Nino Odermatt ist Schweizer und Kanadier zugleich. Seine Familie verliess die Schweiz, als er sieben Jahre alt war. Im vergangenen Herbst kehrte der heute 19-Jährige zurück, um bei seinem Onkel, der im appenzellischen Speicher eine Sägerei hat, zu arbeiten. Er kannte die Schweiz von Besuchen und vom «Hörensagen». Nach einigen Monaten Aufenthalt hält der Schweizer Alltag noch immer viele Überraschungen bereit: zum Beispiel die Fasnachtszeit.
Welches sind die gewichtigsten Unterschiede zwischen der Schweiz und Kanada? Die Frage ist verfänglich. Kanada sei gross, die Schweiz klein; die Kanadier seien wahrscheinlich relaxter, die Schweizer gestresster. Bald wird klar: Nino Odermatt tut sich schwer, die beiden Länder einander gegenüberzustellen.
Auch, weil er beide als «meine Heimat» bezeichnet. Die eine Heimat gibt es nicht. Das zeigt sich in seinen Hobbies.
In Kanada hat er mit anderen Auslandschweizern jodeln gelernt, um die Schweizer Wurzeln weiterzupflegen. Sein Jodel-Chörli mass sich 2008 am Eidgenössischen Jodlerfest in Luzern.
Dort wurde der Chor «in der zweiten Stärkeklasse klassiert», wie der 19-Jährige nicht ohne Stolz erwähnt. Noch wichtiger ist ihm das Eishockeyspielen, in Kanada die wichtigste Volkssportart.
Mit zehn Jahren hat er seine eigene Ausrüstung gekauft und stürmt seither für den Club «Sylvan Lake Minor Hockey».
Nino Odermatt hat keine guten Erinnerungen an den Tag, an dem die Familie auswanderte. Das war im Jahr 1997. Nino Odermatt, damals siebenjährig, besuchte die zweite Kindergartenklasse, als es hiess: «Wir wandern nach Kanada aus.» Er wusste nicht, was ihn in Kanada erwartete, die weitgereisten Eltern hingegen versprachen sich viel von einem Leben in Übersee.
Die vierköpfige Familie räumte ihr Einfamilienhaus und stellte sämtliche Möbel in einen Frachtcontainer. Nino Odermatt, seine Schwester und die Mutter nahmen das Flugzeug. Nino weinte. Das Kabinenpersonal schickte ihn zu den Piloten ins Cockpit, um ihm Ablenkung zu verschaffen. Der Vater folgte der Familie zwei Tage später. Er kaufte sich einen Direktflug, um mit dem Hund reisen zu können.
Kanada ist ein seit Jahrhunderten beliebtes Auswanderungsziel für die Schweizer. Als vermutlich erste erreichten im 17. Jahrhundert die Solothurner Jean Terme und sein Kollege Rutac die noch sehr unwirtliche Gegend. Sie siedelten sich in der Gegend der heutigen Stadt Québec an, die damals «Nouvelle France» hiess. Auch einige Pioniere aus der Region Fribourg wagten sich in jenen Jahren nach Kanada vor.
Der Hauptharst der Auswanderer suchte allerdings eher in New York und Baltimore sein Glück – was sich bis in die Gegenwart hinein nicht geändert hat.
Ende 2008 sind bei den Vertretungen der Schweiz im Ausland insgesamt 676 176 Schweizer Staatsangehörige gemeldet gewesen, das entspricht etwa der Bevölkerung des Kantons Waadt. Geographisch an der Spitze steht Frankreich, gefolgt von Deutschland, den USA, Italien und, an fünfter Stelle, Kanada. 38 200 Schweizer leben dort.
Hereingelassen werden sie nach einem Punktesystem. Gesucht sind gutausgebildete Kaufleute, Kaderleute, Selbständige, Unternehmer und Investoren. Sie müssen sich zurechtfinden in einer Welt, die zwar Platz bietet, aber auch in vielem ungewohnt ist.
Für Nino Odermatt waren die ersten Wochen und Monate in der Umgebung der Stadt Red Deer eine triste Zeit. Alles war ihm fremd, er hatte keine Freunde, verstand die Sprache nicht.
Er floh, wenn er zur Schule gehen sollte, und nahm sogar während der Schulstunden Reissaus, so dass die Lehrer nach ihm suchten mussten.
Heute, zwölf Schuljahre später und mit dem High-School-Abschluss im Curriculum, sagt er vorsichtig: «Ich fühle mich eher als Kanadier.» In Kanada habe er seine Kollegen und die Familie. Der Vater arbeitet als Bodenleger und führt ein eigenes Unternehmen.
Nino Odermatts einjähriges Berufspraktikum als Zimmermann soll ihm helfen, sich zu entscheiden, welchen Berufsweg er einschlägt. Bis Juli 2010 lässt er sich Zeit, dann möchte er sich entscheiden. Vieles ist offen, auch, ob seine Zukunft in der Schweiz liegt.
Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!Pizzakurier ist nicht gleich Pizzakurier, das zeigt sich nicht nur in den unterschiedlichen Lieferzeiten. «zoom» hat fünf Kuriere in der Stadt St.Gallen getestet. ... »
Tief im Thurgau, versteckt zwischen Obsthainen und Stoppelfeldern taucht es auf: Langrickenbach. Hier wird der Fremde, die Augen am Navi klebend, zum Hindernis.... »
Fasnacht im Rheintal ist nicht Fasnacht wie in der übrigen Ostschweiz. Fasnacht im «Rinntl» ist etwas Besonderes. Man gibt sich freizügig, feiert ausgelassen. In der «Krone» in Widnau ist das nicht anders.... »
Vreni Giger ist seit letztem Herbst alleinige Chefin im St. Galler «Jägerhof». Der Wechsel vollzog sich fast unbemerkt, aber um doch noch ein Zeichen zu setzen, kocht Vreni Giger heute für Koch- und Winzer-Kolleginnen. Die Appenzellerin über Respekt vor dem Gast, militärische Disziplin und Winterfreuden. ... »
Der Morgenverkehr rauscht links und rechts an einem, hinter den grossen Fensterscheiben, vorbei. Auf dem kleinen Tischchen, um das man sitzt, findet nicht mal eine ausgefaltete Tageszeitung Platz.... »
Das Schweizer Militärbiscuit hat seine historischen Wurzeln im Zwieback der römischen Armee. Zwieback wurde den Soldaten als Proviant auf Feldzüge mitgegeben. Die Römer nannten den Zwieback «panis biscotum» – das zweifach gebackene Brot. Der Begriff Biscuits soll sich davon ableiten lassen.... »
Von den einen Soldaten geliebt, von den anderen wohlgelitten: Das Schweizer Militärbiscuit ist 50 Jahre alt. Für 2010 sind 70 Tonnen «Stück Sägemehl» bestellt. ... »
Am Anfang war's eine Degustationstheke. Acht Jahre später ist die Bar der Roggwiler «huus-braui Spezialitätenbrauerei» eine Feierabendbar. Das Einzigartige: Der Gast sitzt auf dem Bierfass.... »
Einfach nur «än Kafi» gibt es hier nicht. «Was für einer soll's den sein?», fragt die Bedienung mit wienerischem Schmäh.... »
Wem 15 Franken für eine Familienmahlzeit noch immer zu viel ist, der findet auch Billigeres.... »
Wer im Januarloch aufs Geld achten muss, sich aber trotzdem gesund ernähren möchte, liest am besten die «Sparflamme»: Das Kochbuch versammelt Rezepte von Gerichten, die weniger als 15 Franken kosten. ... »
Bars wie diese gibt es nicht viele. Schon der Name ist eine Prophezeiung: «Bye Bye Bar». Ein Ort zum Adieu-Sagen, vielleicht für immer, vielleicht nur für zwei Wochen.... »
LONDON. Die Briten sollen wissen, ob sie beispielsweise zu viel Fett essen: Das Land hat seit drei Jahren ein einfaches Deklarationssystem. Auch in der Schweiz wird darüber diskutiert. ... »
Sambuca ohne Kaffeebohne Manchmal leert sich eine Flasche pro Tag. «Ich behaupte, wir haben den höchsten Sambuca-Umsatz der ganzen Schweiz», sagt Andreas Schoch, Geschäftsführer der Treu Bar & Lounge in Tägerwilen.... »
Ein Jahr lang hat unsere Zeitung regelmässig Kebabläden in der Ostschweiz besucht. Zeit für eine Bilanz. Denn obwohl wir auf der Dürümtour das Immergleiche gegessen haben, zeigten sich nicht nur auf dem Teller Unterschiede. ... »
Gratisdeo auf dem Damenklo Wer sagt, Uznach liege in der Provinz, der muss beim Besuch der Vertigo Bar hurtig umdenken.... »
Im Schaufenster ranken sich Pflanzen um einen grossen Flachbildschirm. Von aussen ist er gut zu sehen; Fotos von leckeren Kebabgerichten sollen schliesslich hungrige Passanten anlocken.... »
Für Skifahrerinnen und Boarder ist der Apéro nach einem langen Tag im Schnee ein Ritual, dass sich jeweils ganz von selbst einstellt. Die Latten werden gebuckelt und zum Hotel oder ins Ferienhaus getragen.... »
Hauptsache orange Im ovalen Turm am Bahnhof sind ein paar Fenster hell erleuchtet. Das neue Wahrzeichen von Heerbrugg thront über dem ebenso neuen Dorfzentrum. Auch daneben an der Hauptstrasse fällt eine frisch gestrichene orange Fassade ins Auge.... »
«Kannst Du den Fernseher anmachen, Hampi?», fragt eine ältere, aber rüstige Frau den Chef des Hafen-Treffs in Rorschach. Sie komme seit 33 Jahren täglich hierher, zum Morgenkaffee oder manchmal auch zum Raclette, sagt sie.... »