Kann man von Pornofilmen auch etwas lernen?

«Love Live»-Kampagne des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). (Bild: Keystone/BAG)
BEZIEHUNGEN ⋅ Kürzlich habe ich (m, 29) in einer Zeitschrift gelesen, dass man durch den Konsum von Pornofilmen besser im Bett werde. Dabei dachte ich eher, dass dies schädlich sei. Gibt es denn tatsächlich etwas, das man aus ­Pornofilmen lernen beziehungsweise positiv ins reale Sexleben einbringen kann?
28. April 2017, 05:00
Eugen Bütler, Luzern

Pornografie wird in unserer Gesellschaft sehr kontrovers bewertet. Viele lehnen sie aus moralischen Überlegungen ab. Wer sich als Liebhaber von Pornografie outet, wird zum Teil schnell verurteilt. Aus diesem Grund leben Männer wie Frauen ihre Lust daran im Verborgenen.

In der Mehrheit sind es immer noch Männer, die in ihre körperliche Selbstliebe Pornos mit einbeziehen. Es gibt zwar auch zunehmend Frauen, die Pornografie konsumieren, viele von ihnen aber fühlen sich vom dort gezeigten (männlichen) Verhalten abgestossen.

Mechanisch statt liebevoll

Was aber haben Männer (oder Frauen) davon, wenn sie Pornos konsumieren? Ich denke, es geht zuerst einmal um den Reiz – den Reiz des Neuen, den Reiz von Körpern, die scheinbar beliebig lang kopulieren. Es geht um eine bestimmte Art von Sex, die eher mechanisch und funktional als liebevoll und sinnlich ist. Es gibt zwar Ausnahmen, aber die meisten Pornofilme folgen diesem einfachen Muster.

Ich sehe genau darin das Problem. Sex wird auf einen mechanischen Akt reduziert und zum Konsumgut degradiert. Wer also oft und unreflektiert Pornos schaut, wird unbewusst die Art der betrachteten Sexualität auf seine realen Liebesbeziehungen übertragen.

Das ist der Grund, weshalb ich und andere Berater Pornografie nicht uneingeschränkt bejahen können. So habe ich Männer in der Beratungspraxis gehabt, die mit 25 Jahren nicht mehr fähig waren, ohne Viagra mit einer realen Frau zu schlafen, weil sie seit ihrer Pubertät jeden Tag zu Pornos Selbstliebe machten. Das Suchtpotenzial ist sehr gross, die Grenze zu süchtigem Verhalten fliessend.

Abgründige Seite ausleben

Ich empfehle deshalb, Pornografie, wenn sie jemand für seine Selbstliebe einbezieht, sehr bewusst auszusuchen. Tatsächlich gibt es Filme, die viel Sinnlichkeit und Achtsamkeit ausstrahlen. Die Bedürfnisse sind indes unterschiedlich. Manche leben über Pornos auch eine abgründige Seite aus, was kurzfristig funktionieren kann. Grundsätzlich ist das eine Entscheidung, die jede und jeder für sich selber treffen sollte.

Körperliche Funktion üben

Nun zu Ihrer Frage, was an Pornos für das eigene Sexleben stimulierend oder hilfreich sein kann. Der Konsum kann allenfalls helfen, das eigene Sexleben in Schwung zu halten. Ein Mann, der sich ab und zu selber befriedigt und dabei Bilder und Filme gebraucht, übt dadurch körperliche Funktionen, die dann auch im Liebesspiel mit seiner Partnerin von Bedeutung sind.

So lange er gut unterscheiden kann zwischen Fiktion und Wirklichkeit und ihm die Sehnsucht nach der Verbindung mit der Partnerin erhalten bleibt, kann ein massvoller (!) Konsum von (sinnlicher) Pornografie einen Beitrag im obigen Sinne leisten. Stimmige Sexualität und glückliche Lust entfalten sich auf verschiedenste Weise. Auch hier gilt: Jede und jeder ist seines eigenen Glückes Schmid.

Eugen Bütler
 


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