Was kann ich gegen fehlendes Selbstwertgefühl tun?

ZWEI DAMEN AUF EINER BANK IN LUZERN ALTER, HAENDE, KAELTE, AHV, RUHESTAND, RINGE 2. DEZEMBER 2002 (NEUE LZ/ESTHER MICHEL) (Bild: Archiv LZ/Esther Michel)
BEZIEHUNGEN ⋅ Mein Mann ist ein aufmerksamer und zärtlicher Partner. Jedoch leide ich unter schwachem Selbstwertgefühl. Wenn mir mein Mann zum Beispiel ein Kompliment macht, wehre ich mich dagegen und sage, es stimme gar nicht. Offenbar fällt es mir schwer, zu glauben, dass ich ein liebenswerter Mensch bin. Wie kann ich das ändern?
18. Mai 2017, 05:00
Eugen Bütler, Luzern

Sie sind mit diesem Problem nicht allein. Viele Menschen leiden aus Gründen, die in der Lebensgeschichte ihre Ursachen haben, an einem verminderten Selbstwertgefühl. Offenbar kann Ihr Partner Ihnen noch so viele liebevolle Rückmeldungen geben, diese kommen einfach nicht bei Ihnen an.

Und Ihre Reaktionen werden auf Dauer Ihren Partner beeinflussen. Wer so sehr davon überzeugt ist, minderwertig zu sein, bringt die Umgebung früher oder später «auf die Palme». Wer liebe Worte und Anerkennung partout abwehrt, erzeugt Missbehagen und Ärger, das führt dann wiederum zu Ablehnung und Rückzug.

Sich Selbstwert «einreden»

Der Austausch von Liebe basiert auch auf Selbstliebe. Liebe kann nur ankommen, wenn dafür eine Resonanz vorhanden ist. Es lohnt sich also, etwas zu verändern. Was aber können Sie tun?

Es gibt zum Thema Selbstvertrauen zahllose Ratgeberbücher. Meist laufen die Tipps darauf hinaus, sich gedanklich «umzupolen». So gibt es eine Methode, sich regelmässig einzureden, man sei selbstbewusst und stark, verfüge über das nötige Wissen und die Fähigkeiten, das Leben zu meistern. Wer das intensiv und andauernd praktiziert, wird eine Wirkung spüren. Die Anteile in ihm, die auf Selbstvertrauen angelegt sind, werden dadurch aktiviert, und jene Teile, die das Gegenteil glauben, minimiert. Diese Umorientierung ist aber recht anstrengend und zielt zudem mehr auf die Symptome denn auf die Ursachen des fehlenden Selbstvertrauens.

Eigene Vita aufarbeiten

Es müsste also eine Methode geben, die tiefer geht und die Ursachen in der Lebensgeschichte direkt angeht. Vielfach sind frühkindliche oder sogar vorgeburtliche seelische Verletzungen wie Alleingelassenwerden oder Ablehnung durch einen Elternteil Grund für fehlendes Selbstwertgefühl. Deshalb reicht es auf Dauer nicht, sich im Hier und Jetzt um ein neues Gefühl der Souveränität und Selbstliebe zu bemühen. Ich meine, es macht Sinn, tiefer zu gehen.

Es gibt therapeutische Methoden. Eine davon will ich kurz beschreiben. Wer sich mit seiner Lebensgeschichte befassen will, kann sich von einem geschulten Berater in einem entspannten (tranceähnlichen) Zustand in einzelne Situationen seines Lebens begleiten lassen. Meistens gelingt es, die Bilder und Vorstellungen, die im Unterbewussten im Bezug auf die frühkindliche oder vorgeburtliche Zeit gespeichert sind, wahrzunehmen und anzugehen.

So kann tiefere Heilung geschehen. Wo es möglich ist, lebensgeschichtliche Ereignisse neu zu erfahren und neu zu sehen, kann Selbstvertrauen auf einer starken Basis wachsen. Natürlich muss das Erlebte dann noch aufgearbeitet werden. Aber die Basis für ein neues Lebensgefühl ist gelegt.

Ich empfehle Ihnen also beides: Denken Sie um. Und lassen Sie sich auf einen Prozess ein, die Ursachen des fehlenden Selbstwertgefühls in Ihrer Lebensgeschichte zu entdecken und einer Heilung zuzuführen.

Eugen Bütler

 


Leserkommentare

Anzeige: