Leben: 30. Januar 2010, 01:03

«Der unternehmerische Geist ist konstant»

Thierry Volery Direktor KMU-Institut, Universität St. Gallen Bild: Quelle

Jungunternehmer HSG-Professor Thierry Volery beschäftigt sich mit dem Unternehmertum in der Schweiz und berät Studenten, die ein Start-up gründen wollen. Deshalb weiss er auch, wo die grössten Hürden liegen.

Herr Volery, woran scheitern Start-ups am häufigsten?

Thierry Volery: Es können viele Fehler passieren. Zum Beispiel kann das Produkt technisch noch nicht reif sein und sich deshalb nicht auf dem Markt etablieren. Oder niemand will das Produkt kaufen, weil man vorher den Markt nicht sorgfältig studiert hat. Oder die Geschäftsidee ist grundsätzlich nicht rentabel.

Anzeige
 
 

Unsere drei Jungunternehmer zahlen sich auch nach sieben Monaten noch keinen Lohn aus. Ist das gesund?

Volery: Das hängt davon ab, wie optimistisch man ist. Es gibt viele Unternehmer, die auch nach ein, zwei Jahren Selbständigkeit noch am Existenzminimum leben. Jeder muss sich genau überlegen, wie lange er das mitmachen will.

Spielt auch die Branche eine Rolle?

Volery: Ja. Wenn Sie zum Beispiel ein Biotechnologie-Produkt verkaufen wollen und zuerst klinische Tests durchführen müssen, dann kann es Jahre dauern, bis Sie schwarze Zahlen schreiben. Bei Dienstleistungen ist es einfacher. Ein Coiffeursalon beispielsweise sollte relativ schnell rentieren.

Macht es Sinn, früh zu expandieren und ins Ausland zu gehen?

Volery: Auch hier kommt es auf das Produkt an. Heute sind aber viele Start-ups von Anfang an international tätig. Sie werden «global geboren», wie man in der Ökonomie sagt. Dank Freihandel und weltweiter Vernetzung ist es heute auch einfacher als früher, im Ausland tätig zu sein.

Wie kommt man als Jungunternehmer zu Startkapital?

Volery: Da gibt es kein Geheimrezept. In der Schweiz bestehen wenige Fördermassnahmen für Jungunternehmer, diese müssen aus eigener Anstrengung zu Geld kommen. Das ist vielleicht gar nicht schlecht. Denn wer schon die Investoren nicht überzeugen kann, wird auch später am Markt kaum Erfolg haben.

Hat das Unternehmertum durch die Wirtschaftskrise gelitten? Scheut man sich heute eher, Neues zu wagen?

Volery: Nein, das kann ich nicht bestätigen. Gemäss einer Umfrage arbeiten heute fast acht Prozent der Schweizer in einem Start-up oder überlegen sich, eines zu gründen. Diese Quote ist seit zehn Jahren relativ stabil und auch in der Wirtschaftskrise nicht gesunken. Die Schweiz ist nach wie vor ein unternehmerisches Land.

Allerdings haben im vergangenen Jahr auch die Konkurse drastisch zugenommen.

Volery: Das stimmt. Wenn die Wirtschaft boomt, ist es nicht schwierig, sich am Markt zu behaupten. Anders sieht es in der Krise aus, da ist man schneller weg vom Fenster.

Bietet die Wirtschaftskrise für Start-ups auch Chancen?

Volery: Ja, denn wenn sich das Kundenverhalten ändert, tun sich neue unternehmerische Möglichkeiten auf. Die Menschen bleiben in den Ferien zum Beispiel lieber in der Schweiz, als nach Thailand zu fliegen. Dem können Unternehmer mit entsprechenden Reiseangeboten begegnen.

Roger Berhalter



Share
« zurück
Kommentare Beitrag kommentieren
Zu diesem Text sind keine Kommentare vorhanden

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!
Copyright © St.Galler Tagblatt AG
Alle Rechte vorbehalten. Eine Weiterverarbeitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung zu gewerblichen oder anderen Zwecken ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von www.tagblatt.ch ist nicht gestattet.
Anzeige
Zu Tisch
12.03.2010
Der grosse Pizzatest

Pizzakurier ist nicht gleich Pizzakurier, das zeigt sich nicht nur in den unterschiedlichen Lieferzeiten. «zoom» hat fünf Kuriere in der Stadt St.Gallen getestet. ... »

11.03.2010
Billy the Kid im «Pöschtli»

Tief im Thurgau, versteckt zwischen Obsthainen und Stoppelfeldern taucht es auf: Langrickenbach. Hier wird der Fremde, die Augen am Navi klebend, zum Hindernis.... »

11.02.2010
Im hölzigen Himmel

Fasnacht im Rheintal ist nicht Fasnacht wie in der übrigen Ostschweiz. Fasnacht im «Rinntl» ist etwas Besonderes. Man gibt sich freizügig, feiert ausgelassen. In der «Krone» in Widnau ist das nicht anders.... »

Anzeige
Zu Tisch
08.02.2010
Gaumenbegabung

Vreni Giger ist seit letztem Herbst alleinige Chefin im St. Galler «Jägerhof». Der Wechsel vollzog sich fast unbemerkt, aber um doch noch ein Zeichen zu setzen, kocht Vreni Giger heute für Koch- und Winzer-Kolleginnen. Die Appenzellerin über Respekt vor dem Gast, militärische Disziplin und Winterfreuden. ... »

04.02.2010
Von der Backstube direkt auf den Teller

Der Morgenverkehr rauscht links und rechts an einem, hinter den grossen Fensterscheiben, vorbei. Auf dem kleinen Tischchen, um das man sitzt, findet nicht mal eine ausgefaltete Tageszeitung Platz.... »

03.02.2010
Eine Erfindung der Römer

Das Schweizer Militärbiscuit hat seine historischen Wurzeln im Zwieback der römischen Armee. Zwieback wurde den Soldaten als Proviant auf Feldzüge mitgegeben. Die Römer nannten den Zwieback «panis biscotum» – das zweifach gebackene Brot. Der Begriff Biscuits soll sich davon ableiten lassen.... »

Anzeige
Anzeige

Zu Tisch
03.02.2010
50 Jahre Trockenheit

Von den einen Soldaten geliebt, von den anderen wohlgelitten: Das Schweizer Militärbiscuit ist 50 Jahre alt. Für 2010 sind 70 Tonnen «Stück Sägemehl» bestellt. ... »

28.01.2010
«Es muss bierig sein»

Am Anfang war's eine Degustationstheke. Acht Jahre später ist die Bar der Roggwiler «huus-braui Spezialitätenbrauerei» eine Feierabendbar. Das Einzigartige: Der Gast sitzt auf dem Bierfass.... »

21.01.2010
Am Bodensee zmörgelen wie am Donaukanal

Einfach nur «än Kafi» gibt es hier nicht. «Was für einer soll's den sein?», fragt die Bedienung mit wienerischem Schmäh.... »

19.01.2010
Pfeffer-Penne für fünf Franken

Wem 15 Franken für eine Familienmahlzeit noch immer zu viel ist, der findet auch Billigeres.... »

19.01.2010
Auf Sparflamme

Wer im Januarloch aufs Geld achten muss, sich aber trotzdem gesund ernähren möchte, liest am besten die «Sparflamme»: Das Kochbuch versammelt Rezepte von Gerichten, die weniger als 15 Franken kosten. ... »

14.01.2010
«Cafi-Cockpit» und Herzschmerz

Bars wie diese gibt es nicht viele. Schon der Name ist eine Prophezeiung: «Bye Bye Bar». Ein Ort zum Adieu-Sagen, vielleicht für immer, vielleicht nur für zwei Wochen.... »

21.01.2010
Die Ampel auf Lebensmitteln

LONDON. Die Briten sollen wissen, ob sie beispielsweise zu viel Fett essen: Das Land hat seit drei Jahren ein einfaches Deklarationssystem. Auch in der Schweiz wird darüber diskutiert. ... »

30.12.2009
barhocker

Sambuca ohne Kaffeebohne Manchmal leert sich eine Flasche pro Tag. «Ich behaupte, wir haben den höchsten Sambuca-Umsatz der ganzen Schweiz», sagt Andreas Schoch, Geschäftsführer der Treu Bar & Lounge in Tägerwilen.... »

18.12.2009
Immer wieder Dürüm

Ein Jahr lang hat unsere Zeitung regelmässig Kebabläden in der Ostschweiz besucht. Zeit für eine Bilanz. Denn obwohl wir auf der Dürümtour das Immergleiche gegessen haben, zeigten sich nicht nur auf dem Teller Unterschiede. ... »

17.12.2009
barhocker

Gratisdeo auf dem Damenklo Wer sagt, Uznach liege in der Provinz, der muss beim Besuch der Vertigo Bar hurtig umdenken.... »

10.12.2009
Statt Fleisch gibt's Rucola

Im Schaufenster ranken sich Pflanzen um einen grossen Flachbildschirm. Von aussen ist er gut zu sehen; Fotos von leckeren Kebabgerichten sollen schliesslich hungrige Passanten anlocken.... »

03.12.2009
Spiegeleier vom Heizpilz

Für Skifahrerinnen und Boarder ist der Apéro nach einem langen Tag im Schnee ein Ritual, dass sich jeweils ganz von selbst einstellt. Die Latten werden gebuckelt und zum Hotel oder ins Ferienhaus getragen.... »

26.11.2009
Mit Scharf

Hauptsache orange Im ovalen Turm am Bahnhof sind ein paar Fenster hell erleuchtet. Das neue Wahrzeichen von Heerbrugg thront über dem ebenso neuen Dorfzentrum. Auch daneben an der Hauptstrasse fällt eine frisch gestrichene orange Fassade ins Auge.... »

19.11.2009
Man trifft sich auf zehn Quadratmetern

«Kannst Du den Fernseher anmachen, Hampi?», fragt eine ältere, aber rüstige Frau den Chef des Hafen-Treffs in Rorschach. Sie komme seit 33 Jahren täglich hierher, zum Morgenkaffee oder manchmal auch zum Raclette, sagt sie.... »

Anzeige
Anzeige
zum Seitenanfang
Montag, 15. März 2010, 8.34 Uhr
© St.Galler Tagblatt – Publikation der TAGBLATT MEDIEN