: Wie all den Kunststoffabfall sinnvoll entsorgen?

(Bild: Archiv ZZ/Stefan Kaiser)
DAHEIM ⋅ Heutzutage wird praktisch alles in Plastik verpackt. Obwohl ich darauf achte, fällt dennoch eine Menge Kunststoffabfall an (Joghurtbecher, Kaffeerahmfläschchen, Hüllen von Zeitschriften, Fleischschalen usw.). Wie entsorge ich diesen Plastikmüll möglichst umweltschonend?
03. Juni 2017, 05:00
Gabriela Schenker, Willisau

Am umweltschonendsten ist es natürlich, Plastikmüll gar nicht erst entstehen zu lassen. Der erste Schritt auf dem Weg dazu ist, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was im Abfall landet und was davon vermeidbar wäre. Besonders häufig sind dies die angesprochenen Verpackungen, aber auch Tragetaschen und Einwegprodukte (Einweggeschirr, Windeln usw.).

Viele dieser Abfälle können vermieden oder durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt werden. Beispiel Fleischschalen: Wer beim Metzger oder an der Offentheke einkauft, kriegt das Fleisch in einem dünnen, mit Kunststoff beschichteten Papier eingewickelt und kann auf diese Weise die Abfallmenge reduzieren.

Es ist klar, dass es für die dennoch anfallenden Kunststoffabfälle eine sinnvolle und umweltfreundliche Lösung braucht. Am besten ist da das Recycling – die Verwertung des Abfalls als Rohstoff für die Produktion neuer, hochwertiger Güter. Dies ist aber nicht so einfach, denn Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff. Es gibt Tausende verschiedene Kunststoffsorten. Damit beim Recycling ein Produkt hoher Qualität entsteht, müssen die Abfälle sortenrein vorliegen. Wird ein Sortengemisch dem Recycling zugeführt, entsteht ein Materialgemisch, dessen Eigenschaften schwer zu kontrollieren sind und das zu fast nichts zu gebrauchen ist. Anstatt von Recycling spricht man in diesem Fall von Downcycling (Produkt aus dem Recycling­material ist qualitativ schlechter als das Ursprungsprodukt).

In den Verkaufsläden der Grossverteiler und in vielen Recyclinghöfen werden derzeit folgende Kunststoffe sortenrein und kostenlos gesammelt: PET-Getränkeflaschen, PE-Milchflaschen, PE-Shampoo­flaschen und Waschmittelbehälter, CDs und DVDs (ohne Hülle). (Auf recycling-map.ch sind schweizweit sämtliche Sammelstellen für alle Abfall­arten auf einer Karte eingezeichnet.)

Vielerorts kann man zudem Sammelsäcke für die Gemischtsammlung von Kunststoffen kaufen (siehe www.sammelsack.ch ). Die vollen Sammelsäcke werden in automatisierte Sortierwerke gebracht, wo maschinell die häufigsten und wertvollsten Kunststoffsorten aussortiert und sortenrein dem Recycling zugeführt werden. Die übrigen Kunststoffabfälle dienen Zementwerken oder Fernheizkraftwerken als Brennmaterial.

Abwärme wird genutzt

Letzteres gilt ähnlich für die Kunststoffabfälle, die im Hauskehricht entsorgt und in Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt werden: Sie liefern Hitze, die zur Stromproduktion, als Prozessdampf und über Fernwärmeleitung zum Heizen von Wohnungen verwendet wird. In der KVA Renergia in Perlen etwa wird Strom für zirka 38 000 Haushalte produziert, und mit dem Dampf können bei der Perlen Papier 90 000 Tonnen CO2 pro Jahr vermieden werden.

Ein umweltschonender Umgang mit Plastikmüll bedeutet auch, dass leere Plastikbehälter (wie etwa Joghurtbecher) nur gut ausgekratzt werden sollten. Wer leere Verpackungen vor der Entsorgung mit (warmem) Wasser oder gar Seife ausspült, verschwendet Ressourcen.

Gabriela Schenker

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