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Gibt es praktikable Alternativen zur Wegwerfwindel?

UMWELT ⋅ Die Wegwerfwindeln für unser Baby ergeben täglich einen beträchtlichen Abfallberg. Gibt es eine ökologisch sinnvolle Alternative, bei der nicht einfach eine Verlagerung der Umweltbelastung (Waschmittel, Energie etc.) stattfindet?
23. September 2017, 00:00
Gabriela Schenker, Willisau

In der Schweiz werden jährlich rund 85000 Kinder geboren. All diese Babys werden in den ersten zwei Lebensjahren im Schnitt fünfmal täglich gewickelt – anfangs häufiger, kurz vor dem Trockenwerden seltener. Laut Studien werden heute in der Schweiz 90 Prozent aller Babys/Kleinkinder in Einwegwindeln gewickelt. Eine trockene Einwegwindel wiegt zirka 35 Gramm und besteht zu grossen Teilen aus Kunststoff mit einem Saugkern aus Zellstoff oder ebenfalls Kunststoff. Das Nettogewicht der jährlich in Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen entsorgten Windeln beträgt somit über 10000 Tonnen.

Das Bruttogewicht ist noch viel höher: Eine volle Windel wiegt je nach Alter und Nahrung des Kindes zwischen 150 und 250 Gramm. Der Urin schenkt dabei am meisten ein – und Urin über die Kehrichtverbrennung zu entsorgen, macht wenig Sinn. Er besteht fast nur aus Wasser, das in der KVA verdampft, wodurch die Verbrennung weniger effizient abläuft. Zum Glück gibt es aber Alternativen zur Einwegwindel.

Früher wurden die meisten Babys kunstvoll in Tücher gewickelt – woher auch der Begriff «wickeln» stammt. Dies war die ursprüngliche Form der Mehrwegwindel. Das System hatte aber Nachteile: Es bedurfte viel Übung, bis man die Kunst des Wickelns beherrschte, die Windeln waren nicht wasserdicht, und die Tücher mussten nach Gebrauch von Hand gewaschen und ausgekocht werden.

Erst nach der Erfindung der Einwegwindel wurde die Mehrwegwindel bedeutend weiterentwickelt. Heutige Mehrwegwindelsysteme sind in der Anwendung ähnlich einfach wie Einwegwindeln. Sie sind wasserdicht mit Auslaufschutz und leicht zu reinigen. Man legt beim Wickeln ein dünnes Vlies aus Zellstoff in die Windel. Das Vlies fängt Feststoffe auf, kann in der Toilette entsorgt werden und stellt sicher, dass die Windel nur mit Urin verschmutzt wird. Die gebrauchte Stoffwindel wird dann in der Waschmaschine bei 60°C gewaschen. Wenn man Stoffwindeln aus Biobaumwolle kauft, umweltfreundliches Waschmittel verwendet, auf Bleichmittel, Weichspüler und den Tumbler verzichtet, ist dies eine der umweltschonendsten Varianten des Wickelns.

Die Anschaffungskosten von Mehrwegwindeln wirken etwas abschreckend. Rechnet man die Kosten allerdings auf die gesamte Wickelzeit hoch, sind Mehrwegwindeln bedeutend günstiger als Einwegwindeln. Und die Windeln für folgende Kinder sind dann fast gratis.

Das windelfreie Baby

Es gibt aber eine noch günstigere und umweltfreundlichere Alternative: die vorwiegend windelfreie Babypflege. Sie ist vergleichbar mit der Haltung eines noch nicht stubenreinen Hundewelpens. Die Eltern schulen ihr Auge darauf, wann der Nachwuchs das nächste Mal muss und befördern ihn dann schnell irgendwohin, wo das Geschäft verrichtet werden darf. Verpassen sie den richtigen Zeitpunkt, muss punktuell der Boden gereinigt werden. Bei Ausflügen und nachts wird das Baby normal gewickelt. Windelfrei aufwachsende Babys sind oft bereits trocken, bevor sie laufen lernen.

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