Was bedeutet «ohne Zucker» genau?

NAHRUNGSMITTEL ⋅ In meinem Umfeld gibt es oft Diskussionen bezüglich des Zuckers in Naturjoghurt, Zero-Süssgetränken, zuckerfreiem Schleckzeug etc. Bedeutet «ohne Zucker»/«zuckerfrei», dass das Produkt tatsächlich gar keinen Zucker enthält, oder lediglich, dass kein raffinierter Zucker beigefügt wurde?
16. September 2017, 05:00
Monika Neidhart, Goldau

Oft wird unter «ohne Zucker» verstanden, dass ein Produkt keinen Zucker enthält. Dabei wird vergessen, dass viele Nahrungsmittel von Natur aus zuckerhaltig sind. Reiner Apfelsaft etwa enthält pro Deziliter zirka 11 g Zucker aus dem Apfel – ungefähr gleich viel wie klassisches Coca-Cola. Um zu wissen, ob und wie viel Zucker ein Nahrungsmittel enthält, müssen die Angaben auf der Verpackung studiert werden. Die Deklaration ist in der «Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel» geregelt.

Der Aufdruck «zuckerfrei»/«ohne Zucker» ist nur zulässig, wenn das Produkt nicht mehr als 0,5 g Zucker pro 100 g/100 ml enthält. «Ohne Zuckerzusatz» ist erlaubt, wenn kein zusätzlicher Zucker oder ein anderes, wegen seiner süssenden Wirkung verwendetes Lebensmittel zugefügt wurde. Mit «light», «leicht» oder «reduziert» bezeichnete Produkte müssen mindestens 30 Prozent weniger Zucker als ein vergleichbares unreduziertes Produkt enthalten. Das Wort «zero», von Coca-Cola vor rund zehn Jahren eingeführt und auf immer mehr Süssgetränken erscheinend, ist in der Verordnung nicht beschrieben. Es wird mit Lightprodukten gleichgesetzt.

Light- und Zero-Getränke werden teils mit Zusatzstoffen gesüsst (Aspartam, Acesulfam K, Cyclamat). In diesem Fall muss «Mit Süssstoff(en) gesüsst» aufgedruckt sein. Alle Süssstoffe und Zuckerarten, die einem Produkt beigefügt wurden, müssen – wie jede andere Zutat – auf der Zutatenliste mit ihrer Sachbezeichnung in mengenmässig absteigender Reihenfolge angegeben werden. Dabei kann Zucker unterschiedliche Namen haben, etwa Saccharose, Laktose (natürlicherweise in der Milch), Glukose, Maltose, Frucht- zucker, Maltodextrin, Honig. Er kann daher in der Zutatenliste mehrfach auftauchen.

Neben der Zutatenliste ist die Nährwerttabelle eine weitere Möglichkeit, nachzuprüfen, ob ein Produkt Zucker enthält. Zucker (in allen Formen) gehört wie Stärke zu der Gruppe Kohlenhydrate. Entsprechend ist unter «Kohlenhydrate» die Gesamtmenge an Zucker abzulesen, unabhängig, ob er zugesetzt wurde oder im Nahrungsmittel natürlicherweise vorkommt. In letzterem Fall (Frucht- säfte, Milchprodukte) steht immer öfter der Zusatz «enthält von Natur aus Zucker/Zuckerarten» und/oder in der Nährwerttabelle der Zusatz «milcheigener/fruchteigener Zucker».

Lieber mit Mass als künstlich

Der Einfluss von Süssgetränken und Fruchtsäften auf den Blutzuckerspiegel ist vergleichbar. Aus dieser Warte ist der Zucker im Apfelsaft und in Cola gleichwertig. Pro Tag sollten nicht mehr als 2 dl Saft getrunken werden. Der Saft enthält nicht mehr alle Inhaltsstoffe der ganzen Frucht und führt schnell zu einer hohen Zuckerzufuhr. Es kann daher eine Option sein, den Saft mit Wasser zu strecken.

Einen teilweisen oder kompletten Ersatz von Zucker durch Zuckerersatzprodukte in Süssgetränken empfiehlt die SGE nicht. Lieber normal gesüsst, dafür mit Mass. Zudem sind Süssstoffe zum Teil umstritten, da sie im Verdacht stehen, Krankheiten mitzuverursachen.

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