Mein Vater kann sich ganz schön aufregen. Vor allem wenn man in einem geschlossenen Raum einen Kebab verdrückt. «Es stinkt!», sagt er jeweils und er hat ja auch recht. Obwohl der Kebab nicht während, sondern nach dem Essen, intensive Duftstoffe entwickelt. Das türkische Fleisch-Brot ist in dieser Hinsicht durchaus mit Knoblauch zu vergleichen, obwohl genau der ja im Kebab fehlt – erstaunlicherweise. Denn grundsätzlich ist in einem westeuropäischen Kebab ja alles zu finden, was Grossmutters Garten hergibt, Rotkraut und Sellerie inbegriffen. Was sich aber nur ganz selten in einen Kebab verirrt, sind Gurken. Schade. Denn: Ich liebe Gurken, vor allem Salatgurken. Ich bin mir gar nicht sicher wie der fachbiologische Ausdruck dafür lautet – ach ja, Cucumis sativus.
Nun, diese Info ist jetzt in etwa so nützlich wie ein Klotz am Bein, hingegen nicht die Tatsache, dass Salatgurken unheimlich gut zu Tomaten und deshalb auch hervorragend in einen Kebab passen. Leider sind in St. Galler nur wenige Kebab-Läden im Besitz dieser Weisheit. Insofern ist dieser Text auch als Bildungsbeitrag zu verstehen. Oder besser als eine sehr ernstgemeinte Forderung: Hackt die Gurke in die Fläden, liebe gute Kebab-Läden!
Aber vielleicht verbietet dies die Royal Döner GmbH, die Schaltstelle der Ostschweizer Kebab-Connection. Oder sollte man besser sagen die Kebab-Mafia? Denn, wer heute in der Region einen Kebab-Laden eröffnet, muss mit dem Besuch einiger stämmiger Kurden rechnen. Die wollen nicht essen, sondern die monatlichen Fixkosten besprechen. Es ist hart, das Kebab-Geschäft. Da reicht es nicht auch noch für Gurken. Ich würde sie daher auch als Zeichen des Protestes verstehen. Lukas Bollhalder
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