«Ups», Posten verpasst, bitte wenden – nur wie? Das Wenden eines Motorradgespanns auf einem von Schneemaden flankierten, einspurigen Strässchen ist nicht einfach. Also: weiterpreschen bis zur nächsten Wendemöglichkeit. Klar, die drei Gespanne hinter dem führenden, in dessen Seitenwagen ich sitze, von allen stillschweigend zum versiertesten Kartenleser erklärt, sind blind gefolgt und müssen nun ebenso umdrehen. Bald geht es das Strässchen zurück und bergauf.
Die Fahrer geben Gas, die Stollen der Reifen graben sich tief in den sulzigen Schnee, es stieben die klatschnassen Schneefetzen an den Helm des Verfolgers.
Ein Töffrallye im Winter hat ihre eigenen Gesetze. Je mehr Schnee liegt, je übler das Terrain abseits der geteerten Wege, desto wohler wirds den Fahrern auf ihren tollkühnen Kisten. Den Beifahrern, «Plampis» genannt, wirds unter Umständen etwas unwohl.
Sie sind die Navigatoren, müssen sich auf der Karte orientierten und sich beim allgemeinen Gerüttle und Gestöber im eiskaltem Fahrtwind permanent die Gischt der voranfahrenden Autos vom Helmvisier wischen. Es kommt vor, dass ein Posten innert Sekundenbruchteilen regelrecht vorbeifliegt, das Malheur auf der Karte ein paar Millimeter beträgt, in Wahrheit aber einige Strassenkilometer ausmacht. Von Irrfahrten blieben am Samstag die meisten Teilnehmenden des 2. Chnüttler-Revivals verschont.
Angetreten waren rund 40 Motorradfahrerinnen und -fahrer aus der Deutschschweiz. Fahrerinnen und Fahrer der harten Sorte, die im Winter das Kennzeichen ihrer Maschine nicht deponieren. Männer im gesetzten Alter, denen es in der Schweiz zu wenig Schneematsch hat und sich deshalb ab und an durch die gefroreren Sümpfe Russlands pflügen. Biker, die in widrigen Strassenverhältnissen eine besondere Herausforderung sehen.
Logisch, dass die «Chnüttler-Rally» denn auch nicht über allseits bekannte Verkehrsachsen führte, sondern vorwiegend auf Nebenstrassen und -strässchen des Zürcher Oberlands und des Toggenburgs. Das Fahren ist nur ein Teil der «Chnüttler-Rally». Zusätzlich mussten etliche Fragen beantwortet und einige Geschicklichkeitsprüfungen bestanden werden.
Die Organisatoren Fränzi Göggel und Rolf Lüthi aus Mühlrüti dazu: «Ziel ist es, möglichst viele der gemeinen und hinterhältigen Aufgaben zu lösen. Es ist keine Rally mit Zeitmessung.» Fragen, deren Antworten man erst beim Anfahren der Posten findet, und Tests, bei denen nicht ausschliesslich das fahrerische Können gefragt ist, sondern simples Rüeblischälen als Beispiel. Letzteres hat zum einzigen Unfall an der rund achtstündigen Rundfahrt geführt.
Bei Degersheim gab es eine Steigung von 20 Prozent. «Gestern kam ich mit meinem Gespann hier nicht rauf», so Fränzi Göggel. Einen Tag später klappte es. Aus einer Eisschicht war Sulzschnee geworden. Mehr Mühe bereitete die Schlussprüfung: Mit einem «Rüttelbock», einem exzentrisch angetriebenen Motorrad, war ein Parcours fehlerfrei abzufahren. Alle Teilnehmenden mussten antreten – auch die Beifahrer. Der motorradfahrerisch unerfahrene «Plampi»-Berichterstatter wurde ordentlich durchgerüttelt.
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