Ratgeber

Darf man beim Sex auch mal über etwas lachen?

(Symbolbild: Alexandra Wey)
BEZIEHUNGEN ⋅ Während des Vorspiels oder auch beim Sex macht mein Mann öfters einen Spruch, der mich zum Lachen bringen soll. Was ihm auch immer wieder mal gelingt. Zum einen finde ich das schön, zum anderen denke ich manchmal, dass dadurch die erotische Spannung etwas verlorengeht. Passen Sex und Humor zusammen?
24. August 2017, 05:00

Wenn man sich vor Augen führt, was beim Lachen mit uns passiert, erhält man den Eindruck, dass Sex und Humor eine tolle Kombination sind: Beim Lachen bewegt sich nahezu der ganze Körper, und man atmet deutlich tiefer als sonst. Dadurch werden Herz und Kreislauf angeregt, was alle Zellen des Körpers besser durchblutet und mit mehr Sauerstoff versorgt. Die Muskeln entspannen sich. Und Bewegung, vertiefte Atmung und ein variabler Muskeltonus sind ideale Voraussetzungen für guten Sex.

Lachen bewirkt auch, dass unser Gehirn die Produktion von Stresshormonen bremst, wodurch Anspannung und Stress von uns abfallen. Es entsteht also eine lockere, entspannte Stimmung. Man kann die Gedanken beruhigen, den Verstand loslassen. Gerade Frauen haben oftmals Mühe, beim Sex total abzuschalten: Ihnen geht ein Erlebnis des vergangenen Tages durch den Kopf, sie machen sich Gedanken darüber, dass ihr Bauch in einer bestimmten Position noch runder aussieht und dass sie noch die Wäsche aufhängen müssen.

Mit Humor etwas ansprechen

Eine Prise Humor im richtigen Moment kann eingefahrene Erlebens- und Interaktionsmuster verändern. Gerade wenn das Paar zusammen über sich lacht – «Man könnte denken, wir bekämen einen Preis für Schnelligkeit: gerade mal neun Minuten mit Vorspiel» –, kann auch mal ein Thema angesprochen werden, bei dem es Verbesserungspotenzial gibt, ohne es als grosses Problem darzustellen. «Im Ernst jetzt: Sich mal wieder richtig Zeit nehmen wäre schon schön.» Gemeinsames Lachen stärkt die Verbundenheit und erleichtert die Kommunikation.

Interessant ist auch, dass sowohl beim Lachen als auch bei Liebesgefühlen und beim Orgasmus verstärkt Serotonin – was man als «Glückshormon» bezeichnen kann – ausgeschüttet wird. Vieles spricht also dafür, grundsätzlich möglichst häufig zu lachen und gerade auch beim Sex den Humor nicht aussen vor zu lassen.

Dennoch ist Fingerspitzengefühl angesagt, in welchem Moment Humor passt und in welchem nicht. Denn manchmal ist es wichtig, einer Stimmung nachspüren oder sich auf seine Wahrnehmungen konzentrieren zu können, um die Erregung zu steigern.

Frauen störungsanfälliger

Ein witziger Spruch in einem falschen Moment – was zugegebenermassen subjektiv ist – kann stören. Frauen sind hier empfindlicher als Männer, was daran liegt, dass ihr Begehren viel stärker vom Kontext und Verlauf der sexuellen Begegnung abhängt. Weibliches Begehren geht nicht unbedingt der sexuellen Begegnung voraus, sondern entsteht oftmals erst dabei. Und es ist störungsanfälliger: Geräusche, dünne Wände oder eben ein Spruch, der als unpassend empfunden wird, können die Erregung abflachen oder gar zum Versiegen bringen.

Die grosse Kunst scheint zu sein, den richtigen vom falschen Moment zu unterscheiden – oder darüber zu lachen, wenn es mal schiefgegangen ist.

Birgit Kollmeyer

 


Leserkommentare

Anzeige: