Was tun gegen die Tausendfüsslerinvasion?

Nahaufnahme eines Tausendfüsslers. (Symbolbild: wikipedia.org/Richard Bartz, München (16. Mai 2007))
DAHEIM ⋅ Seit zirka zwei Wochen erfahren wir eine regelrechte Invasion von Tausendfüsslern, die an der Einfamilienhausfassade hoch- und auch in die Zimmer kriechen. Wir sammeln sie ein – aber bald darauf kommen die nächsten! Was könnte die Ursache dieses vermehrten Aufkommens sein? Und was können wir dagegen tun?
05. August 2017, 05:00

Wissenschaftlich werden die weltweit etwa 80 000 Tausendfüsslerarten als Myriapoden bezeichnet. Dieser Name bedeutet nichts anderes als «unzählige Beine». Doch wirklich 1000 Füsse besitzt keines dieser Gliedertiere. In der Schweiz findet man über 100 verschiedene einheimische Tausendfüsslerarten. Sie sind unscheinbar, und man bekommt sie nur selten zu Gesicht. Aus bisher unerklärlichen Gründen kommt es aber immer mal wieder zu Massenvermehrungen. Dann können die unauffälligen Tiere regelrecht zur Plage werden.

Keine Schädlinge

Tausendfüssler sind indes keine Schädlinge. Sie fressen und zersetzen abgestorbenes Pflanzenmaterial und führen so wichtige Mineralstoffe in den Stoffkreislauf zurück. Damit tragen sie zur Fruchtbarkeit des Bodens bei. Tausendfüssler sind also oft unterschätzte Nützlinge. Bei grosser Kälte und grosser Hitze ziehen Tausendfüssler sich in tiefere Erdschichten zurück. Sonst halten sie sich gerne an feuchten Orten auf der Erdoberfläche auf. Ist dazu viel Pflanzenmaterial vorhanden, mögen sie das besonders. Ausgerüstet mit einer Lupe, kann man die Lebewesen in naturnahen Gärten oder im Wald gut beobachten. Berührt man Tausendfüssler, rollen sie sich zusammen. Einige Arten sondern zur Verteidigung ein Sekret ab, chemische Stoffe, die unangenehm riechen, für den Menschen aber ungefährlich sind.

Nun kommt es vor, dass unzählige Tausendfüssler Wohnräume oder einen Keller in Beschlag nehmen. Ich verstehe gut, dass Ihnen angesichts des Gekrabbels nicht mehr wohl ist. Da hilft Ihnen wohl auch nicht, wenn ich als Biologin die positiven Seiten dieser Lebewesen hervorhebe. Doch was tun? Ich nehme es schon vorweg: Das Bekämpfen von Tausendfüsslern ist mit viel Aufwand verbunden, und der Erfolg ist ungewiss. Bei Befall in den Wohnräumen werden die Tiere eingesammelt und im Kehricht entsorgt. Das geht gut mit «Schüfeli und Bäseli». Dieser Vorgang muss täglich wiederholt werden.

Findet man die Ritzen oder Löcher, wo die Tiere eindringen, kann man diese abdichten. Manchmal hilft es, in feuchten Räumen einen Luftentfeuchter oder ein Licht zu installieren, da die Tiere sich natürlicherweise in dunklen und feuchten Lebensräumen aufhalten. Fenster und Türen geschlossen halten, damit die Tierchen nicht eindringen. Die Invasion eindämmen können auch 20 Zentimeter hohe Schutzwände aus glattem Material ausserhalb des Hauses.

Pulver aus Algen hilft

Eine weitere Massnahme ist das Streuen von Kieselgurpulver (erhältlich in Apotheken) an den Stellen, wo sich die Tausendfüssler aufhalten. Kommen sie mit dem Pulver aus versteinerten Algen in Berührung, wird das Aussenskelett verletzt – die Tiere trocknen aus und können eingesammelt werden.

Abschliessend noch etwas Positives über Tausendfüssler: Im Garten stören die Bodenbewohner niemanden, man braucht sie hier also nicht zu bekämpfen.

Dr. phil. nat. Regina Lenz


Leserkommentare

Anzeige: