Mit kleinen Kindern sind wir zu müde für Sex

BEZIEHUNGEN ⋅ Wir (41 und 35) sind mit unseren Kindern (4 und 2) als Familie sehr zufrieden. Aber seit der Geburt unserer Jüngsten wurde die Zeit für uns beide als Paar rar, und vor allem unser Sexualleben ist auf der Strecke geblieben. Wenn die Kinder endlich mal im Bett sind und alles aufgeräumt ist, sind wir oft einfach nur noch müde.
07. September 2017, 04:40
Birgit Kollmeyer

Es ist sehr häufig so, dass durch den Alltag mit kleinen Kindern die Zweisamkeit auf der Strecke bleibt. Manche Paare haben das Glück, dass Grosseltern oder Freunde immer wieder einmal das Hüten übernehmen, damit sie Zeit zu zweit einplanen können. Und dies ist wichtig, um nicht nur ein gutes Elternteam zu sein, sondern sich auch noch als Liebespaar zu erleben. Die Wahrscheinlichkeit ist laut der Partnerschaftsforschung sehr hoch, dass die Zufriedenheit mit der Partnerschaft nach der Geburt von Kindern sinkt. Und hier sollte man gegensteuern.

Ideal ist es, wenn man – spätestens wenn die Kinder aus dem Babyalter heraus sind, aber besser von Anfang an – jede Woche einen Abend als Paar reserviert. Sich füreinander schön machen und ausgehen oder auch einmal einen Paarabend zu Hause planen, bei dem dann weder aufgeräumt noch der Bürokram erledigt, sondern Zeit zu zweit verbracht wird: bei einem Glas Wein oder Tee, vielleicht auch mit einem Menü zu zweit und mit einem Austausch über Persönliches.

Falls es das Umfeld erlaubt, bietet natürlich ein Wochenende als Paar eine sehr schöne Möglichkeit, eine neue Erfahrung zu zweit zu machen. Paare brauchen schöne Erlebnisse, um ihr Wir-Gefühl zu erhalten und zu stärken und um einen Ausgleich für die anstrengenden Momente des Eltern- und Paarlebens zu schaffen.

«Zweckfreie» Zärtlichkeit

Um die Sexualität wieder zu beleben, können Sie diese Zeit füreinander nützen, um alle Sinne zu bereichern: z. B. indem sie zusammen duschen oder baden – vielleicht bei Kerzenlicht und Musik – sich massieren oder gegenseitig mit Streicheleinheiten verwöhnen. Wichtig ist, dass diese Zärtlichkeiten «zweckfrei» sind, d. h., dass es nicht unbedingt das Ziel ist, miteinander zu schlafen. Denn wenn sich einer von Ihnen unter Druck fühlt, kann er nicht geniessen und wird sicherlich keine Lust auf mehr entwickeln.

Genuss und Sinnlichkeit sollten nicht erst im Schlafzimmer beginnen: Schaffen Sie sich im Alltag viele kleine Genussinseln – allein und zu zweit: beim Spazierengehen im Wald, durch Musikhören, bei der Körperpflege, beim Essen … – nehmen Sie bewusst mit allen Sinnen wahr und geniessen Sie den Moment. Auch ein liebevoller Umgang miteinander schafft solche kleinen Genussmomente: Aufmerksamkeiten, wie beispielsweise ein liebes Wort auf einem Post-it, eine Tasse Kaffee ans Bett oder regelmässige längere Umarmungen. Durch Genuss im Alltag und schöne körperliche Begegnungen werden Sie wieder zu Ihrem Begehren zurückfinden.

Unterstützen können Sie dies, indem Sie möglichst spielerisch ausprobieren, was Ihnen beiden Spass und Lust macht: verschiedene Orte, zusammen tanzen, erotische Lektüre, Unterwäsche, in der man sich selbst gefällt, variantenreiche Stimulation und Bewegung beim Sex … seien Sie kreativ. Wichtig ist auch hier der Genuss und nicht das krampfhafte Zielen auf Geschlechtsverkehr. Denn nur Lust am Sex macht auch Lust auf Sex.

red

Suchen Sie Rat?

Schreiben Sie an: Ratgeber, Luzerner Zeitung, Maihofstrasse 76, 6002 Luzern.

E-Mail: ratgeber@luzernerzeitung.ch

Bitte geben Sie bei Ihrer Anfrage Ihre Abopass-Nummer an.


Leserkommentare

Anzeige: