Welche Textilien dürfen ins Recycling?

WIEDERVERWERTUNG ⋅ Auf dem Kleiderrecyclingsack steht, dass nur intakte Schuhe und Kleider in diesen gehören. Allerdings habe ich schon gelesen, dass gesammelte kaputte Textilien zu Putzlappen oder Dämmstoffen verarbeitet werden. Darf nun ein kaputter Bettanzug in die Kleidersammlung oder nicht? Wenn nicht: wohin damit?
23. Oktober 2017, 14:55
Regina Lenz, Luzern

Vergängliche, günstige Mode, fragwürdige Kleiderqualität, schnell wachsende Kinder sowie genügend Geld im Portemonnaie führen dazu, dass pro Jahr und Kopf in der Schweiz rund 18 kg Textilien neu erworben werden. Davon landen etwa 34 Prozent (rund 50 000 Tonnen) in der Altkleidersammlung.

Die Altkleidertextilien gelangen hierzulande in eine der weltweit modernsten sprachgesteuerten Sortieranlagen. Die einzelnen Kleidungsstücke werden nach vielen Kriterien geprüft. Anschliessend wird entschieden, ob das gute Stück noch tragbar ist.

Was geht wohin?

Ungefähr 65 Prozent der gesammelten Textilien werden dem Secondhand-Gebrauch zugeführt. 15 Prozent werden zu Putzlappen verarbeitet. Weitere 15 Prozent werden zerfasert und als Dämmstoff genutzt. 5 Prozent werden thermisch verwertet – diese Textilien landen also im Müll. Darunter finden sich auch nicht intakte Kleidungsstücke und zerlöcherte Haushaltswäsche. Diese «gehören» daher laut Textilsammelstellen vorab in den Haushaltsmüll und nicht in den Textilsammelsack.

Der Kleidersammlung dürfen saubere, intakte Frauen-, Männer- und Kinderbekleidung, saubere Schuhe (paarweise gebündelt), saubere Tisch-, Bett- und Haushaltswäsche, Gürtel und Taschen mitgegeben werden. Auch Vorhänge, Daunendecken und -kissen sind erwünscht.

Recyclingstellen für kaputte Textilien gibt es bis heute leider nicht. Grundsätzlich würde es sich lohnen, auch kaputten Textilien ein zweites Leben zu schenken. Der grösste Anteil unserer Textilen besteht nach wie vor aus dem Naturprodukt Baumwolle. Der Anbau der wasserliebenden Baumwollpflanze und die Produktion von Baumwolltextilien sind mit hohem Wasserverbrauch und Pestizideinsatz verbunden. Das Verschwinden des Aralsees in Kasachstan, der seit 1960 ein Vielfaches seines Wasservolumens verloren hat, ist nur ein Beispiel für die vielen proble­matischen Aspekte, die auf das Geschäft mit der Baumwolle zurückgehen. Daher lohnt es sich, sich zweimal zu überlegen, ob man kaputte Textilien wirklich in den Abfall schmeissen soll oder ob man dafür eine alternative Verwendung findet.

Selber wiederverwerten

Oft gewaschener Stoff ist besser verträglich für unsere Haut. Kleine Ungereimtheiten im Stoff können leicht mit einer Applikation überdeckt werden. Kommt flicken nicht in Frage, kann aus dem Stoff etwas hübsches Neues genäht werden. Sie können mit ihren Kindern oder Enkeln auch ein Stoffzelt basteln, Dekomaterial herstellen oder Schutzhüllen für ihr Smartphone nähen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Upcycling ist im Trend, deshalb finden sich im Internet viele Anregungen und Ideen dazu.

Vielleich können auch Nähateliers oder Schulen in ihrer Nähe Stoffresten oder kaputte Textilien für Nähkurse gebrauchen? Und schliesslich kann defekte Bettwäsche als Putzlappen im Haushalt Anwendung finden.

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