Thomas Stadler ist ein Tüftler, ein Grübler und ein Knobler. Er geht mit offenen Augen durch die Welt. Und wenn er etwas entdeckt, das er nicht versteht, dann gibt er keine Ruhe, bis er es verstanden hat. So geschehen vor rund fünf Jahren im Estrich seiner Eltern. Auf der Suche nach etwas, ist dem 32-Jährigen sein früheres Kinderspielzeug in die Hände gefallen: ein bunter Zauberwürfel – ein Rubik's Cube. Ein Würfel, der aus verschiedenfarbigen Teilen besteht, die es zu sortieren gilt. Was den wenigsten gelingt.
Auch Thomas Stadler nicht – zumindest nicht als Kind, nicht ohne zu schummeln.
«Ich weiss noch ganz genau, wie ich als Kind nach vielen erfolglosen Versuchen einfach die farbigen Kleber vom Würfel abgezogen und richtig plaziert habe», sagt Thomas, der heute selbst eine neun Monate alte Tochter hat. So einfach, wie er das Problem als Kind löste, wollte er es sich aber damals im Estrich nicht mehr machen. «Ich beschloss, den Kampf wieder aufzunehmen und das Rätsel des Würfels zu lösen.»
Kurzerhand kaufte sich der Lehrer, der in Bazenheid unterrichtet, einen neuen Zauberwürfel. Mit dem Ziel, dessen Rätsel in den Ferien zu lösen. Sieben Tage gab er sich Zeit. Nach sieben Tagen war es geschafft. Und nicht nur das. Aus dem Ferienziel wurde eine Faszination. Zurück zu Hause informierte er sich im Internet über den Rubik's Cube.
«Als ich in einem Video gesehen habe, wie schnell ein Speedcuber die Teile des Würfels dreht, traute ich meinen Augen nicht», sagt er. Unglaublich fasziniert von diesem Können und unglaublich motiviert, es selbst zu lernen, machte sich Thomas ans Werk. Er wollte den Zauberwürfel in möglichst kurzer Zeit zu lösen.
Immer wieder entdeckte er neue Disziplinen, und immer wieder steckte er sein Ziel ein Stück höher. Nach dem traditionellen 3er-Würfel kamen der 2er-, 4er- und 5er-Würfel dazu.
An einer offenen Meisterschaft in Tschechien im Jahr 2006 holte er sich dann mit einer Zeit von 24,15 Sekunden den Schweizer Rekord.
Dort entdeckte er auch zum ersten Mal das «Blindfold-Cubing». Dabei lösen die Cuber den Würfel mit verbundenen Augen. Dies, nachdem sie sich im Vorfeld die Ausgangsstellung der einzelnen Teile eingeprägt haben.
«Diese Disziplin zeigt am besten auf, um was es beim Cubing eigentlich geht», erklärt Thomas, «nämlich ums Auswendiglernen.»
Im Grunde könne jeder den als unlösbar geltenden Zauberwürfel lösen. Es gebe verschiedene Strategien, deren einzelne Zugfolgen man schlicht und einfach auswendig lernen müsse. Auch Thomas musste sich diese Eigenschaft zuerst antrainieren. Gemacht hat er dies im Alltag.
So versuchte der gebürtige Jonschwiler, sich im Alltag alle möglichen und unmöglichen Dinge zu merken. Autonummern auf der Strasse oder Produkte-Strichcodes beim Einkaufen zum Beispiel. Das präzise Auswendiglernen der Zugfolgen ist wichtig, um schnell zu sein. «Mein offizieller Rekord im 3er-Würfel liegt bei 17,5 Sekunden. Privat habe ich es jedoch auch schon in 12,3 Sekunden geschafft», sagt er. Ein Holländer halte im Moment mit 7,08 Sekunden den Weltrekord.
Das nächste Ziel des Kirchbergers ist die Weltmeisterschaft in Düsseldorf im kommenden Oktober. Dort will er alles geben. «Auch wenn das Ganze nur ein Hobby ist, packt mich im Ausblick auf solche Meisterschaften natürlich schon der Ehrgeiz.» Also heisst es üben, üben, üben. Denn Übung macht bekanntlich ja den Meister – auch im Lösen des Zauberwürfels.
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