Es knistert und rauscht aus dem Funkempfänger, der auf dem Bistrotisch liegt. «Ein Funkspruch», meint Jasmine Plüss. Sie presst ihre Nase dicht an die Fensterscheibe und schaut in den kalt-grauen Himmel.
«Da landet etwas!» – Hastig zückt sie ihre Spiegelreflexkamera, wechselt das Objektiv und geht in Bereitschaftsstellung. Die anderen Gäste im Café des Flughafens Altenrhein schauen verwirrt. Sie stört das allerdings nicht: «Cool, eine Falcon mit der neuen Bemalung.
» Es klickt fünfmal, und Plüss setzt sich wieder hin. Sie nimmt ihr drittes Werkzeug, den Notizblock, hervor und schreibt die Registrationsnummer des Flugzeugs auf. Mit dieser könne sie in einer Online-Datenbank nachsehen, wer im Besitz der Maschine ist.
Vielleicht die Prominenz, die gerade aussteigt und auf dem Weg zum WEF ist? «Meistens eher Leasinggesellschaften. Aber die Promis interessieren mich sowieso nicht», so Plüss.
Die Oberuzwilerin ist auf der Jagd nach den besten Flugzeugfotos, die sie zu Hause auf ihre eigens eingerichtete Website lädt. Genau wie die anderen Plane-Spotter (Flugzeug-Beobachter), von denen es derzeit rundum den Flughafen Altenrhein nur so wimmelt: «Für uns Spotter ist jetzt die heilige Woche – nie kriegt man hier so viele verschiedene Jets vor die Linse wie während des WEF», erklärt die 40-Jährige.
Viele davon hat Plüss schon mehrere Male für ihre Sammlung, die sie online präsentiert, fotografiert. «Meine Festplatten überlaufen vor lauter Bildern» – insgesamt seien es rund 90 000 Fotos, die sie in den letzten zwanzig Jahren geschossen hat. Und das in ganz Europa: So stand sie mit Kamera, Funkempfänger und Notizblock schon bei den Rollbahnen der grössten Flughäfen in Holland, England, Italien und Deutschland.
Und auch in Frankreich, wo sie vor fünf Jahren ihr bedeutendstes Bild, nämlich vom Erstflug des Airbus A-380, geknipst hat: «Der A-380 ist mit seiner enormen Grösse und Schönheit mein Lieblingsflugzeug.»
Für die Aufnahme erhielt sie unter Spottern grosse Anerkennung – nicht zuletzt gehe es schliesslich auch genau darum, wie Plüss erklärt: «Das Ganze ist manchmal schon eine Trophäenjagd.»
Machtkämpfe gebe es aber trotzdem nicht. «Auf Reisen», so Plüss, «gehe ich immer mit anderen Spottern, und wenn die Flieger dann kommen, steht keiner vor der Linse des anderen.» Plüss ist auch Mitglied des Vereins Air Sidephoto Zürich. «Zusammen reisen wir zu den Flughäfen Europas und haben dort manchmal sogar die Möglichkeit, hinter die Sicherheitszäune, sehr nahe ans Rollfeld zu gelangen.» Natürlich nur mit den erforderlichen Sicherheitsmassnahmen. Dazu gehören leuchtend gelbe Jacken.
So eine, wie Plüss meistens trägt. «Wir Spotter sind auch sonst ein auffälliges und eigenes Volk.» Ihre nichtspottenden Freunde könne sie deswegen an einer Hand abzählen. Das störe sie allerdings nicht weiter, denn: «Meine Freizeit», so Plüss, «verbringe ich sowieso immer auf Flugplätzen.» Und wenn sie nach Hause fährt, dann meistens zum Bearbeiten der eben geschossenen Bilder. So bleibt keine Zeit mehr für Freunde – «mein Leben besteht nun mal aus Flugzeugen».
Plüss lacht.
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