Ratgeber

Kinder sind weg: Wir haben uns nichts mehr zu sagen

MAENNER SIND AUCH VON HAEUSLICHER GEWALT BETROFFEN, SO WIE FRANCESCO SCHUMACHER (!!!!!NAME DARF NICHT IN DIE BILDLEGENDE!!!!!),DER UNTER SEINER FRAU GELITTEN HAT. LUZERN AM 14. SEPTEMBER 2005. (NEUE LZ/ADRIAN BAER) GEWALT MANN EINSAM (Bild: Archiv LZ/Adrian Baer)
BEZIEHUNGEN ⋅ Meine Frau und ich haben drei Kinder, die nun alle ausgeflogen sind. Wir haben uns darauf gefreut, wieder mehr Zeit für uns und unsere Partnerschaft zu haben. Nun zeigt sich, dass wir uns kaum etwas zu sagen haben und lieber einzeln etwas unternehmen. Haben uns nur die Kinder zusammengehalten? Was können wir tun?
11. Mai 2017, 05:00
Birgit Kollmeyer

Das Leben mit Kindern geht mit starken Anpassungen der Eltern einher: Eigene Bedürfnisse müssen zurückgestellt und Wünsche eingeschränkt werden. Die Gespräche vieler Paare sind von der Organisation des Familienalltags und der Sorge um die Kinder geprägt, was als Eltern auch zusammenschweissen kann. Aber leider kommt in dieser Lebensphase oft das Paar als Liebespaar zu kurz: Zeit zu zweit und persönliche Gespräche sind rar, wodurch es leicht zur Entfremdung kommen kann.

Ziehen die Kinder dann aus, ist dies nicht weniger herausfordernd. Der Verlust der Elternrolle kann sogar zu einer Identitätskrise führen: Was macht uns als Paar noch aus, und wer bin ich eigentlich als Einzelperson? Wiederum erfordert es Anpassungsleistungen seitens der Eheleute und eine Reorganisation ihrer Partnerschaft.

Ideal ist natürlich, wenn dies nicht von heute auf morgen geschehen muss, sondern sich beim Flüggewerden der Kinder nach und nach entwickelt: eine Rückbesinnung auf die gemeinsamen Interessen, Wünsche und Bedürfnisse.

Reden, bevor es so weit ist

Sprechen Sie darüber, was Sie früher gerne zusammen gemacht haben und was Sie schon immer einmal zusammen erleben wollten. Erlauben Sie sich, erst einmal zu träumen, auch wenn dann vielleicht nicht alles direkt so durchführbar ist. Fragen Sie sich und einander, um welche Bedürfnisse es bei den Träumen eigentlich geht.

Auch Interessen, Hobbys und Bedürfnisse als Einzel­person können jetzt wieder wichtiger genommen werden. Sie müssen nicht alles zu zweit machen, sondern profitieren als Paar auch, wenn Sie sich nach einem getrennt verbrachten Tag Neues zu erzählen haben.

Frau will eher Autonomie

Es sind oftmals die Frauen, die nach der Kinderphase verstärkt Autonomiebedürfnisse ent­wickeln. Das kann sich in dem Wunsch äussern, eine Weiterbildung zu machen, allein oder mit Kolleginnen in die Ferien zu gehen oder ein eigenes Schlafzimmer zu haben. Viele Ehemänner sind dann recht irritiert, da sie sich nach einer meist intensiven beruflichen Phase eher gegenläufig orientieren.

Hier braucht es Austausch darüber, was diese Wünsche eigentlich bedeuten: Geht es darum, sich vom anderen zurückzuziehen, was vielleicht ein Alarmzeichen ist, dass das Paar (eventuell mit professioneller Hilfe) seine Beziehung reflektieren und daran arbeiten muss? Oder ist das Besinnen auf sich selber eine positive Entwicklung, die der Partnerschaft wiederum guttut und die gemeinsame Zeit aufwertet?

Sprechen Sie darüber! Auch wenn Sie sich schon ewig kennen: Jede neue Lebensphase bringt Veränderungen beider Partner mit sich. Und man kann als Paar nur Nähe und Vertrautheit erleben, wenn man sich davon erzählt. Gespräche als Paar sollten möglichst häufig als Chance gesehen werden, auch Persönliches auszutauschen. Denn für rein sachliche Themen gibt es viele Gelegenheiten und Gesprächspartner.

Birgit Kollmeyer

 


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