Wie überzeuge ich meine Mutter vom Alterszentrum?

FAMILIE ⋅ Vor drei Jahren haben wir meine Mutter bei uns ins Haus aufgenommen. Täglich helfe ich ihr bei der Körperpflege und beim Anziehen. Ebenso koche ich für sie. Langsam wird es uns zu viel. Nun wollen wir meine Mutter im Alterszentrum anmelden. Leider wehrt sie sich mit Händen und Füssen dagegen. Wie können wir sie überzeugen?
02. November 2017, 08:37
Eugen Bütler, Luzern

Die Vorstellung, in ein Alterszentrum zu ziehen, ist für viele älter werdende Menschen mit Angst verbunden. Sie kennen diese Häuser vielfach nur aus den Medien, die meist erst dann berichten, wenn es Missstände gibt. Ebenso verbinden viele Menschen Alterszentren mit Abbau und Unselbstständigkeit. Sie befürchten, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren und die vertraute Umgebung gegen eine kalte, unpersönliche Institution einzutauschen.

Doch die Realität ist in der Regel bedeutend positiver. In Alterszentren ist das Personal professionell geschult. Die Pflege ist auf die einzelne Bewohnerin und den einzelnen Bewohner abgestimmt. Und in den allermeisten Fällen geschieht die Betreuung sehr achtsam. Die Lebensqualität der älteren Menschen steht für die Betreuenden an erster Stelle.

Wenn Ihre Mutter also von den negativen Bildern eingenommen ist und sich gegen einen Eintritt in eine solche Institution wehrt, gilt es, einen einfühlsamen Weg mit ihr zu gehen. Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass Sie mit ihr einmal das Alterszentrum besuchen und dort essen gehen. Die meisten Alterszentren haben ein öffentlich zugängliches Restaurant oder Café. Laden Sie sie auf diese Weise ein, sich ein Bild zu machen. Dies könnte man dann wiederholen, teils von Ihnen begleitet und teils allein.

Ein langsames Vorgehen könnte Ihrer Mutter helfen, ihre Ängste und Vorurteile abzulegen. Sagen Sie Ihrer Mutter, wie sehr es Sie entlasten würde, wenn sie in dieses Zentrum eintreten würde. Versprechen Sie ihr, dass Sie sie besuchen würden und sie ab und zu zu Ihnen ins Haus kommen könnte, um etwa bei Ihnen zu essen. Je besser Sie sich finden und gemeinsam entscheiden, umso besser wird es Ihnen beiden nach einem Wechsel gehen.

Falls Ihre Mutter sich überhaupt nicht auf einen solchen Prozess einlassen will, stehen Sie zu ihren Bedürfnissen und Grenzen. Und ziehen Sie diese im Umgang mit der Mutter. Dies könnte bedeuten, dass Sie selber zwei- oder dreimal die Woche nicht im Haus sind, um zu kochen. Dafür haben Sie eventuell einen Tisch für sie im Alterszentrum reserviert. Ein solches Vorgehen kann aber erst nach sorgfältigen Gesprächen und längeren Versuchen, die Mutter zu einer Änderung zu bewegen, Sinn machen.

Positive Erfahrungen

Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Leute nach dem Wechsel zufrieden sind und sich auf die weiteren Jahre freuen. Daher wäre es auch sinnvoll, einmal eine Bewohnerin aus dem Alterszentrum einzuladen. Diese könnte sich als gute Brückenbauerin erweisen, wenn sie von ihren positiven Erlebnissen im Zentrum erzählt.

Es ist sicher nicht einfach, Ihre Mutter auf sanfte und liebevolle Art von einem Wechsel zu überzeugen. Beide Seiten haben Bedürfnisse, die berücksichtigt werden sollen. Sprechen Sie Ihre Mutter darauf an. Wenn die Ängste und Bedürfnisse benannt werden, können Lösungen gesucht werden, die allen entsprechen.

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